Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

20.07.2019

Trockenheit in Deutschland – Fragen und Antworten

Bereits im Frühjahr 2019 waren die Böden sehr trocken, die durchschnittliche Bodenfeuchte lag im April deutlich unter den Vorjahreswerten. Auch der Juni fiel – nach einem regenreichen Mai – zu trocken aus. Was bedeutet das für die Vegetation, für das Grundwasser, für die Landwirtschaft? Ist das nur Wetter oder spüren wir bereits den Klimawandel? Und wie können wir uns anpassen?

Gibt es in Deutschland ein Problem mit Wasserknappheit? 

Wir haben in Deutschland 188 Milliarden Kubikmeter Süßwasserressource (d.h. alles Wasser, was in Flüssen, Seen und im Grundwasser ist, und der Niederschlag). Wasserstress ist definiert:  Davon spricht man, wenn die gesamte Wasserentnahme eines betrachteten Jahres mehr als 20 Prozent des langjährigen Wasserdargebots beträgt. Das ist in Deutschland nicht der Fall, es sind 12,8 Prozent (2016).

Die Wasserentnahmen sind über die letzten Jahrzehnte deutlich zurückgegangen. Das liegt an Wasserkreislaufführung in der Industrie, an der Reduzierung von Kühlwasser für Kraftwerke und Einsparungen bei der öffentlichen Wasserversorgung. 

Die öffentliche Wasserversorgung macht mit 2,7 Prozent aber nur einen Bruchteil der Entnahmen aus. In privaten Haushalten ist der Verbrauch von 1990 bis heute erheblich zurückgegangen (von 144 Litern/Person/Tag 1991 auf 121 Liter heute). Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern (s. S. 56 und 57 der Broschüre „Wasserwirtschaft in Deutschland“).

Bisher gibt es in Deutschland flächendeckend keinen Wasserstress. Trotz des insgesamt ausreichenden Wasserdargebots gibt es regionale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit. Dies hat sich auch 2018 gezeigt. An der einen oder anderen Stelle hat es lokale oder regionale Engpässe gegeben. Dies liegt zum einen an unterschiedlichen klimatischen Randbedingungen. Zum anderen konnte aber zum Teil nicht auf zusätzliche örtliche Ressourcen zugegriffen werden, da bei diesen die Nitratwerte zu hoch waren. Dies ist in der Regel ein Ergebnis zu hoher landwirtschaftlicher Düngung. 

Weitere aufeinander folgende trockene Sommer  mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit. Darauf müssen sich alle Wassernutzer, auch die Wasserversorger, einstellen.

Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass der Bedarf zur landwirtschaftlichen Bewässerung steigen wird. Derzeit hat die Bewässerungslandwirtschaft in Deutschland mit einem Anteil von 2,7 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche und einer Entnahme von ca. 0,2 Prozent des Dargebots nur eine geringe Bedeutung. Die Beregnungsbedürftigkeit wird deutschlandweit tendenziell zunehmen, allerdings ist dies regional sehr unterschiedlich. Die Bewässerungsmenge ist stark abhängig von der landwirtschaftlichen Produktion. So wird der Obst- und Gemüsebau bisher stärker bewässert, als dies für viele Ackerkulturen der Fall ist.

Zukünftig werden also mehr Nutzer als heute um eine knapper werdende Ressource konkurrieren. Deshalb müssen wir zum einen über eine gerechte Verteilung, also eine Priorisierung nachdenken, die auch die Bedürfnisse der (Gewässer-)Ökosysteme berücksichtigt. Zum anderen sind alle Gewässernutzer aufgefordert, die Wasserressourcen zu schonen, d.h. das entnommene Wasser so effizient wie möglich zu verwenden und die Gewässer nicht zu verschmutzen.

Um nicht nur auf Oberflächengewässer und Grundwasser zurückzugreifen, wird derzeit die  Brauchwasserwiederaufbereitung für die Landwirtschaft diskutiert. Dies ist in vielen südeuropäischen Ländern bereits gängige Praxis. Allerdings sind an die Wasserwiederverwendung strenge hygienische und Umweltanforderungen zu stellen.

Was bedeutet „Bodenfeuchte“, und welche Rolle spielt sie für die Trockenheit?

