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26.06.2020

Die Europäische Umweltagentur zum Zustand der europäischen Meere

Die Zukunft der Meere Europas ist ungewiss, wenn nicht dringende und kohärente Maßnahmen ergriffen werden.

Laut dem EUA-Bericht „Marine Messages II.“ (Bericht über die Meere II) befinden sich die europäischen Meere derzeit generell in einem schlechten Zustand. Dies ist eine schlechte Nachricht für uns Menschen, da sich dies auf unsere Lebensqualität, Existenzgrundlage und die Wirtschaft auswirkt. Der Zustand unserer Meere ist von entscheidender Bedeutung für ihre Fähigkeit, unter anderem Sauerstoff, Nahrungsmittel und ein Klima, in dem wir leben können, sowie bestimmte Rohstoffe zu liefern, und ist auch von grundlegender Bedeutung für unsere Erholung, Freizeit und Gesundheit.

Die historische und aktuelle Nutzung unserer Meere – von der Ostsee bis zum Mittelmeer – fordert ihren Tribut, was zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Meeresfauna und der Lebensräume sowie zu Veränderungen in der physikalischen und chemischen Zusammensetzung der Meere insgesamt führt. Zu diesen komplexen Problemen kommt noch der Klimawandel hinzu, der die Auswirkungen der anderen Bedrohungen verschärft. Die kombinierten Auswirkungen dieser Veränderungen sind inzwischen so weit vorangeschritten, dass sie die Meeresökosysteme irreversibel schädigen könnten, heißt es im EUA-Bericht. In einigen Gebieten gibt es dem Bericht zufolge jedoch Anzeichen für eine Erholung des Meeresökosystems, was auf erhebliche, oft jahrzehntelange Bemühungen zur Verringerung bestimmter Auswirkungen zurückzuführen ist, wie sie beispielsweise durch Kontaminanten, Eutrophierung und Überfischung verursacht werden.

„Unsere Meere und Meeresökosysteme leiden aufgrund jahrelanger starker Überfischung und Vernachlässigung. Wir werden bald einen Punkt erreichen, an dem es kein Zurück mehr gibt, aber wie unser Bericht bestätigt, haben wir immer noch die Möglichkeit, unsere Meeresökosysteme wiederherzustellen, wenn wir entschlossen und kohärent handeln und ein nachhaltiges Gleichgewicht herstellen zwischen der Art und Weise, wie wir die Meere nutzen, und den Folgen unseres Handelns für die Meeresumwelt. In diesem Zusammenhang wecken die neue EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 und andere Elemente des Europäischen Grünen Deals erneut Hoffnung darauf, dass dringende und kohärente Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung eingeleitet werden“, erklärte Hans Bruyninckx, Exekutivdirektor der EUA.

Es ist unwahrscheinlich, dass die EU-Mitgliedstaaten in all ihren Gewässern bis 2020 das Ziel eines „guten Umweltzustandes“ erreichen werden, wie es in der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie der EU (MSRL), der wichtigsten EU-Rechtsvorschrift für den Schutz der Meeresumwelt, festgeschrieben ist. Seit Inkrafttreten der Richtlinie sind jedoch erhebliche Fortschritte und Erfolge erzielt worden. Diese Schlussfolgerungen werden auch im Bericht der Europäischen Kommission über den aktuellen Stand der Umsetzung dieser Richtlinie aufgegriffen, der heute ebenfalls veröffentlicht wird. Der EUA-Bericht fließt in die Bestandsaufnahme der Kommission ein und schlägt Lösungen vor, die dazu beitragen können, dass die EU das Ziel der Richtlinie, saubere, gesunde und produktive Meere zu haben, vor allem durch ökosystembasierte Bewirtschaftung erreicht.

Alle Daten, die die EU-Mitgliedstaaten der Kommission melden, werden erstmals auf einer speziellen Website (WISE – Marine) veröffentlicht, ebenso wie Datenprodukte und Visualisierungstools, die einen Überblick über den Zustand der Meeresumwelt in der EU bieten.

