{"id":63267,"date":"2020-09-29T09:27:31","date_gmt":"2020-09-29T07:27:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/?p=63267"},"modified":"2020-09-29T09:27:31","modified_gmt":"2020-09-29T07:27:31","slug":"hans-josef-fell-altmaiers-20-punkte-zu-kurz-gegriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/politik\/hans-josef-fell-altmaiers-20-punkte-zu-kurz-gegriffen\/","title":{"rendered":"Hans-Josef Fell: Altmaiers 20 Punkte \u201czu kurz gegriffen\u201d"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Klimaschutz und Wirtschaftskraft k\u00f6nnen \u201ckeinen wirksamen Klimaschutz bringen\u201d \u2013 12 Gegenvorschl\u00e4ge<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sonnenseite.com\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Hans-Josef-Fell-Foto-eusew.eu_.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-63271\" width=\"159\" height=\"159\"\/><figcaption>\u00a9 eusew.eu | Hans-Josef-Fell<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dass der Energieexperte Hans-Josef Fell kritisch mit Altmaiers j\u00fcngsten Vorschl\u00e4gen ins Gericht gehen w\u00fcrde, war zu erwarten. Am 28.09.2020 hat er dann (gemeinsam mit David Wortmann) seine Analyse publiziert: Bis jetzt sei kein einziges Parteiprogramm ambitioniert genug, besonders die aktuelle Regierung werde \u201cihrer Verantwortung nicht gerecht\u201d. <\/p>\n\n\n\n<p>Trotz angeblich weitreichender Klimaschutzma\u00dfnahmen steuere die deutsche Klimapolitik statt auf 1,5 auf 3 \u2013 5\u00b0 C zu, und \u201can diesem katastrophalen Temperaturanstieg werden auch Wirtschaftsminister Altmaiers zu kurz gegriffene \u201920 Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Klimaschutz und Wirtschaftskraft\u2019 [siehe: <a href=\"https:\/\/www.solarify.eu\/2020\/09\/11\/914-altmaier-will-klima-und-wohlstands-allianz-gruenden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">solarify.eu\/2020\/09\/11<\/a>] so gut wie nichts \u00e4ndern k\u00f6nnen\u201d. Solarify dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lesen Sie hier die Analyse der klima- und energiepolitischen Vorschl\u00e4ge von Peter Altmaier und eine politische Agenda, die wirklich zum Klimaschutz f\u00fchrt, von David Wortmann und Hans-Josef Fell:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Warum Peter Altmaiers 20 Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Klimaschutz und Wirtschaftskraft keinen wirksamen Klimaschutz bringen k\u00f6nnen \u2013<br>12 Gegenvorschl\u00e4ge<\/h5>\n\n\n\n<p>In der langen Regierungszeit Angela Merkels war Peter Altmaier stets im Zentrum der Macht. Parlamentarischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der CDU\/CSU Bundestagsfraktion, Kanzleramtsminister, Bundesumweltminister und nun auch Bundeswirtschaftsminister. Er war immer in Schl\u00fcsselpositionen und seit 2005 h\u00e4tte gen\u00fcgend Gelegenheiten gehabt, wirksame Klimaschutzma\u00dfnahmen nicht nur vorzuschlagen, sondern auch umzusetzen. Das sind 15 verlorene Jahre f\u00fcr den Klimaschutz, die Peter Altmaier mit zu verantworten hat. Dass es offensichtlich erhebliche Vers\u00e4umnisse in den letzten Jahren gegeben hat, sieht er nun selber ein. Lieber sp\u00e4t, als nie. Und legt jetzt \u2013 ein Jahr vor Ende der aktuellen Legislaturperiode \u2013 20 Vorschl\u00e4ge f\u00fcr einen \u201ehistorischen Kompromiss\u201c zwischen \u201eRettung des Klimas\u201c und dem \u201eErhalt unserer Wirtschaftskraft\u201c vor. Diese \u201eCharta f\u00fcr Klimaneutralit\u00e4t