Die Bodenfeuchte wird über den Wassergehalt und die vom Porenraum des Bodens ausgehende Bodenwasserspannung beschrieben. Die Bodenfeuchte kann z.B. durch Fühlen der Konsistenz oder durch Beobachtung des Wasseraustritts im Rahmen einer Klopfprobe ermittelt werden. Je nach Porenraum und Bodenfeuchte haben die Böden eine unterschiedliche Fähigkeit, Wasser zu speichern. Wasser ist mit der Bodensubstanz und der Bodenluft eines der drei Bestandteile des Bodens. Ohne Bodenwasser und Bodenluft ist es kein Boden, wie wir ihn als Produktionsgrundlage unserer Nahrungsmittel kennen. Stellen Sie sich den Boden als „ein träges System“ vor: Viele Böden sind infolge des letzten trockenen Jahres 2018 immer noch sehr trocken, vor allem unterhalb von einer Profiltiefe von 60 cm. 

Welche Folgen kann das für die Ernteerträge bzw. die Pflanzen im Allgemeinen haben? 

Winderosion: Winderosion bewirkt einen Verlust humusreichen Feinmaterials aus den Ackerflächen. An diesen Stellen sind dann geringeres Pflanzenwachstum und in der Erntezeit geringere Erträge festzustellen – noch bis in die folgenden Jahre und Jahrzehnte. Auch an Stellen, in die das Feinmaterial eingeweht wird, kommt es zunächst zu Ertragseinbußen, wenn sich das Material dort auf Keimlingen und Pflanzen abgelagert hat. Besonders groß ist die Gefahr der Winderosion auf Ackerflächen ohne geschlossene Bodenbedeckung. Kommen dann noch im Frühjahr starke Winde hinzu, kann humusreiches Feinmaterial durch Winderosion verdriftet, d.h. ausgeweht werden. Die Bodenfruchtbarkeit und das Pflanzenwachstum leiden darunter. 

Straßenbäume: Straßenbäume wachsen häufig unter schlechteren Standortbedingungen als Bäume in der freien Natur – neben dem begrenzten Raum für Wurzelwachstum können die Verdichtung des Bodens, Schadstoffe oder Streusalz die Bäume schädigen. Trockenheit verschlechtert diese Standortbedingungen noch zusätzlich: Sie verschärft das durch Versiegelung und Verdichtung ohnehin schon bestehende Problem der unzureichenden Wasserversorgung der Wurzeln und mindert das Baumwachstum, so dass junge Bäume absterben, bevor sie richtig groß geworden sind.

Landwirtschaft: Trockenheit vermindert das Pflanzenwachstum und Erträge. 2018 führten in Deutschland die hohen Temperaturen und geringen Niederschläge zu Ertragsausfällen, von denen insbesondere Norddeutschland stark betroffen war. Diese Ausfälle betrafen nicht nur das Ackerland, sondern auch das Grünland, was bei vielen rinderhaltenden Betrieben zu einem Futtermittelmangel führte. 

Die Situation 2018 ist nicht mit der Situation im Frühjahr 2019 vergleichbar, denn der Herbst 2017 war sehr feucht. Das war für die Aussaat der Winterfrüchte (z.B. Winterraps und Winterweizen) problematisch, sorgte aber gleichzeitig dafür, dass die Böden zu Beginn der Vegetationsperiode 2018 gut mit Wasser versorgt waren. 2019 ist die Situation anders, denn auch der Herbst 2018 war trocken und die Böden konnten sich nicht ausreichend mit Wasser auffüllen. Daher ist der Wasserspeicher Boden in diesem Jahr vielerorts nicht ausreichend gefüllt, was dazu führen kann, dass 2019 bereits eine weniger intensive Trockenheit zu Ertragsverlusten führen kann. 

Ein aus Umweltsicht problematischer Nebeneffekt von Trockenheit und Ernteausfällen ist, dass diese in aller Regel zu hohen Nährstoffüberschüssen von Stickstoff und Phosphor führen. Die Kulturpflanzen sind nicht in der Lage, die Düngemengen vollständig aufzunehmen. Die so entstehenden Nährstoffüberschüsse haben vielfältige negative Umweltwirkungen, etwa durch die Beeinträchtigung der Wasserqualität, negative Wirkungen auf die Artenvielfalt und erhöhte Treibhausgasemissionen (z.B. in Form von Lachgas).      

Welche Regionen in Deutschland könnten besonders von Trockenheit betroffen sein? 

Hier können Sie den Bericht weiterlesen

Zurück zur Übersicht

Quelle   Umweltbundesamt 2019

Das könnte sie auch interessieren