Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

09.02.2020

Klimawandel: 300.000 Hektar Wald in Deutschland abgestorben

Hunderte Ehrenamtliche pflanzen mit dem Bergwaldprojekt e.V. allein in Braunlage über 37.000 Bäume.

Der Wald in der Klimakrise 
Die Klimakrise hat uns längst erreicht. 300.000 Hektar Wald sind in Deutschland infolge der Dürrejahre 2018 und 2019 abgestorben. Die Ursachen sind menschengemacht. Fichten- und Kiefernmonokulturen, die mehr als die Hälfte der deutschen Wälder ausmachen, sind am stärksten gefährdet. Das Bergwaldprojekt e.V. engagiert sich seit 30 Jahren mit tausenden Freiwilligen jährlich für den naturnahen Waldumbau von labilen Nadelholzforsten hin zu klimastabilen Mischwäldern mit der Pflanzung und dem Schutz von standortheimischen Baumarten, um die unverzichtbaren Schutzfunktionen unserer Wälder für Trinkwasser, Klima, saubere Luft, Artenvielfalt etc. zu erhalten. 

Situation am Wurmberg und Bergwaldprojekt-Pflanzcamp
Der Wurmberg (971 m) ist der höchste Harzer Berg in Niedersachsen. Seit 1992 arbeitet das Bergwaldprojekt e.V. im Revier Braunlage (Niedersächsisches Forstamt Bad Lauterberg) u. a. am ökologischen Waldumbau vor Ort. Der Anteil der Fichte lag damals als direkte Folge des Bergbaus, der seit Anfang des 16. Jahrhunderts im gesamten Gebiet intensiv betrieben wurde, bei etwa 85 %. Holz war der wichtigste Bau- und Betriebsstoff; aufgrund der übermäßigen Holznutzung wurde ab 1730 großflächig mit der schnellwüchsigen „Flachlandfichte“ aufgeforstet. Typisch für den Harz waren ursprünglich Mischwälder aus Buche und Bergahorn, die bis fast 700 Meter Höhe hinauf reichten. Erst in höheren Lagen trat natürlicher Bergfichtenwald auf. Heute beherrschen ab 400 Meter Fichtenbestände das Bild. 

Der fortschreitende Klimawandel und speziell die beiden letzten heißen Sommer 2018 und 2019 führten dazu, dass aufgrund von Trockenschäden, Sturmwurf und Borkenkäferkalamitäten über 1.500 ha Wald im Forstamt Bad Lauterberg abgestorben sind – davon über 100 ha im Bereich des Wurmbergs. Weil die befallenen Bäume (Fichtenborkenkäfer Buchdrucker und Kupferstecher) entnommen wurden, sind große Freiflächen entstanden, die nun zum Teil ein waldfeindliches Klima aufweisen, das zu Strahlungsfrost, Vergrasung, Verminderung des Nährstoffgehalts von Böden und Trockenheit führen kann.

Um auf den devastierten Fichtenflächen eine naturnahe Waldentwicklung zu fördern, wird das Bergwaldprojekt e.V. vom 12. April bis 2. Mai 2020 im Rahmen eines Pflanzcamps mit hunderten Freiwilligen zum 30-jährigen Jubiläum des Vereins am Wurmberg über 37.000 standortheimische Bäume pflanzen. Die Freiflächen werden mit Vorwaldbaumarten wie Schwarzerle, Grauerle und Sandbirke bepflanzt. In den noch vorhandenen Schattbereichen werden Weißtannen und Buchen gesetzt. Auf kleineren Freiflächen wird Bergahorn gepflanzt. Mithilfe dieser Maßnahmen wird ein waldfreundlicheres kühles Klima auf den Flächen erzeugt und der lebenswichtige Humus erhalten.

Die Wurzeln der Erlen sichern und verbessern über Strahlenpilze den Boden. Um das gesunde Aufwachsen der Hauptbaumarten Tanne, Buche und Bergahorn zu gewährleisten, werden Teilflächen gegen Wildverbiss ebenfalls von den Freiwilligen eingezäunt und bei der Tanne Einzelschutz durchgeführt. Peter Naumann, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit und CSR des Bergwaldprojekt e.V.: „Gemeinsam mit dem niedersächsischen Forstamt Bad Lauterberg wird ein wertvoller Beitrag für den Erhalt des Waldes und die Förderung gemischter, stabiler und artenreicher Wälder der Zukunft geleistet."

Die Pflanzungen am Wurmberg werden von der Deutschen Bahn mit 20.000 Bäumen und von der Commerzbank mit 15.000 Bäumen unterstützt. Zusätzlich wurden mehrere 1000 Bäume von Privatpersonen und weiteren Unternehmen gespendet.

Der geschäftsführende Vorstand des Vereins, Stephen Wehner, über den Einsatz: „Die letzten Jahre haben hier am Wurmberg und auch weltweit eindeutig gezeigt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Mitwelt hat – die Zeit drängt. Das Pflanzcamp im Harz zu unserer 30. Projektsaison setzt auch den dramatischen Nachrichten, die uns tagtäglich erreichen, konkret etwas entgegen: Hunderte Ehrenamtliche übernehmen mit dem Bergwaldprojekt kollektiv Verantwortung und setzen sich selbstwirksam für den Schutz und Erhalt des Ökosystems Wald am Wurmberg und damit auch für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ein. Die große Beteiligung, bei der Pflanzung mitzuwirken, zeigt, dass vielen Menschen bewusst ist, dass ein Weiter-wie-bisher nicht mehr möglich ist. Diese große Bereitschaft zum Wandel sollte auch der Regierung Mut machen, die notwendigen Maßnahmen für einen wirksamen Klimaschutz umzusetzen.“

Termine Pflanzcamp in Braunlage
Drei Einsatzwochen mit Freiwilligen vom 12.04. bis 2.05.2020; zusätzlich: Pflanztage auch für Familien am 18., 19., 25. und 26. April 2020. Die Teilnahme an allen Terminen ist kostenlos, die Unterkunft für einen Wochen- oder zweitägigen Einsatz und die Verpflegung für alle Einsätze übernimmt das Bergwaldprojekt e.V.

Zurück zur Übersicht

Quelle   Bergwaldprojekt e.V. | 2020

Das könnte sie auch interessieren