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24.02.2020

BUND: Tierwelt trotz milden Winters unterstützen

In Folge der zu milden Temperaturen überwintern zudem immer mehr Tiere in heimischen Gebieten.

Eisige Wintertage mit Schnee und Minustemperaturen waren in den zurückliegenden Wintermonaten in weiten Teilen Deutschlands selten. Damit fällt der Winter 2019/2020 bisher im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren sehr mild aus, das belegen auch Daten des Deutschen Wetterdienstes. Dabei dient die Kälte der Wintermonate als natürlicher Auslesefaktor und ist wichtig für die Natur. Sollte sich der Trend der Klimakrise hin zu milderen und feuchteren Wintern in den kommenden Jahren verstätigen, werden zahlreiche heimische Tiere und Pflanzen zunehmend ungeeignetere Lebensbedingungen vorfinden. Im Gegenzug dürften andere Arten profitieren, die sich an die Veränderungen anpassen können oder aus benachbarten Regionen einwandern. 

Wie sich der milde Winter auf die heimischen Arten auswirkt, weiß Magnus Wessel, Naturschutzexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er beschreibt, wie Tiere und Pflanzen bei der Anpassung an die neuen Lebensumstände unterstützt werden können: „In Zeiten des Klimawandels sind möglichst naturnahe Gärten als Rückzugsorte für heimische Tierarten dringend notwendig. Hierzu ist wichtig, den Garten am Ende des Sommers nicht ‚aufzuräumen‘ und restlos von allen organischen Substanzen zu säubern. Nach dem Verblühen sollten Gärtnerinnen und Gärtner die Pflanzen einfach im Garten belassen. So bietet der Garten über den Winter hinweg eine wichtige Nahrungsquelle und Lebensraum für zum Beispiel Insekten und Vögel. Auch Fallobst kann als Nahrung für die Tiere im Garten bleiben.“ 

In Folge der zu milden Temperaturen überwintern zudem immer mehr Tiere in heimischen Gebieten. Magnus Wessel: „Unser gesamtes Ökosystem gerät ins Wanken. Zugvögel kehren aufgrund der höheren Temperaturen früher aus ihren Winterquartieren zurück oder treten die Reise gar nicht erst an, sodass in einigen Landesteilen Kranich, Graugans und Star auch ganzjährig bei uns beobachtet werden.“ Das hat auch Auswirkungen auf das Futterangebot: „Wo mehr Vögel in der Heimat bleiben, wird auch mehr Futter benötigt“, erklärt Wessel. Im Garten oder auf dem Balkon kann einiges getan werden, um zu verhindern, dass zumindest in der Stadt für Vögel, Insekten und viele andere Tiere eine zu große Nahrungslücke aufgrund von milden Wintern auftritt. Wessel: „Wer gern selbst gärtnert, sollte vor allem auf heimische Sträucher und Blütenpflanzen setzen, um ein passendes Nahrungsangebot im Garten bereitzustellen. Auch die Blühzeiten sind entscheidend: Idealerweise blühen von Frühjahr bis Herbst unterschiedliche Wildblumenarten und Sträucher.“ 

Laut BUND besonders problematisch: Eingespielte Abfolgen werden durch die veränderten Temperaturen voneinander entkoppelt. Ein Beispiel: Der Kuckuck richtet seine Zugzeiten an der Tageslänge aus und kommt daher immer zur gleichen Jahreszeit aus Afrika zurück. Der Brutbeginn der heimischen Vögel hängt dagegen von der Temperatur ab. „Wird es früher warm, beginnen die hiesigen Vögel früher zu brüten und der Kuckuck findet nach seiner Rückkehr kaum noch Gelegenheit zur Eiablage, da die Brut seiner Wirtsvögel schon geschlüpft ist“, erläutert der BUND-Naturschutzexperte.

Aber auch die Abfolge in der Nahrungskette gerät durcheinander. Wessel: „Die ersten, zarten Anzeichen für den Frühlingsbeginn können wir bereits jetzt beobachten. Kohlmeisen und Amseln machen sich lautstark bemerkbar und die ersten Frühblüher, wie etwa Haselnuss und Erle, treiben aus. Auch Schneeglöckchen und Krokusse recken schon ihre Blütenköpfe empor. Viele Pflanzen blühen nach milden Wintern früher, Insekten hingegen, das zeigen Studien, entwickeln sich nicht im gleichen Tempo, eine Nahrungslücke für die Bestäuber entsteht.“ Ist die Insektenpopulation wegen des Futtermangels kleiner, macht sich das später im Jahr bei der Population von insektenfressenden Vögeln bemerkbar. Dabei setzen Insekten in milden Wintern ohnehin Pilze und Parasiten zu, die bei wärmeren und feuchteren Bedingungen nicht absterben und überwinternde Insekten zusätzlich schädigen. 

Besonders Winterschlaf haltende Tiere stehen vor großen Herausforderungen. „Arten wie Gartenschläfer und Igel werden durch höhere Temperaturen vorzeitig aktiv und verlassen ihr Nest“, so der BUND-Experte. Das Aufwachen aus dem Winterschlaf verbraucht große Energiereserven – und Nahrung ist in den Wintermonaten trotz milden Temperaturen kaum zu finden. „Vielfach endet ein verkürzter oder unterbrochener Winterschlaf deshalb tödlich für die Tiere“, so Wessel abschließend. 

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