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22.03.2020

Wie Menschen weltweit das Klima retten

Solar-Pioniere, Wald-Macher, Wasser-Kämpfer

Täglich prasseln Katastrophenmeldungen zum Klimawandel auf uns ein; man könnte jede Hoffnung verlieren. Doch es gibt, abseits der Weltöffentlichkeit, Menschen, die unter oft widrigsten Umständen entschlossen handeln und ­Beeindruckendes leisten, um unser Klima zu schützen.

Sechs erfolgreiche Initiativen hat der vielfach preisgekrönte Journalist und Entwicklungsexperte Thomas Kruchem besucht.

Packend und reich bebildert erzählt er, wie Solarstrom Dörfer in Mali aufblühen lässt, wie sich Bürger von La Paz gegen Wassermangel wappnen; wie Menschen in Niger und Äthiopien, in Haiti und Schottland neuen Wald und neue Landwirtschaft schaffen; wie sich Slums in Manila in klimasichere Wohnquartiere verwandeln. Kritische Klimagedanken schaffen den Kontext.

 

Aus dem Inhalt:

  1. Bäume für die Bauern Nigers: Bauern im Sahel-Land Niger holzten über Jahrzehnte die Bäume auf ihren Hirse- und Sorghum-Feldern ab – weil dies Agrarberater empfahlen. In der Folge scheiterten viele Versuche, die Verwüstung Süd-Nigers zu stoppen – bis der Waldmacher kam. Der australische Agrarexperte Tony Rinaudo, Träger des Right Livelyhood Award 2018, entdeckte, dass Wurzeln, Stümpfe und Samen gefällter Bäume im kargen Sandboden weiterlebten. Er zeigte lokalen Bauern, dass Bäume ihre Felder ertragreicher machen, und half ihnen, Millionen Triebe ihrer unterirdischen Wälder zu robusten Nutzbäumen heranzuziehen. Heute stehen im Süden Nigers 280 Millionen Bäume – 40mal so viele wie vor 30 Jahren. Das Mikroklima hat sich verbessert; die Landwirtschaft ist ertragreicher geworden. Rinaudos Konzept der Baumvermehrung ist inzwischen afrikaweit, insbesondere in Äthiopien und Kenia, auf dem Vormarsch.
  2. Sauberer Strom für Malis Dörfer: In Afrika wird Energie meist noch mit klimaschädlichen und krank machenden fossilen Energieträgern gewonnen. Seit kurzem aber wird das gewaltige Sonnenenergie-Potenzial Afrikas erschlossen. Solaranlagen und Akkus sind so preisgünstig geworden, dass sich damit großflächig saubere Energie produzieren und Geld verdienen lässt. Das malisch-deutsche Ehepaar Aida und Torsten Schreiber hat in Dörfern Nigers und Malis bereits zwei Dutzend mobile Kraftwerke errichtet – ohne öffentliche Förderung. Die Projekte haben das Leben dort grundlegend verbessert.
  3. Wasser für La Paz und El Alto: Die rapide wachsende Metropolregion La Paz/El Alto auf 4.000 Meter Höhe bezieht ihr Wasser aus rapide schwindenden Gletschern und verschmutzten Flüssen. 2016/17 kam es zum Wassernotstand. Trotzdem tut der Staat noch zu wenig, neue Staudämme auf dem Altiplano zu bauen, Flüsse nachhaltig zu bewirtschaften und Trinkwasserleitungen zu erneuern. Kommunale Selbsthilfeorganisationen jedoch haben begonnen, tragfähige Systeme der Wasserversorgung zu errichten. Sie erschließen, in indigener Tradition, Regenwasser und Grundwasserquellen; sie motivieren die Menschen, Wasser zu sparen. Und die Regierung übernimmt nun manche Konzepte.
  4. Waldgärten für die Bergbauern Haiti: Haiti war einst fruchtbar. Heute sind die Wälder abgeholzt, die Böden erodiert. Hurrikans zerstören mit wachsender Wucht die Landwirtschaft; viele Menschen emigrieren. Einige tausend Bauern in den Bergen jedoch haben die Initiative ergriffen: Sie legen Waldgärten an, die sie mit Hecken, Obstbäumen und Ananasstauden schützen. Hänge werden mit Ernteresten und Kompost bedeckt, um das Einsickern von Regenwasser zu erleichtern und neuen Humus zu bilden. In Haiti nimmt die Biomasse wieder zu; kleine Inseln bescheidenen Wohlstands bilden sich.
  5. Sicheres Wohnen in philippinischen Städten: Bis 2050 werden, aus heutiger Sicht, mehr als zehn Millionen Filipinos, die in Meeresnähe, leben, ihr Zuhause verlieren. In Manila leben 40% der 15 Millionen Bewohner in Armensiedlungen – immer stärker bedroht von Überschwemmungen infolge schwerer Regenfälle und Taifune. Die städtebauliche Anpassung an den Klimawandel hatte bis vor kurzem ausschließlich die Interessen der Wohlhabenden im Blick. Informelle Siedler werden aus „Gefahrenzonen“ ins Hinterland verdrängt, wo es kaum Arbeit gibt. Klimaschutz und menschenwürdiges Wohnen für Arme in der Stadt lassen sich verbinden. Das beweisen neue Projekte, die Ex-Slumbewohner und die Verwaltung gemeinsam umgesetzt haben.
  6. Wälder für die schottischen Highlands: Schottland war früher von Urwäldern, den Caledonian Forests, bedeckt. Im Laufe der Industrialisierung wurden sie abgeholzt. Nach dem Ersten Weltkrieg waren nur noch fünf Prozent Schottlands bewaldet. Dann begannen engagierte Bürger und die schottische Regierung eine für Europa beispiellose Wiederaufforstungskampagne. Heute sind 19 Prozent Schottlands wieder bewaldet, neben Monokulturen immer häufiger auch mit ökologisch wertvollen Mischwäldern. Bis 2050 soll ein Viertel Schottlands wiederbewaldet sein, auch, um den Klimawandel zu bremsen.

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Quelle   Brandes & Apsel 2020

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