{"id":49770,"date":"2014-10-09T12:08:00","date_gmt":"2014-10-09T10:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/zukunft\/wasser-wird-kostbarer-als-gold.html"},"modified":"2014-10-09T12:08:00","modified_gmt":"2014-10-09T10:08:00","slug":"wasser-wird-kostbarer-als-gold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/zukunft\/wasser-wird-kostbarer-als-gold\/","title":{"rendered":"Wasser wird kostbarer als Gold"},"content":{"rendered":"<p>Wassernot ist die logische Folge des Klimawandels, den Angela Merkel  &bdquo;die &Uuml;berlebensfrage der Menschheit&ldquo; nennt. Noch leiden wir in  Mitteleuropa nicht an Durst &ndash; noch nicht! Aber in Afrika sind zurzeit&nbsp;  15 Millionen Menschen auf der Flucht nach der n&auml;chsten Wasserstelle.  Weltweit haben 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem  Trinkwasser.<\/p>\n<p> <!--more--> <\/p>\n<div class=\"contentPlain\">\n<p class=\"contentPlain\">&Uuml;ber  3 Milliarden k&ouml;nnten es bis zur Mitte des Jahrhunderts werden, sch&auml;tzen  die Vereinten Nationen. &bdquo;Wasser wird kostbarer als Gold&ldquo; ist eine  UNO-Studie &uuml;ber die Zukunft des Wassers &uuml;berschrieben. In 40 Jahren  leben 9 Milliarden Menschen. Die Welt steht vor einem historisch nie  gekannten Wasserdefizit.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"contentPlain\">\n<p>Die globale Erderw&auml;rmung ver&auml;ndert auch global die Wasserkreisl&auml;ufe.  In den USA, Russland und in S&uuml;dasien hat es im letzten Sommer monatelang  nicht geregnet. Millionen Afrikaner beten: &bdquo;Gib uns unser t&auml;glich  Wasser&ldquo;.<\/p>\n<p>Schon heute sterben t&auml;glich etwa 10.000 Menschen an Wassermangel,  davon 5.000 Kinder an Infektionskrankheiten, die durch unsauberes Wasser  hervorgerufen werden. Das Hungerproblem ist prim&auml;r ein Wasserproblem.  Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Kriegsfl&uuml;chtlinge. Das 21.  Jahrhundert wird ein Jahrhundert der Umwelt- und Wasserfl&uuml;chtlinge. Ohne  Wasser ist Leben nicht m&ouml;glich.<\/p>\n<p>Wasser ist unser Lebenselixier &ndash; unser Lebensmittel Nummer eins. Wasser ist <strong>das<\/strong>  Mittel zum Leben. Ohne Nahrungsmittel kann ein Mensch bis zu 70 Tagen  &uuml;berleben, aber ohne Wasser keine 70 Stunden. Wir m&uuml;ssen lernen, uns mit  dem Wasser zu vers&ouml;hnen.<\/p>\n<p>Viele Menschen meinen, Wasser sei im &Uuml;berfluss vorhanden. Es regne ja  st&auml;ndig in Deutschland: im Sommer und im Winter, im Fr&uuml;hjahr und im  Herbst &ndash; zu jeder Jahres- und Tageszeit. Wir trinken es, waschen uns  damit und schwimmen darin &ndash; ganz selbstverst&auml;ndlich.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich ist unser Planet zu 75 % mit Wasser bedeckt. Doch der  &auml;u&szlig;ere Schein tr&uuml;gt, denn nur bei 2,6 % der weltweiten Wasservorr&auml;te  handelt es sich um S&uuml;&szlig;wasser und nur 0,6 % sind nutzbar. 2 % sind in  Gletschern und Polkappen und im &bdquo;ewigen&ldquo; Schnee gebunden.