{"id":19807,"date":"2018-03-20T01:58:00","date_gmt":"2018-03-20T00:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wissenschaft\/afrika-berge-werden-inseln.html"},"modified":"2018-03-20T01:58:00","modified_gmt":"2018-03-20T00:58:00","slug":"afrika-berge-werden-inseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/wissenschaft\/afrika-berge-werden-inseln\/","title":{"rendered":"Afrika: Berge werden Inseln"},"content":{"rendered":"<p>&Ouml;kologische Gefahren der zunehmenden Landnutzung in Ostafrika.<\/p>\n<p> <!--more--> <\/p>\n<p>Die Berge in Ostafrika sind bis heute Schatzkammern der Biodiversit&auml;t. Aber ihre &Ouml;kosysteme sind m&ouml;glicherweise st&auml;rker bedroht als bisher wahrgenommen. Dr. Andreas Hemp und Dr. Claudia Hemp von der Universit&auml;t Bayreuth haben entdeckt, dass der Kilimanjaro sich immer mehr zu einer &bdquo;&ouml;kologischen Insel&ldquo; entwickelt. Landwirtschaft und Wohnungsbau haben die nat&uuml;rliche Vegetation beseitigt, die fr&uuml;her als Br&uuml;cke in das Umland diente und die heutige Artenvielfalt erm&ouml;glicht hat. Auch benachbarte Bergregionen werden vermutlich zunehmend von ihrer Umgebung isoliert. In der Zeitschrift Global Change Biology stellen die Forscher ihre Studie vor.<\/p>\n<p>Der Kilimanjaro, mit einer H&ouml;he von fast 6.000 Metern der h&ouml;chste  Berg Afrikas, ist weniger als 100 Kilometer von dem 4.600 Meter hohen  Vulkan Mount Meru im Norden Tansanias entfernt. Satellitenaufnahmen  zeigen, wie sich der dazwischen gelegene Landstreifen in den 25 Jahren  vor der Jahrtausendwende ver&auml;ndert hat. Die urspr&uuml;nglich waldreiche  Vegetation musste einer intensiven Landwirtschaft und der Besiedlung  durch eine wachsende Bev&ouml;lkerung weichen. Fast der gesamte Kilimanjaro  ist heute von weitr&auml;umigen Gebieten umgeben, die durch zivilisatorische  Eingriffe des Menschen gepr&auml;gt sind.<\/p>\n<p class=\"green small\"><strong>Vegetationsbr&uuml;cken f&ouml;rderten die Artenvielfalt<\/strong><\/p>\n<p>Um  die Folgen dieses rapiden Wandels f&uuml;r die Biodiversit&auml;t zu erforschen,  haben die Bayreuther Biologen die Lebensr&auml;ume von Heuschrecken auf 500  ausgew&auml;hlten Untersuchungsfl&auml;chen am Kilimanjaro und am Mount Meru  untersucht. Von besonderem Interesse waren dabei endemische, also nur in  dieser ostafrikanischen Gegend heimische Arten. Einen besonders hohen  Anteil endemischer Arten fanden die Wissenschaftler in tiefer gelegenen  Waldregionen beider Berge. Dies ist ein klares Indiz daf&uuml;r, dass  Heuschrecken die fr&uuml;here waldreiche Vegetation zwischen den Bergen als  Br&uuml;cke genutzt haben, um sich in beiden Regionen auszubreiten. Vor allem  die flugunf&auml;higen Arten waren auf diesen Landweg angewiesen.<\/p>\n<p>Auff&auml;lligerweise gibt es auch einige wenige endemische Arten, die nur in  den h&ouml;heren Waldlagen beider Berge vorkommen. Die Erkl&auml;rung sehen die  Autoren der Studie, gest&uuml;tzt auf geowissenschaftliche Befunde, in  pr&auml;historischen Klimaver&auml;nderungen. &bdquo;Vor mehreren tausend Jahren war es  in den tiefer gelegenen Gebieten zwischen den Bergen erheblich k&uuml;hler  und feuchter als heute. So haben sich Heuschrecken, die diese  klimatischen Verh&auml;ltnisse bevorzugen, &uuml;ber den bewaldeten Landweg am Fu&szlig;  der Berge angesiedelt. Erst sp&auml;ter, als die Temperaturen anstiegen und  Niederschl&auml;ge ausblieben, sind sie in h&ouml;here Lagen ausgewichen. Hier  hatten sie dann keinen Kontakt mehr mit Heuschrecken in benachbarten  Regionen&ldquo;, erkl&auml;rt Dr. Andreas Hemp. Die Studie liefert zudem neue  Erkenntnisse zu der Frage, wie die ostafrikanischen Bergmassive w&auml;hrend  vergangener Klimaperioden besiedelt wurden. &bdquo;Unsere Forschungsergebnisse  erh&auml;rten die These, dass sich Tier- und Pflanzenarten haupts&auml;chlich  &uuml;ber Vegetationsbr&uuml;cken ausgebreitet haben. Hingegen d&uuml;rfte die  Fernverbreitung, beispielsweise durch den Samentransport im Wind oder  durch &sbquo;Flugreisen&lsquo; einzelner Insekten, nur eine untergeordnete Rolle  gespielt haben. Alle diese pr&auml;historischen Vorg&auml;nge spiegeln sich noch  heute in der Artenvielfalt, die wir in den oft schwer zug&auml;nglichen  Bergregionen Ostafrikas antreffen. Vor allem endemische Arten helfen der  Forschung dabei, der naturgeschichtlichen Entwicklung auf die Spur zu  kommen&ldquo;, so der Bayreuther Biologe.