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13.12.2019

Das Gedächtnis von Bäumen und Wäldern nutzen

Forstwissenschaftler, Botaniker und Archäologen gestalten den Wald der Zukunft im neuen Projekt „ArchaeoForest“.

Bäume erzählen Lebensgeschichten von mehreren hundert Jahren, Wälder noch längere. In archäologischen Hölzern sind diese Lebensgeschichten wie in Büchern beschrieben, die Archäologen, Historiker, Botaniker, Landschaftsökologen und Forstwissenschaftler nun gemeinsam lesen wollen. „ArchaeoForest“ heißt das neue Gemeinschaftsprojekt, dessen Forschungsergebnisse zur Anpassung der heutigen Wälder an den Klimawandel beitragen sollen.

Wie das? Mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden können konkrete Anzeichen auf die Zusammensetzung und Hinweise zur Widerstandsfähigkeit des als „Miriquidi“ bekannten sächsischen Urwaldes in der mittelalterlichen Warmzeit ermittelt werden. Während dieser im Vergleich zu heute deutlich wärmeren Klimaperiode können die Breite und der innere Aufbau der Jahrringe von Weiß-Tannen, Buchen, Eichen und Fichten helfen, deren Wachstum und Anpassungsfähigkeit an die aktuelle und die in ihrer Ausprägung ungewisse zukünftige Klimaerwärmung abzuschätzen. Mit den Ergebnissen können gegenwärtige Strategien und Maßnahmen zur Anpassung des sächsischen Waldes verglichen und weiterentwickelt werden, um Wälder mit vielfältigen Möglichkeiten der Anpassung an heute noch nicht absehbare Umweltbedingungen zu schaffen.

Archäologische Dendro-Archiv für Mitteldeutschland

In den kommenden drei Jahren wird das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft von Sachsenforst gemeinsam mit dem Fachbereich Montanarchäologie des Landesamtes für Archäologie Sachsen sowie dem Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald das Datenpotential archäologischer Hölzer als Klima- und Vegetationsarchiv erforschen. Das neue Projekt wird aus Mitteln des Waldklimafonds des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit finanziert.

Das Kompetenzzentrum für Wald und Forstwirtschaft entwickelt dabei das Suchgebiet für archäologische Hölzer im Bereich von mittelalterlichen Meilerplätzen, die in früheren Jahrhunderten zur Erzeugung von Holzkohle genutzt wurden. Damit können die unterschiedlichen Umweltbedingungen repräsentativ abgebildet werden. Mit einem Historiker werden über die forstgeschichtliche Zeit hinausreichende Archivmaterialien analysiert und aufbereitet. Beim Landesamt für Archäologie Sachsen entsteht das Archäologische Dendro-Archiv für Mitteldeutschland, dessen Basis zunächst aus über 4.000 archäologischen Hölzern aus mittelalterlichen Bergwerken und Holzkohlemeilern des sächsischen Erzgebirges bestehen wird.

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Quelle   forstpraxis.de 2019

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