<\/p>\n<p>Die absolute Wassermenge auf der Erde ist &bdquo;ewig&ldquo; gleichbleibend. Es  ist immer dasselbe Wasser, &uuml;ber das wir verf&uuml;gen. Sollten die Saurier  vor 65 Millionen Jahren &uuml;ber ihr Aussterben Tr&auml;nen vergossen haben, dann  nutzen wir heute dasselbe Wasser m&ouml;glicherweise in unseren  Capuccino-Tassen. Und das Wasser am See Genezareth, &uuml;ber das Jesus vor  2000 Jahren wandelte, dient uns heute eventuell als Erfrischungsgetr&auml;nk.  In der Zwischenzeit kann es freilich Konrad Adenauer zum Z&auml;hneputzen  gedient haben.<\/p>\n<p>Vom Versickern des Regenwassers in die Erde bis zum Hervorsprudeln  aus einer munteren Quelle k&ouml;nnen Jahrhunderte vergehen. Das in  Deutschland immer mehr genutzte Tiefengrundwasser bis zu 4.000 Metern  unter der Erde ist oft Tausende, ja Zehntausende von Jahren alt. Wir  haben nur <strong>ein<\/strong> Wasser. Schon das Wort &bdquo;Abwasser&ldquo; sagt, dass wir die Tatsache des <strong>einen <\/strong>Wassers st&auml;ndig verdr&auml;ngen. Wir k&ouml;nnen Wasser nicht vermehren und auch &ndash; anders als bei Energiequellen &ndash; durch nichts ersetzen!<\/p>\n<p><strong>Aber: <\/strong>Der Wasserverbrauch hat sich in den letzten 50  Jahren weltweit verdreifacht und steigt zurzeit doppelt so schnell wie  die Weltbev&ouml;lkerung. Ohne nachhaltigen Umgang mit dem Wasser sind  Wasserkriege, Wasserkatastrophen und Massensterben von Menschen, Tieren  und Pflanzen programmiert. (Dar&uuml;ber mehr in den n&auml;chsten Folgen.) Jeder  Mensch nimmt pro Tag etwa vier Liter Wasser in irgendeiner Form zu sich &ndash;  aber zur Herstellung unseres t&auml;glichen Lebensmittelbedarfs werden  mindestens 2.000 Liter Wasser &ndash; 500 mal so viel &ndash; ben&ouml;tigt. K&uuml;nftige  Kriege um Wasser werden auch an Weizenb&ouml;rsen stattfinden.<\/p>\n<p>Wasser ist eine Meisterleistung der Natur und eine einzigartige  Sch&ouml;pferleistung unseres Planeten. Wasser ist Leben und Urgewalt und  unser st&auml;ndiger Begleiter &ndash; vom Mutterleib bis zu unserer letzten  Sekunde. Fr&uuml;her betrachteten die Menschen aller Kulturen das Wasser als  etwas Besonderes, ja als etwas Heiliges. Das hei&szlig;t: als etwas Heiles und  Heilendes. Meere, Fl&uuml;sse und Seen waren von guten und b&ouml;sen Geistern  bewohnt. Unsere Vorfahren opferten den guten Geistern, bevor sie einen  Fluss &uuml;berquerten oder eine Reise antraten. Wir Heutigen l&auml;cheln &uuml;ber  diesen &bdquo;Aberglauben&ldquo; und werfen unsere Abf&auml;lle und unseren &Uuml;berfluss in  B&auml;che, Str&ouml;me und Seen. Allein die Menschen in den USA werfen j&auml;hrlich  40 Millionen Tonnen Giftm&uuml;ll in das Lebensblut ihrer Erde, in das  Wasser. Unsere Ehrfurcht vor den Elementen ist fast verlorengegangen.  Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Politiker als deren Handlanger  haben sich des Wassers bem&auml;chtigt. Eine Heilung des Planeten wird es  ohne ein neues Wasserbewusstsein und ohne eine neue Wasserpolitik und  eine neue Wasserethik nicht geben.