und Wirtschaftskraft\u201c <em>(Vorschlag 1)<\/em> ist so formuliert, als ob es nach wie vor einen Gegensatz zwischen Klimaschutz und Wirtschaft g\u00e4be. Inzwischen wissen jedoch auch die meisten in der Wirtschaft, dass \u201e\u00d6kologie\u201c eigentlich \u201eLangfrist-\u00d6konomie\u201c ist. Ohne wirksamen Klima- und Umweltschutz wird es langfristig auch keinen Wohlstand f\u00fcr die Menschen geben und auch keine funktionierende Wirtschaft. Klimaschutz ist sogar schon kurzfristig eine Chance f\u00fcr die Wirtschaft z.B. f\u00fcr Investitionen in saubere Technologien oder als positiver Standortfaktor, da die Energiekosten durch erneuerbare Energien weiter gesenkt werden k\u00f6nnen. Mittel- und langfristige Wirtschaftskraft ist nur <em>mit <\/em>Klimaschutz machbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Altmaiers Vorschl\u00e4ge lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen: 1. Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen, 2. \u00dcberpr\u00fcfung der Reduktionsziele, 3. Finanzierung und Marktmechanismen f\u00fcr Treibhausgasreduktionen und 4. Kommunikation &amp; Bildung\/Forschung.&nbsp;Hier ist unsere Analyse dazu.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Altmaiers zentrales Anliegen ist die \u201eKlimaneutralit\u00e4t\u201c Deutschlands bis 2050. Das klingt erst einmal gut. Aber das blo\u00dfe Ziel einer Klimaneutralit\u00e4t ist untauglich, da es weiterhin fossile Klimagasemissionen <em>(Vorschlag 2)<\/em>zul\u00e4sst und j\u00e4hrliche Aussto\u00dfmengen weiter legitimiert, die durch Kohlenstoffsenken lediglich bilanziell kompensiert werden sollen \u2013 auch nach 2050. Die Atmosph\u00e4re ist aber bereits heute mit einem Anteil von <a href=\"https:\/\/www.esrl.noaa.gov\/gmd\/ccgg\/trends\/gl_trend.html\">413 ppm Kohlendioxid<\/a> \u00fcberlastet. Schon diese hohe Konzentration birgt wegen des Eintretens der unkalkulierbaren Kipppunkte selbst bei einem sofortigen Stopp aller weltweiten Treibhausgasemissionen die Gefahr eines unbeherrschbaren Umkippens der Erdatmosph\u00e4re mit irreversiblen Folgen. Die Menschheit hat es seit dem Pariser Klimaschutzabkommen 2015 noch nicht geschafft, die weltweiten j\u00e4hrlichen Emissionen schnell zu senken. Im Gegenteil, 2019 war wieder ein Rekordjahr und nach aktuellen Analysen von NASA und der World Meterological Organization (WMO), ist es zunehmend wahrscheinlicher, dass der Planet Erde das f\u00fcr 2050 angestrebte Nicht\u00fcberschreiten von 1,5\u00b0C schon um 2030 \u00fcberschreitet. Bei der Vorstellung des j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Sonderbericht \u201e<a href=\"https:\/\/public.wmo.int\/en\/resources\/united_in_science\">United in Science<\/a>\u201c erstellt durch einen Gro\u00dfteil der wichtigsten klimawissenschaftlichen Organisationen \u2013 u.a. WMO, NASA, UN-Umweltprogramm (UNEP) &amp; Weltklimarat (IPCC) \u2013 verdeutlichte UN-Generalsekret\u00e4r Guterres diese Warnung erneut.<\/li><li>Auch Deutschland ist in Paris die v\u00f6lkerrechtliche Verpflichtung eingegangen, 1,5\u00b0C Erderw\u00e4rmung m\u00f6glichst nicht zu \u00fcberschreiten. Mit dem von Altmaier angestrebten Ziel der Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 steuern wir aber nach aktuellem Stand eher auf eine \u00dcberhitzung der Erde auf 3\u00b0C zu. Dies h\u00e4tte katastrophale Folgen f\u00fcr die Menschheit. Eine menschliche Zivilisation, wie wir sie heute kennen, wird dann nicht mehr m\u00f6glich sein. Wer das nicht glaubt, m\u00f6ge nur nach Kalifornien schauen, wo bei der heutigen Erd\u00fcberhitzung von nur 1,2\u00b0C gerade mit unbeherrschbaren Waldbr\u00e4nden die kalifornische Gesellschaft mit gro\u00dfen Herausforderungen zu k\u00e4mpfen hat.