Weitere wichtige Ergebnisse: 

  • Die maritime Wirtschaft der EU wächst weiter, und der Wettbewerb um Meeresressourcen wie Fisch, fossile Brennstoffe, Mineralien oder erneuerbare Energie und Platz wird voraussichtlich zunehmen. Dadurch erhöht sich der Druck auf die ohnehin bereits überfischten Meeresökosysteme noch mehr. Um dies zu vermeiden, darf das Wachstum in diesem Sektor nicht mit der Verschlechterung der Meeresökosysteme und dem Raubbau an ihnen einhergehen und muss sich innerhalb der Grenzen für eine nachhaltige Nutzung der Meeresökosysteme vollziehen.
  • Trotz der auf EU- und auf globaler Ebene eingegangenen Verpflichtungen wurde der Verlust an biologischer Vielfalt in den europäischen Meeren nicht gestoppt. Zahlreiche Bewertungen des Erhaltungszustands der im Meer lebenden Arten und ihrer Lebensräume zeigen, dass dieser nach wie vor ungünstig ist. Studien weisen auf die problematische Situation hin, in der sich Arten wie Seevögel, Meeressäuger (Robben und Wale) und Fischbestände wie Kabeljau befinden.
  • Bewirtschaftungsmaßnahmen, die auf einzelne Meeresarten und -lebensräume abzielen, haben in einigen Meeresregionen der EU zu einer Verbesserung ihres Zustands geführt, doch dieser fragmentierte Erfolg kompensiert nicht die gesamten Auswirkungen der vielfältigen Belastungen durch menschliche Tätigkeiten in allen europäischen Meeren.
  • Dort, wo die regionale Zusammenarbeit aufgebaut und einheitlich umgesetzt wurde, beginnen sich negative Trends bei bestimmten Belastungen umzukehren, z. B. in Bezug auf Konzentrationen von Nährstoffen und Kontaminanten oder die Ansiedlung nicht einheimischer Arten.
  • Wechselwirkungen zwischen Land und Meer sowie die Bedeutung der Küstengebiete sind wichtige Dimensionen, die bei der Konzeption von Maßnahmen zur Verringerung der Belastung der Meeresumwelt zu berücksichtigen sind.
  • Veränderungen der Meerestemperatur und des Sauerstoffgehalts sowie die Versauerung der Meere deuten darauf hin, dass sich in den Meeresregionen der EU negative systemische Veränderungen vollziehen, die die Widerstandsfähigkeit der Meeresökosysteme, einschließlich der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel, weiter verringern.Anhand der bisherigen Umsetzung der EU- und der regionalen Politik können wir Lehren für die Wiederherstellung der Meeresökosysteme ziehen, die bei der Ausarbeitung von Maßnahmen und Lösungen für saubere, gesunde und produktive Meere genutzt werden sollten.
  • Mit politischer Entschlossenheit, zusätzlichen Ressourcen und verstärkter Koordinierung zwischen den Interessenträgern sowie mit der Zusammenführung verschiedener Politikbereiche kann Europa sich in Richtung eines „guten Zustands“ für seine Meere innerhalb des bestehenden politischen Rahmens der EU bis 2030 bewegen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Belastungen der Meeresökosysteme verringert werden. Mit dem Ziel, 30 % der europäischen Meere zu schützen und 10 % „streng zu schützen“, gibt die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 neue Impulse für die Verringerung dieser Belastungen.
  • Die Schaffung eines guten Zustands der europäischen Meere ist von entscheidender Bedeutung für die Ziele der nachhaltigen blauen Wirtschaft und der maritimen Raumplanung, wie sie im Europäischen Grünen Deal zum Ausdruck kommen.

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GREENPEACE: Die europäischen Meere leiden unter zu starker Ausbeutung durch den Menschen und die fortschreitende Klimaerhitzung. Das stellt die europäische Umweltagentur EEA heute in ihrem aktuellen Zustandsbericht zu Mittelmeer, Ostsee und anderen europäischen Meeren fest. Die EEA fordert schleunigst konsequente Maßnahmen, um die marinen Ökosysteme noch im Gleichgewicht zu halten. Es kommentiert Greenpeace-Meeresbiologe Sandra Schöttner:

„Wir plündern, zerstören und verschmutzen unsere Meere, als ob es kein Morgen gäbe – mit drastischen Folgen für die Artenvielfalt und letztlich für uns Menschen. Nicht umsonst fordern führende Wissenschaftler, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Ozeane unter wirksamen Schutz gestellt werden. Nur so bleiben die wichtigen marinen Ökosysteme vielfältig, gesund und produktiv.

Basierend auf EU-Recht hat die Bundesregierung bereits fast 50 Prozent ihrer Meeresgebiete unter Schutz gestellt, doch diesen gibt es nur auf dem Papier. In den Schutzzonen der Nord- und Ostsee sowie im Nationalpark Wattenmeer sind immer noch zerstörerische Aktivitäten wie Fischerei, Ölausbeutung oder Sand- und Kiesabbau erlaubt. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Umweltministerin Svenja Schulze müssen deutlich entschlossener und konsequenter handeln und die menschliche Zerstörung verbieten. Um die Meere zu retten, brauchen wir echte Schutzgebiete.“

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Quelle   Europäische Umweltagentur / EEA 2020

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