<\/p>\n<p><strong>Wasser ist also mehr als H2O <\/strong><\/p>\n<p>Das wussten alle Religionsstifter, Philosophen und Weisheitslehrer  aller Zeiten in allen Kulturen. Der wunderbare junge Mann aus Nazareth,  vor 2.000 Jahren schon ein &Ouml;kologe, sagte: &bdquo;Wenn jemand nicht aus Wasser  und Geist neu geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.&ldquo;  Ein verantwortlicher Umgang mit Wasser ist Gottesdienst. Denen, die ihm  nachfolgen wollen, rief dieser &ouml;kologische Jesus zu: &bdquo;Seid Quellen <strong>lebendigen<\/strong>  Wassers.&ldquo; Von verschmutztem und verseuchtem Wasser sprach er nicht.  Pfarrer Kneipp lehrte im 19. Jahrhundert: &bdquo;Aqua sanat &ndash; Wasser heilt!&ldquo;<\/p>\n<p>In allen Religionen ist Wasser <strong>das<\/strong> Symbol der  Wandlung. Der junge Jesus erf&auml;hrt die wohl entscheidende Wandlung seines  Lebens im Wasser &ndash; bei seiner Taufe am Jordan. Erst danach trat er  &ouml;ffentlich auf. Wasser hatte ihn inspiriert. In allen Sch&ouml;pfungsmythen  war am Anfang das Wasser &ndash; dann erst erscheint das Land.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>&bdquo;Wasser ist das Beste&ldquo;, schrieb der griechische Dichter Pindar. <\/strong>Sein  Landsmann Thales sagte: &bdquo;Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus  Wasser ist alles; ins Wasser kehrt alles zur&uuml;ck.&ldquo; Alle heiligen  Schriften der Menschheit best&auml;tigen die reinigende Kraft des Wassers auf  K&ouml;rper, Geist und Seele. Weil auch unser kollektives Unbewusstes diese  tiefe Wahrheit heute noch kennt, zieht es j&auml;hrlich Millionen von  Menschen in den Ferien ans Wasser.<\/p>\n<p><strong>Franz von Assisi preist in seinem Sonnengesang &bdquo;Schwester Wasser&ldquo;. <\/strong>In  Afrika sind eingeborene Seher und Medizinm&auml;nner bis heute eng mit der  Mythologie des Wassers verbunden. In vielen afrikanischen D&ouml;rfern gilt  Wasser als &bdquo;Segen Gottes&ldquo;. Erst der abendl&auml;ndisch-christliche  Fortschritt f&uuml;hrte mit oft zweifelhaften gro&szlig;technischen Projekten zu  Wassermangel und Wasserverschmutzung.<\/p>\n<p><strong>Wasser ist einmalig <\/strong><\/p>\n<p>Es ist zugleich Sinnbild f&uuml;r Kraft und Gewalt, f&uuml;r G&uuml;te und Hoffnung.  Wasser ist zwiesp&auml;ltig: Dem Verdurstenden ist es Lebensrettung, dem  Ertrinkenden Tod. F&uuml;r die Tsunami-Opfer &ndash; meist Fischer &ndash; war Wasser  erst die Bedingung ihres Berufs &ndash; aber danach brachte es  hunderttausendfachen Tod.<\/p>\n<p>Neben Luft und Erde ist Wasser unser wichtigstes Nutzelement. Wellen und Sonne heilen auch kranke Seelen. <em>Aqua vitae<\/em>  &ndash; das Wasser des Lebens symbolisiert jeden spirituellen und psychischen  Wandlungsprozess. Nach einer heftigen Ehekrise hatte ich vor dem  Neubeginn mit meiner Frau einen Wassertraum. Wasser ist das Symbol  lebendiger Seelenkraft. Dieser Wassertraum war mein Schl&uuml;sseltraum f&uuml;r  die zweite H&auml;lfte meines Lebens.