<\/li><li>Statt Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 braucht es also eine Nullemissionswirtschaft sp\u00e4testens ab 2030, weil ansonsten die Weltgemeinschaft schnell auf dem Pfade zu einer 3\u00b0C- oder gar 4\u00b0C-Welt sein wird, bedingt durch eine stetig steigende Treibhausgaskonzentration in der Atmosph\u00e4re und der damit verbundenen sich steigernden j\u00e4hrlichen Temperaturerh\u00f6hung<\/li><li>Eine \u201eGarantie auf Klimaschutz\u201c kann es laut Altmaier nur gegeben, wenn diese mit einer \u201eGarantie zum Erhalt der Wirtschaftskraft\u201c einhergeht, indem \u201eBelastungen\u201c f\u00fcr die Wirtschaft ausgeglichen werden m\u00fcssen <em>(Vorschlag 3)<\/em>. Wieder dieser Gegensatz zwischen Klimaschutz und Wirtschaftskraft. Nach dieser Logik m\u00fcssten die Belastungen und n\u00f6tigen Kompensationen bei maximal notwendigem Klimaschutz f\u00fcr die Wirtschaft prohibitiv hoch sein. In Wahrheit brauchen wir doch eine \u201eandere\u201c Wirtschaft, die auf saubere Technologien und Produktionsweisen setzt und vom Klimaschutz profitiert. \u201eBelastungen\u201c f\u00fcr die Wirtschaft entstehen dann erst gar nicht und m\u00fcssen demzufolge nicht ausgeglichen werden.<\/li><li>Geradezu vorbildlich klingt es dann, wenn Altmaier vorschl\u00e4gt, dass die \u00f6ffentlichen Einrichtungen das Ziel der Klimaneutralit\u00e4t bereits 2035 erreichen sollen <em>(Vorschlag 5)<\/em>. Es ist aber gesetzlich schon im Klimaschutzgesetz 2019 verankert, dass die <a href=\"https:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/19\/143\/1914337.pdf\">Bundesverwaltung klimaneutra<\/a>l werden soll (\u00a715). Und zwar bis zum Jahr 2030.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"2\"><li><strong>\u00dcberpr\u00fcfung der Reduktionsziele<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Treibhausgasreduktionsziele sind nur so gut wie sie tats\u00e4chlich auch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Altmaier schl\u00e4gt dazu vor, dass sich Einrichtungen, Unternehmen, Organisationen etc. hinsichtlich ihres bereits erlangten Grades an Klimaneutralit\u00e4t \u00fcber ein marktwirtschaftliches System zertifizieren lassen <em>(Vorschlag 7)<\/em>und dies \u00f6ffentlich \u00fcber ein \u201eScoreboard\u201c zur Schau stellen k\u00f6nnen <em>(Vorschlag 6)<\/em>. Das sind gute Vorschl\u00e4ge \u2013 vorausgesetzt die Zertifizierung ist nicht auf freiwilliger Basis, sondern <em>verpflichtend<\/em> und erfasst tats\u00e4chlich alle Treibhausgasemissionen, einschlie\u00dflich des gesamten Lebenszyklus eines Produktes inklusive aller vor- und nachgeschalteten Lieferketten. Heute gibt es schon privatwirtschaftliche Anbieter wie <em>Planetly<\/em>, die dazu Angebote aufbauen.