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16.04.2020

Auswirkungen des Klimawandels: Ostafrika droht eine noch fatalere Heuschreckenplage

Die erste Plage schien gerade überstanden, schon droht eine zweite. Die UN warnt vor neuen Heuschreckenschwärmen, die in Ostafrika noch größeren Schaden anrichten könnten. Wetterextreme, bedingt durch den Klimawandel, begünstigen die Katastrophe.

Experten der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass eine neue Heuschreckenplage in Ostafrika bis zu 20-Mal größere Schäden anrichten wird als die erste Welle von Heuschreckenschwärmen Anfang dieses Jahrs. Denn gerade wächst eine zweite Generation von Heuschrecken heran. 500-Mal so vielen Heuschrecken könnten in den kommenden Monaten ostafrikanische Länder heimsuchen. Vor allem Somalia gilt als Hauptbrutstätte dieser zweiten Generation an Heuschrecken. Ungewöhnlich starke Regenfälle in Verbindung mit dem warmen Klima sorgten auch in den vergangenen zwei Monaten für einen perfekten Nährboden.

In feuchter Erde können die abgelegten Eier des ersten Heuschreckenschwarms, aus der Art der Wanderheuschrecke sehr gut gedeihen. Direkt nach der Geburt sind die Heuschrecken noch unfähig zu fliegen. Doch mit ausreichender Vegetation in ihrer Umgebung ist die Geschlechtsreife schnell erreicht und damit die Fähigkeit zu fliegen. Fatal dabei: ist Nahrung im Überfluss vorhanden, erreichen Massen von Heuschrecken zur gleichen Zeit Geschlechtsreife und schließen sich zu großen Schwärmen zusammen, die zu einer Plage werden können. Ein etwa ein Quadratkilometer großer Heuschreckenschwarm frisst an einem Tag so viel wie 35.000 Menschen.

Regen und daraus folgende üppige Vegetation sind eigentlich ein Segen für die Menschen in Somalia, Kenia und anderen ostafrikanischen Staaten. Doch die oftmals jungen Pflanzen werden sofort von den Heuschreckenschwärmen vernichtet. Die Ernährungssicherheit von 25 Millionen Menschen ist in Gefahr. Auch mühsame Entwicklungsarbeit könnte über Jahre zurückgeworfen werden. Bereits jetzt sind 10 Millionen Menschen durch die erste Welle an Heuschreckenschwärmen von Hungersnöten betroffen.

Der verheerende Indische-Ozean-Dipol

Auslöser der Plage ist nach Ansicht von Experten der sogenannte Indische-Ozean-Dipol. Normalerweise tritt dieses Wetterphänomen alle vier bis sechs Jahre auf. Doch 2019 und 2020 gab es diese Zirkulation von Luftströmungen gleich mehrmals hintereinander. Bedingt durch den Klimawandel hat der indische Ozean immer häufiger mit Temperaturanomalien zu kämpfen, die sich an seinem östlichen und westlichen Ende gegenseitig aufschaukeln.

Die Meeresoberfläche im westlichen Teil des Ozeans – bei Südostasien bis Australien – ist dann ungewöhnlich kühl, was in der Region zu hohem Luftdruck und langanhaltenden Trockenphasen führt. Die verheerenden Buschbrände von Australien sind eine Folge. Starke Winde treiben die kühle Luft über das Meer nach Osten. Dabei nimmt die Luft Feuchtigkeit auf und erhitzt sich. Vor der Küste Afrikas führt dies dann zu starken Regenfällen bis hin zu Überschwemmungen. Die warme und feuchte Luft wiederum steigt im Osten in die obere Atmosphäre auf und wird über Land wieder nach Westen transportiert, wobei sie sich abkühlt. Ein Kreislauf entsteht.

Die Coronakrise erschwert die Bekämpfung der Plage

Der durch die Überschwemmungen hervorgerufenen Heuschreckenplagen versuchten die Verantwortlichen der afrikanischen Staaten vor allem mit Pestiziden Herr zu werden. Doch im Zuge der Coronakrise fallen Lieferungen der Insektenvernichtungsmittel zunehmend aus. Auch die Ansammlung größerer Menschengruppen und gemeinsame Koordination mehrerer Staaten werden durch die Pandemie zunehmend erschwert.

Thomas Hoerz von der Welthungerhilfe sieht die Bekämpfung der Plage mit Pestiziden indes kritisch, da dadurch auch andere Tiere und die Vegetation leiden. Es müsse vor allem darum gehen lokales Wissen zu nutzen und Orte ausfindig zu machen, wo sich Eier oder noch flugunfähige Tiere befinden, um diese zu vernichten. Wie lange die Plage noch anhält ist derweil ungewiss. So könnte der Klimawandel ebenso schnell wieder für extreme Dürreperioden sorgen, die für die Ausrottung der Heuschreckenschwärme sorgen. Für die Menschen vor Ort ist aber auch das keine rosige Zukunftsaussicht.

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (mf) 2020 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 27 / 2019 | "Europas Energiewende" | Jetzt lesen Download

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