<\/p>\n<p>Unsere &bdquo;Schwester Wasser&ldquo; ist unsere Lebensgef&auml;hrtin von der ersten  bis zur letzten Sekunde unseres Hierseins. Sie will gut behandelt  werden. Denn sie gibt uns Nahrung und Trinkwasser, sie w&auml;scht unsere  W&auml;sche, tr&auml;nkt Wiesen und B&auml;ume, Blumen, Vieh und Menschen, sie tr&auml;gt  unsere Lasten, sie ist uns Strom und bringt uns Strom und verarbeitet &ndash;  zumindest bis zu einem gewissen Grad &ndash; sogar wie selbstverst&auml;ndlich  unsere Abf&auml;lle. Wir d&uuml;rfen nur nichts &uuml;bertreiben. Und exakt hier liegt  heute unser Problem. Wenn das Wasser sich nicht mehr selbst reinigen  kann, ist alles Leben bedroht. Solange das Wasser gesund ist, findet  unaufh&ouml;rlich Sch&ouml;pfung statt. Hermann Hesse nennt Wasser die Stimme des  Lebens, die Stimme des Seienden, des ewig Werdenden.<\/p>\n<p><strong> Wasser in Not<\/strong><\/p>\n<p>Auch im heute noch wasserreichen Mitteleuropa steuern wir auf einen  Wassernotstand zu. Unser Wasser wird benutzt, verschmutzt, verschwendet.  Gifte im Wasser, Chemiem&uuml;ll, D&uuml;ngemittel und Luftverschmutzung bedrohen  unser wichtigstes &Uuml;berlebensmittel.<\/p>\n<ul>\n<li>Die deutsche Industrie verbraucht j&auml;hrlich 16 Milliarden Kubikmeter  Wasser. Aus den Papier- und Chemiefabriken flie&szlig;en t&auml;glich 230 Tonnen  sch&auml;dliche Kohlenstoffverbindungen, darunter Benzol, Xylol, Toulol, in  den Rhein und ins Trinkwasser. Chlor ist Bleichmittel f&uuml;r Papier. Die  Abw&auml;sser der Papierwerke vergiften Fl&uuml;sse und Meere.<\/li>\n<li>Die Landwirtschaft verseucht Grund- und Oberfl&auml;chenwasser mit G&uuml;lle,  D&uuml;ngemitteln, Herbizide und Insektiziden. Nitrate und Ammoniak werden  vom Wind in die W&auml;lder und aufs Meer getragen. Allein der Ostsee muten  die Anrainerstaaten j&auml;hrlich &uuml;ber eine Million Tonnen Stickstoff und  fast 80.000 Tonnen Phosphat zu.<\/li>\n<li>Jeder von uns verbraucht heute 8-mal soviel Wasser wie seine Gro&szlig;eltern vor 80 Jahren.<\/li>\n<li>Wasser wird weltweit bald zur knappsten nat&uuml;rlichen Ressource. Wir  k&ouml;nnten Kriege ums Wasser erleben &ndash; sie drohen in Nahost und Afrika,  aber auch auf dem indischen Subkontinent und im nachkommunistischen  China. &Ouml;l k&ouml;nnen wir ersetzen durch Sonne, Wind und Biomasseenergie.  Wasser aber bleibt unersetzlich &ndash; wir k&ouml;nnen es nicht vermehren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor 120 Jahren musste das Wasser einmal gefiltert werden. Heute  setzen wir, um das verschmutzte Wasser wieder zu reinigen, zunehmend auf  Gro&szlig;technologie und auf die Chemie. In Deutschland sind zurzeit bis zu  acht chemische Behandlungsstufen notwendig, damit das Wasser wieder  trinkbar wird. Wasser wird gechlort, gefiltert und bestrahlt.