<\/li><li>Unklar hingegen sind die Vorschl\u00e4ge, eine bundesweite Stiftung \u201eKlima &amp; Wirtschaft\u201c (<em>Vorschlag 16<\/em>) und einen \u201eKlima- und Wirtschaftsrat\u201c (<em>Vorschlag 19<\/em>) beim Bundeswirtschaftsministerium einzurichten. Diese sollen sicherstellen, dass die \u201ehohe Priorit\u00e4t der vorgesehenen Ma\u00dfnahmen\u201c nicht gef\u00e4hrdet wird bzw. bei der Erarbeitung weiterer Vorschl\u00e4ge beratend zur Seite stehen. Frei nach dem Motto: \u201eWenn Du nicht weiter wei\u00dft, gr\u00fcnde einen Arbeitskreis\u201c. Im Ernst: W\u00e4ren dies nicht die ureigenen Aufgaben der zust\u00e4ndigen Ministerien und Minister*innen? Und gibt es nicht bereits eine ganze Reihe nachgelagerter Beh\u00f6rden wie das Bundesumweltamt (UBA), die deutsche Energie Agentur (Dena) oder bundeseigene Stiftungen wie die Deutsche Bundesumweltstiftung (DBU), denen solch unterst\u00fctzende Aufgaben \u00fcbertragen werden k\u00f6nnten? Auch der Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltschutz (SRU) oder der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umwelt\u00e4nderungen (WGBU) machen seit Jahren gute Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Klima- und Umweltschutz, die bisher von der Bundesregierung weitgehend unber\u00fccksichtigt blieben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"3\"><li><strong>Finanzierung und Marktmechanismen f\u00fcr Treibhausgasreduktionen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ein Vorschlag in die richtige Richtung ist, einen Prozentsatz des Bruttoinlandproduktes (BIP) festzulegen zur Finanzierung von Klimaschutzma\u00dfnahmen und Wirtschaftsf\u00f6rderung (<em>Vorschlag 4<\/em>). Dieser Prozentsatz sollte allerdings wirkungsvoll und auf Jahre festgeschrieben sein, damit er nicht jedes Jahr oder durch neue Regierungen immer wieder neu verhandelt werden muss oder kann, um langfristig Unsicherheiten zu vermeiden. Budgets f\u00fcr die Wirtschaftsf\u00f6rderung sollten allein zur Entwicklung von Standorten, Technologien und Gesch\u00e4ftsmodellen eingesetzt werden, die tats\u00e4chlich zum Klimaschutz beitragen und keinen Ausgleich f\u00fcr Unternehmen darstellen, die auf Aktivit\u00e4ten setzen, in deren Folge noch Treibhausgase emittiert werden. Denkbar ist es, aus solch einem Budgettopf Grenzausgleichmechanismen (<em>Vorschlag 14<\/em>) f\u00fcr Produkte zu finanzieren, deren Kostennachteile gegen\u00fcber importierten Produkten aus einem vermiedenen Treibhausgasemissions-Fu\u00dfabdruck resultieren. Gleichzeitig kann man mit diesem Geld die EEG-Umlage weiter absenken (<em>Vorschlag 13<\/em>). Ein richtig tolles Ziel w\u00e4re allerdings, wenn sich das BIP in Zukunft nur aus Wirtschaftsleistungen zusammensetzt, die klimaschutzf\u00f6rdernd oder zumindest nicht nachteilig auf Klima- und Umweltschutz auswirken.<\/li><li>F\u00fcr einen wirksamen Klimaschutz hingehend nicht ausreichend sind die unterschiedlichen Marktinstrumente, um Treibhausgasen einen Preis zu geben: \u201eCarbon Contract for Differences\u201c (<em>Vorschlag 8<\/em>), Reformierung des europ\u00e4ischen Emissionshandels und nationale CO2-Bepreisungen (<em>Vorschlag 10<\/em>), Carbon Auktionen (<em>Vorschlag 11<\/em>). Diese Instrumente zielen allein auf eine Reduktion und nicht auf die komplette Vermeidung von Treibhausgasen ab \u2013 und das, wie die Vergangenheit zeigt, weitest gehend wirkungslos. Denn die Bepreisungen sind selten hoch genug und werden zu oft nicht auf die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette sowie alle relevanten Treibhausgase angewandt. Entscheidend ist jedoch, dass von vorneherein auf Treibhausgasemissionen verzichtet wird, so wie beim konsequenten Einsatz Erneuerbarer Energien.