<\/p>\n<p class=\"green small\"><strong>Heuschrecken als Fr&uuml;hwarnsysteme f&uuml;r bedrohte Tierarten<\/strong><\/p>\n<p>Wenn  Vegetationsbr&uuml;cken zwischen den Bergen schw&auml;cher werden oder bereits  verlorengegangen sind, schwindet aber nicht allein die Mobilit&auml;t der  Heuschrecken. Gr&ouml;&szlig;ere im Wald lebende Tiere, beispielsweise Antilopen,  Kleins&auml;uger, Schlangen oder Cham&auml;leons, drohen dann erst recht in die  Isolation zu geraten und damit in absehbarer Zeit auszusterben.  Heuschrecken dienen der Forschung als ideale Fr&uuml;hwarnsysteme, die solche  weitreichenden Folgen f&uuml;r andere, oft nur schwer zu erforschende  Tiergruppen ank&uuml;ndigen. &bdquo;Verl&auml;ssliche Aussagen &uuml;ber diese &ouml;kologischen  Zusammenh&auml;nge sind jedoch nur in langj&auml;hrigen, wissenschaftlich  anspruchsvollen Feldstudien m&ouml;glich&ldquo;, betont die Tier&ouml;kologin Dr.  Claudia Hemp, die nicht nur an der Universit&auml;t Bayreuth, sondern seit  kurzem auch am Senckenberg Biodiversit&auml;t und Klima Forschungszentrum  (SBiK-F) t&auml;tig ist.<\/p>\n<p class=\"green small\"><strong>Naturkundemuseen unterst&uuml;tzen die &ouml;kologische Forschung<\/strong><\/p>\n<p>Die  jetzt erschienene Studie w&auml;re nicht m&ouml;glich gewesen ohne die  Unterst&uuml;tzung durch Forschungseinrichtungen in Tansania und die  Kooperation mit naturkundlichen Museen in Nairobi, London,  Tervuren\/Belgien, Berlin, Madrid, Stockholm und Wien. So konnten die  Autoren ihre evolutionsgeschichtlichen und taxonomischen Befunde, die  sie in Tansania bei der Untersuchung von Heuschrecken erzielt hatten,  mit den Insektensammlungen der Museen abgleichen. &bdquo;Unsere Studie ist ein  Beleg f&uuml;r die gro&szlig;e wissenschaftliche Relevanz solcher naturkundlichen  Sammlungen. Die Museen bieten nicht nur faszinierende Einblicke in die  Vielfalt der Arten und in die Geschichte ihrer Evolution. Sie sind auch  f&uuml;r die Erforschung &ouml;kologischer Zusammenh&auml;nge in Zeiten globaler  anthropogener Ver&auml;nderungen unverzichtbar&ldquo;, sagt Dr. Claudia Hemp.<\/p>\n<p class=\"green small\"><strong>Ver&ouml;ffentlichung:&nbsp;<\/strong><a href=\"https:\/\/www.sciencedaily.com\/releases\/2018\/03\/180314092807.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Andreas  Hemp and Claudia Hemp: Broken bridges: The isolation of Kilimanjaro&rsquo;s  ecosystem, Global Change Biology (2018), DOI: 10.1111\/gcb.14078<\/a><\/p>\n<div class=\"article-images\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"640\" src=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Kilimanjaro01.jpg\" class=\"alignleft\" alt=\"uni-bayreuth.de | Andreas Hemp | Zwischen 1976 und 2000 ist die nat&uuml;rliche waldreiche Vegetation zwischen dem Mt. Meru und dem Kilimanjaro weitgehend verschwunden.\" srcset=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Kilimanjaro01.jpg 700w, https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Kilimanjaro01-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Kilimanjaro01-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Kilimanjaro01-194x194.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"349\" src=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Afroanthracites.jpg\" class=\"alignleft\" alt=\"uni-bayreuth.de | Claudia Hemp | Heuschrecke der Gattung Afroanthracites.\" srcset=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Afroanthracites.jpg 770w, https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Afroanthracites-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/UniBayreuth_Afroanthracites-768x419.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/div>\n<h5 class=\"green\">Quelle<\/h5>\n<p><a href=\"https:\/\/www.uni-bayreuth.de\/de\/universitaet\/presse\/pressemitteilungen\/2018\/036-Berge-werden-Inseln\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Universit&auml;t Bayreuth 2018<\/a><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><div class=\"ShariffHeadline\">Diese Meldung teilen<\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8;border-radius:1%\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.sonnenseite.com%2Fde%2Fwissenschaft%2Fafrika-berge-werden-inseln%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\";border-radius:1%; 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