<\/p>\n<p>Die Washingtoner Zoologin und Toxikologin Thea Colborn weist darauf  hin, dass Chemikalien im Wasser Fruchtbarkeitsst&ouml;rungen nicht nur bei  Fischen und V&ouml;geln, sondern auch bei Menschen hervorrufen: &bdquo;Leider  entdecken wir gerade, dass einige dieser Schadstoffe die Geb&auml;rmutter  durchdringen k&ouml;nnen. Sie sind also pr&auml;sent, w&auml;hrend das Baby im Bauch  der Mutter heranw&auml;chst&ldquo;. Es handle sich dabei nicht mehr um Einzelf&auml;lle,  sondern um ein globales Problem. &bdquo;Viele Chemikalien, die wir in&nbsp; der  Vergangenheit verwendet haben, liegen da drau&szlig;en in der Natur noch  lange, sehr lange herum. Sie sammeln sich im Gewebe von Tieren und  Menschen an, bei jedem einzelnen, vom Nordpol bis zum S&uuml;dpol, von Ost  bis West.<\/p>\n<p>Und zu dieser Grundbelastung kommen neue Schadstoffeinfl&uuml;sse hinzu,  das addiert sich immer weiter&ldquo;, analysiert die Wissenschaftlerin  Colborn. Weltweit hat sich die Zahl der Spermien bei M&auml;nnern in den  letzten 50 Jahren etwa halbiert. Viele Tiere in Seen, Fl&uuml;ssen und Meeren  haben schon heute keinen Nachwuchs mehr. Vielleicht m&uuml;ssen wir Menschen  die biblische Botschaft &bdquo;Wachset und mehret euch&ldquo; bald aktualisieren  durch den Zusatz &bdquo;solange ihr noch k&ouml;nnt&ldquo;.<\/p>\n<p><strong>Die dramatisch abnehmende Fruchtbarkeit von Mensch und Tier ist eine  noch weitgehend unbeachtete und wenig erforschte Konsequenz der globalen  Umweltzerst&ouml;rung &ndash; eine tickende Zeitbombe.<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1900 ist die Weltbev&ouml;lkerung von 1,6 auf &uuml;ber sieben Milliarden  Menschen angewachsen &ndash; doch die Wasservorr&auml;te sind gleich geblieben.  Heute verbraucht jeder und jede von uns in Deutschland pro Tag 122 Liter  Wasser. Wasser, das so rein ist, dass man es trinken kann. Aber f&uuml;rs  Kochen und Trinken ben&ouml;tigen wir nur vier Liter pro Tag. 40 Liter  Trinkwasser sp&uuml;len wir t&auml;glich pro Kopf die Toilette hinunter, 52 Liter  Trinkwasser brauchen wir f&uuml;rs Baden und Duschen, f&uuml;rs Waschen und Sp&uuml;len  nochmals 25 Liter Trinkwasser. Amerikaner verbrauchen pro Tag  durchschnittlich sogar 400 Liter Wasser, auch sie das meiste f&uuml;r  Toilettensp&uuml;lung und Autowaschen.<\/p>\n<p>In den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen mit dem Wasser etwas  angestellt, was Jahrmillionen undenkbar war. Wir haben die Natur so  zerst&ouml;rt, dass sauberes Wasser immer knapper wird. Seen, Fl&uuml;sse, B&auml;che,  sogar das Regenwasser sind so stark belastet, dass wir nur &uuml;ber hoch  komplizierte, mehrfache chemisch-technische Verfahren Wasser wieder  trinkbar machen k&ouml;nnen.<\/p>\n<p><strong>Kriege um Wasser<\/strong>?<\/p>\n<p>In vielen L&auml;ndern der Welt versuchen Politiker den Wassernotstand  dadurch zu l&ouml;sen, dass sie Konzernen die Wasserversorgung &uuml;bertragen.  Aber viele Beispiele zeigen inzwischen, dass weltweit operierende  Wasserkonzerne eher am Profit als an der Gesundheit ihrer Kunden  interessiert sind. Die UNO hat Wasser zum Menschenrecht erkl&auml;rt: Deshalb  ist f&uuml;r die Wasserversorgung in erster Linie die Politik zust&auml;ndig.