<\/li><li>Auff\u00e4llig ist, dass genau zum notwendigen Ausbau der Erneuerbaren Energien am wenigsten in Altmaiers Papier zu finden ist: hier wird ein \u201eMatching Mechanism\u201c (<em>Vorschlag 9<\/em>) vorgeschlagen zwischen Angebot und Nachfrage Erneuerbarer Energien, dessen Sinnhaftigkeit nicht deutlich wird. Da gerade hier der Markt und nicht der Staat entscheiden sollte, wie viele und welche Erneuerbare Energien wo ben\u00f6tigt werden. Ferner m\u00f6chte Altmaier das EEG zu einem europ\u00e4ischen Instrument ausbauen (<em>Vorschlag 12<\/em>), obwohl ihm eigentlich klar sein sollte, dass ein europ\u00e4isches EEG aufgrund der komplexen Gemengelage kaum umsetzbar ist und dabei wertvolle Zeit f\u00fcr nationales Handeln verloren gehen w\u00fcrde.<\/li><li>Dabei ist der schnelle Ausbau der Erneuerbaren Energien der Kern des Klimaschutzes. Denn die Erneuerbaren m\u00fcssen nicht nur Kohle- und Erdgaskraftwerke ersetzen, sondern auch Benzin und Diesel in der Mobilit\u00e4t, Erd\u00f6l und Erdgas in den Heizungen und in der Industrieproduktion. Es ist verwunderlich, dass Peter Altmaier so gut wie keine Vorschl\u00e4ge zum schnellen Ausbau vorgelegt hat, es w\u00e4re Voraussetzung f\u00fcr eine vollst\u00e4ndige Energieversorgung aus Erneuerbaren Energien und eine wirkungsvolle Klimaschutzstrategie bis 2030.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"4\"><li><strong>Kommunikation &amp; Bildung\/Forschung<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Absatzf\u00f6rdernd k\u00f6nnte sicherlich auch ein neues Produktlabel \u201eClean Products Made in Germany\u201c (<em>Vorschlag 15<\/em>) sein, was allerdings glaubhaft zertifiziert sein muss (<em>Vorschlag 7<\/em>).<\/li><li>Fraglich sind jedoch die Vorschl\u00e4ge ein \u201eHaus der Energiewende\u201c (<em>Vorschlag 17<\/em>) und eine internationale Agentur \u201eClimate Global\u201c (<em>Vorschlag 18<\/em>) zu schaffen, die jeweils Best-Practice-Beispiele der Energiewende und f\u00fcr Klimaschutzma\u00dfnahmen kommunizieren sollen. Wir haben bereits existierende Organisationen auf nationaler (z.B. Deutsche Energie Agentur) oder internationaler Ebene (International Renewable Energy Agency \u2013 IRENA), die genau das zur Aufgabe haben und einfach mit mehr Budget ausgestattet werden k\u00f6nnten. Neue Institutionen m\u00fcssen meist erst aufwendig mit viel Zeit aufgebaut werden und enden oftmals als noch eine ungeh\u00f6rte Stimme unter vielen im Flickenteppich der internationalen Organisationen. Wir brauchen nicht mehr Einrichtungen, um zu kommunizieren, dass Klimaschutz notwendig ist, sondern mehr Markt\u00f6ffnung f\u00fcr Klimaschutztechnologien.<\/li><li>Nat\u00fcrlich ist es eine nette Idee, eine internationale \u201eKlima-Universit\u00e4t\u201c (<em>Vorschlag 20<\/em>) zu schaffen. Aber warum eine einzelne Uni mit begrenzter Wirkung, wenn es eigentlich Aufgabe von allen existierenden Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sein sollte, Angebote im Bereich Klimaschutz in allen m\u00f6glichen Fachrichtungen f\u00fcr deutsche und internationale Studierende und Wissenschaftler*innen zu schaffen. Das Geld f\u00fcr die fl\u00e4chendeckende Ausstattung entsprechender Einrichtungen sollte aus dem BIP-Budget entnommen werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Altmaiers Vorschl\u00e4ge sind alle sicherlich gut gemeint, kommen aber sehr sp\u00e4t und er wird selbst in den eigenen politischen Reihen die gr\u00f6\u00dfte \u00dcberzeugungsarbeit leisten m\u00fcssen. Eines ist aber sicher: Sie greifen viel zu kurz. Sie sind vor allem darauf ausgerichtet \u00fcber drei Jahrzehnte St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, Jahr um Jahr, Treibhausgase geringf\u00fcgig zu reduzieren. <em>Das