<\/p>\n<p>Der Jordan f&uuml;hrt heute nur noch ein Drittel seiner fr&uuml;heren  Durchlaufmenge ins Tote Meer. In Syrien, Jordanien, Irak und in ganz  Nordafrika trocknen weite Gebiete aus. Vor allem an den Flussl&auml;ufen  werden die Konflikte zunehmen.<\/p>\n<p><strong>Denn<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li> 40 Prozent der Weltbev&ouml;lkerung leben an grenz&uuml;berschreitenden Flusssystemen;<\/li>\n<li>120 der 200 gr&ouml;&szlig;ten Str&ouml;me beziehen wesentliche Teile ihres Wassers&nbsp; aus mehr als einem Staat;<\/li>\n<li>Treibhauseffekt und Wassermangel f&uuml;hren zur Versalzung der Erde.<\/li>\n<li>Die Weltbank bef&uuml;rchtet, dass es bald Kriege ums Wasser geben wird  und nennt drei Beispiele eines &#8222;Krisenszenarios, das ganz Asien  bedroht&#8220;:<\/li>\n<li>Thailands Hauptstadt Bangkok wird im Jahre 2025 nicht mehr in der  Lage sein, den Trinkwasserbedarf seiner Einwohner sicherzustellen;<\/li>\n<li>In Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist schon heute das Wasser aus dem  st&auml;dtischen Wassernetz mit F&auml;kalbakterien und Ammoniak verseucht.<\/li>\n<li>In der philippinischen Hauptstadt Manila werden in f&uuml;nf Jahren alle  Grundwasserreserven kontaminiert sein. Sind wir noch zu retten?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wege einer neuen Wasserpolitik<\/strong><\/p>\n<p><strong>WASSER 2015<\/strong><\/p>\n<p>Eine Vision f&uuml;r die Zukunft: Wenn der Bundestag ein Wasserspargesetz  beschlie&szlig;t, das Bauherren vorschreibt, sparsame Armaturen zu  installieren, private Nachr&uuml;stungen wie Sparduschen,  Wasserspartoiletten, Wasserspar-Waschmaschinen und  Wasserspar-Sp&uuml;lmaschinen f&ouml;rdert und Gro&szlig;verbrauchern einen  Wasserpfennig abverlangt, dann werden wir bald nur noch halb so viel  Wasser verbrauchen wie heute.<\/p>\n<p>Jedes Jahr w&uuml;rde so pro Kopf 25.000 Liter Wasser gespart. In zehn  Jahren also 250.000 Liter. Das w&auml;ren bei einer vierk&ouml;pfigen Familie eine  Million Liter Wasserersparnis ohne Komfort-Einschr&auml;nkung.<\/p>\n<p>Die Industrie wird &ndash; durch politische Bestimmungen &ndash; lernen, Wasser  zu recyceln. Gebrauchtes Wasser kann zehn- und mehr als zehnmal  verwendet werden. Wir brauchen Wasserkreisl&auml;ufe, wie es die Deutsche  Bahn im ICE 3 bei der Toilettensp&uuml;lung schon heute vormacht. Die  Landwirtschaft k&ouml;nnte durch unterirdische Bew&auml;sserung ihren  Wasserverbrauch um zwei Drittel, die Industrie gar um 90 Prozent senken.<\/p>\n<p>Die Chemiewerke werden in zehn Jahren nur noch Stoffe einsetzen, die  sie in ihren Kl&auml;rwerken abbauen k&ouml;nnen. Chlor ist in unserem  Zukunftsmodell verboten. Durch Kreislaufsysteme wird der Wasserverbrauch  bei der Produktion eines Kilogramm Papier auf ein Zehntel gegen&uuml;ber  heute reduziert. Das K&uuml;hlwasser der Gro&szlig;kraftwerke darf keine  Schwermetalle mehr enthalten. Dezentrale und erneuerbare Energien sorgen  daf&uuml;r, dass die wasserschluckenden Gro&szlig;kraftwerke &uuml;berfl&uuml;ssig werden.<\/p>\n<p><strong>WASSER 2030<\/strong><\/p>\n<p>Landwirte verwenden <a class=\"contentLink\" href=\"http:\/\/www.bauernhof.net\/lexikon\/lex_fg\/guelle.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">G&uuml;lle<\/a>, <a class=\"contentLink\" href=\"http:\/\/www.bauernhof.net\/lexikon\/lex_hij\/jauche.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jauche<\/a> oder <a class=\"contentLink\" href=\"http:\/\/www.bauernhof.net\/lexikon\/lex_st\/Stallmist.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stallmist<\/a>  als D&uuml;nger. Wird G&uuml;lle nicht mehr wie fr&uuml;her verspritzt, sondern direkt  &uuml;ber d&uuml;nne Schl&auml;uche in die B&ouml;den eingebracht, kann der Wind das  giftige Ammoniak nicht mehr auf Meere und W&auml;lder tragen. Nitrat kann  nicht mehr in Boden und Grundwasser gelangen, wenn der D&uuml;nger sparsam  dosiert wird. Den D&uuml;nger liefern &uuml;brigens in 25 Jahren nicht mehr die  Chemiekonzerne, sondern die eigenen K&uuml;he.<\/p>\n<p>Die chemische Industrie produziert heute 116.000 verschiedene  Chemikalien, deren langfristige Auswirkungen auf Wasser und B&ouml;den wir  zum gro&szlig;en Teil noch gar nicht kennen. Eine Wasserschutzpolitik wird bis  2030 daf&uuml;r sorgen, dass nur noch Stoffe produziert werden d&uuml;rfen, die  biologisch abbaubar sind oder in die Produktion neu integriert werden  k&ouml;nnen. Wasserkreisl&auml;ufe m&uuml;ssen sich schlie&szlig;en.<\/p>\n<p>Wenn diese alternative Wasserpolitik konsequent umgesetzt wird, dann ist die Wasserwende bis zum Jahr 2030 vollendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle technischen Mittel f&uuml;r diese Vision sind vorhanden. Was fehlt,  ist ein neues Wasserbewusstsein von unten und eine neue Wasserpolitik  von oben. Die M&uuml;nchner Stadtwerke haben bewiesen, dass es geht und wie  es geht. Noch vor 15 Jahren musste die H&auml;lfte des M&uuml;nchner Trinkwassers  aus solchen Tiefen geholt werden, wo das Wasser nur langsam flie&szlig;t und  sich deshalb nur alle 10.000 Jahre wieder reinigt. Verantwortlich f&uuml;r  das chemisch stark belastete Oberfl&auml;chentrinkwasser war die  Chemielandwirtschaft. Die Stadtwerke haben vielen Bauern im M&uuml;nchner  Umfeld finanzielle Anreize f&uuml;r den Umstieg auf Biolandwirtschaft  geboten.<\/p>\n<p>Jetzt wirtschaften hier &uuml;berwiegend Biobauern ohne Kunstd&uuml;nger. Die  Qualit&auml;t des Trinkwassers hat sich entschieden verbessert. Und die  Stadtwerke, zu Recht mit dem Wasserpreis der Hundertwasser-Stiftung  ausgezeichnet, sparen auch noch Geld. Denn die chemische Reinigung des  M&uuml;nchner Trinkwassers war teurer als die Finanzhilfe f&uuml;r die Biobauern.<\/p>\n<p>Das Rezept hei&szlig;t sparen, sch&uuml;tzen, sanieren.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wasserschutzgebiet oder Wasserschmutzgebiet?