Ende aller Treibhausgasemissionen und die gleichzeitige Schaffung gro\u00dffl\u00e4chiger, nat\u00fcrlicher Kohlenstoffsenken muss aber m\u00f6glichst bis 2030 gelingen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Teil aller Klimagasemissionen \u2013 60% \u2013 <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG-Kurzanalyse-THG_2019.pdf\">kommt aus dem Verbrauch fossiler Rohstoffe<\/a><\/em>, also Erd\u00f6l, Erdgas und Kohle; 55% sind auf deren energetische Verfeuerung zur\u00fcckzuf\u00fchren und die \u00fcbrigen f\u00fcnf Prozent auf die nichtenergetische Nutzung, z.B. f\u00fcr Kunststoffproduktion. Erdgas hat in der Vorkette hohe Methanemissionen, weshalb <em><a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Erdgasstudie_2019.pdf\">Erdgas \u00e4hnlich klimasch\u00e4dlich wie Kohle und Erd\u00f6l<\/a><\/em> ist.<a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftn1\">[1]<\/a> Die anderen gro\u00dfen Emissionsposten nach den fossilen Energien sind der ganze Komplex Land- und Forstwirtschaft mit 21%, Landnutzungs\u00e4nderung mit 5%, sowie Kl\u00e4rschlamm und M\u00fcll mit 8%.<a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftn2\">[2]<\/a> Das Ziel einer <em>\u201eNullemissionswirtschaft\u201c&nbsp;<\/em>muss also vor allem (1) in unserem Energiesystem, inklusive dem Verkehrs- und Geb\u00e4udesektor, (2) in der industriell und stofflichen Wirtschaft und (3) in der Landwirtschaft erreicht werden. Die Atomenergie ist dabei wegen der hohen Kosten, zu langsamen Skalierbarkeit, geringen Flexibilit\u00e4t, den hohen Gefahren, der massiven Proliferation und den Radioaktivit\u00e4tsemissionen (Atomm\u00fcll) keine Klimaschutzoption.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies bedeutet, <em>100% Erneuerbare Energien ist die alles entscheidende, dominante Klimaschutzma\u00dfnahme<\/em>, ohne die alle anderen \u2013 ohne Zweifel wichtigen Ma\u00dfnahmen \u2013 letztendlich ohne ausreichende Wirkung sind. In einem <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_LUT_100RE_All_Sectors_Global_Report_2019.pdf\">100% erneuerbaren Energiesystem<\/a> wird <em>90% der gesamten zuk\u00fcnftigen Energieversorgung (Strom, W\u00e4rme, K\u00fchlung, Transport, Industrie) elektrisch sein.<\/em><a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In der <em>Industrie und stofflichen Wirtschaft<\/em> m\u00fcssen \u00fcber Forschung und Entwicklung sowie Markteinf\u00fchrungsunterst\u00fctzung neue emissionsfreie und kohlenstoffsenkende Techniken entwickelt und produziert werden. So z.B. in der Kunststoffchemie, die auf selbstverrottende Biokunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe bis 2030 umgebaut werden muss. Die Stahlherstellung kann auf Nullemissionen mit gr\u00fcnem Wasserstoff oder Biokohle umgestellt werden. Die Bauindustrie sollte auf Textilbeton und Holzbauten setzen. Die Materialwirtschaft sollte eine Kreislaufwirtschaft mit Nullemissionen und Abfallfreiheit werden. Im Zentrum dazu steht das Ende der M\u00fcll- und Kl\u00e4rschlammverbrennung und die Umwandlung aller organischen Reststoffe (Biotonne, Kl\u00e4rschlamm, organische industrielle Reststoffe, Abfallprodukte der Lebensmittelindustrie) in Wertstoffe. Dabei kann die <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/378\/publikationen\/texte_04_2016_chancen_und_risiken_des_einsatzes_von_biokohle.pdf\">Entwicklung der Biokohle<\/a> eine zentrale Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abseits der Sektoren Energie