<\/strong><\/p>\n<p>Eine wertvolle Hilfe ist die R&uuml;ckbesinnung auf die Vorbilder der  Natur. Dort, wo fr&uuml;her nat&uuml;rliche Landschaften mit funktionierenden  Gew&auml;ssersystemen zu finden waren, war in aller Regel auch eine hohe  &Auml;sthetik und Harmonie sp&uuml;rbar. Viele St&auml;dte verdanken dem Wasser die  Qualit&auml;t und Originalit&auml;t ihres Stadtbildes: Venedig, Amsterdam, Bergen,  Freiburg, Rio de Janeiro, San Francisco, Chicago, Detroit, Aachen,  Friedrichshafen, Konstanz, Hamburg und Baden-Baden &ndash; zum Beispiel.<\/p>\n<p>Wasser hat einen gro&szlig;en Einfluss auf das Stadtklima und damit auch  auf das Wohlbefinden und die Psyche seiner Bewohner. Architekten werden  wieder verstehen lernen, dass abflie&szlig;endes Regenwasser nicht versteckt  werden muss. Sein Perlen, sein Str&ouml;men kann als nat&uuml;rliches Kunstwerk  begriffen werden. Wellenspiele und Lichtreflexionen erm&ouml;glichen  Stadtbewohnern eine emotionale und bewusste Beziehung zum Naturelement  Wasser.<\/p>\n<p>In unseren Stadtbildern der Zukunft sollten Wasserkunstwerke wieder  &ouml;ffentliche Pl&auml;tze, G&auml;rten und Parks bereichern, offene Rinnen, die mit  Regenwasser betrieben werden oder auch Teile des Abwassersystems sind,  k&ouml;nnen &ndash;wie in Freiburg schon lange &ndash; der Verkehrsberuhigung dienen.<\/p>\n<p>Eine verantwortliche Wasserpolitik muss so konzipiert sein, dass wir  unseren Kindern einmal guten Gewissens sagen k&ouml;nnen: Kinder, das ist  euer Wasser! Ihr k&ouml;nnt wieder in den Fl&uuml;ssen baden und schwimmen. In den  Fl&uuml;ssen gibt es wieder viele Fische. Und die Fische sind auch nicht  mehr krank. Denn wir haben inzwischen gelernt, dass das, was die Fische  krank macht, auch die Menschen krank macht.<\/p>\n<p>Wir sollten mit unseren Kindern symbolisch einen  Wasser-Generationenvertrag schlie&szlig;en. Wir haben das Wasser nicht von  unseren Eltern geerbt &ndash; wir haben es von unseren Kindern geliehen.<\/p>\n<p>F&uuml;r alle Menschen aller Generationen gilt die Erkenntnis: Wasser ist  Gl&uuml;ck, Wasser ist Wohlstand. Wasser ist aber auch Freiheit,  Gerechtigkeit und Geborgenheit.<\/p>\n<p><strong>&bdquo;Stirbt der Fluss, stirbt das Volk&ldquo;, sagt ein brasilianisches  Sprichwort. Genauso gilt aber auch: Lebt der Fluss, lebt das Volk. Wir  haben die Wahl.<\/strong><\/p>\n<\/p><\/div>\n<div class=\"article-images\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"349\" src=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/wasserglas_TarasyukIgor.jpg\" class=\"alignleft\" alt=\"bigstock | TarasyukIgor\" \/><\/div>\n<h5 class=\"green\">Quelle<\/h5>\n<p>Franz Alt | Erstver&ouml;ffentlichung <a href=\"http:\/\/www.hoerzu.de\">H&Ouml;RZU 19\/2007<\/a><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><div class=\"ShariffHeadline\">Diese Meldung teilen<\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8;border-radius:1%\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.sonnenseite.com%2Fde%2Fzukunft%2Fwasser-wird-kostbarer-als-gold%2F\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\";border-radius:1%; 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