und Industrie geht es vor allem um die <em>Umstellung der Landwirtschaft auf 100% Biolandwirtschaft und 100% artgerechte Tierhaltung<\/em>. Beide Ma\u00dfnahmen \u00fcberf\u00fchren die Landwirtschaft von einem heute stark Treibhausgase emittierenden Sektor in einen kohlenstoffsenkenden Sektor. Die Forstwirtschaft muss z.B. mit einem starken Aufforstungsprogramm seine kohlenstoffsenkende Wirkung erheblich verst\u00e4rken, genauso wie der Naturschutz, z.B. Moorschutz. Im Zentrum muss eine Landwirtschaft stehen, die auf allen Acker- und Weidefl\u00e4chen einen starken Humusaufbau bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind unsere 12 wichtigsten Gegenvorschl\u00e4ge, die nicht den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit haben, aber von der <em>aktuellen und kommenden Regierung bis sp\u00e4testens 2022<\/em> umgesetzt sein sollten, damit das Ziel einer Nullemissions- und kohlenstoffsenkenden Wirtschaft bis 2030 eine Chance hat:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Klimaschutz in die Verfassung aufnehmen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Bisher haben Gerichte keine Grundlage, um Gesetze und Handlungen zur\u00fcckzuweisen, die sich gegen den Klimaschutz richten. Andere Staatsziele haben bisher Vorrang vor dem Klimaschutz.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"2\"><li><strong>Klimaschutzgesetz<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Ein neues Klimaschutzgesetz muss den Rahmen bilden, der alle Ma\u00dfnahmen und Ziele, die zum Erreichen der \u201eNullemission\u201c und nat\u00fcrlichen Kohlenstoffsenken notwendig sind, gesetzlich umfasst und rechtliche Verbindlichkeit schafft.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"3\"><li><strong>\u00d6ffentliche Investitionen nur dort, wo private Investitionen in Erneuerbare Energien und andere Nullemissionstechnologien anf\u00e4nglich nicht mobilisierbar sind<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Das \u00f6ffentliche Kapital wird niemals ausreichen, um alle notwendigen Investitionen in eine Nullemissionswirtschaft zu t\u00e4tigen; es sollte vor allem als Hebel eingesetzt werden im Bereich Forschung &amp; Entwicklung, f\u00fcr gezielte F\u00f6rderprogramme, im \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen und zus\u00e4tzlich f\u00fcr den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur und im Bildungswesen sowie f\u00fcr allgemeine Aufkl\u00e4rungsarbeit zum Klimaschutz.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"4\"><li><strong>Aktivierung von privatem Kapital durch Abschaffung der Mengenbegrenzungen f\u00fcr Erneuerbare Energien &amp; Festlegung von Mindestverg\u00fctungen f\u00fcr Erneuerbarer Energien<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>In Deutschland und anderen L\u00e4ndern wurde in den letzten Jahren ein weitgehender Wechsel von einem dynamischen Marktausbau der Erneuerbaren Energien zu einem staatlich gedeckelten Ausbau durch Ausschreibung begrenzter Mengen vollzogen. Dieser Wechsel ist die Hauptursache f\u00fcr den dramatischen Einbruch der j\u00e4hrlichen Investitionen in die Solarenergie, die Bioenergien und schlie\u00dflich bei der Windkraft. Zu diesem Thema entsteht derzeit eine umfangreiche Analyse im Auftrag der Energy Watch Group, um zu zeigen, dass Ausschreibungsprozesse das Wachstum von Erneuerbaren Energien behindern und letztendlich h\u00f6here Preise f\u00fcr den Endverbraucher zur Folge haben. Dar\u00fcber hinaus aktivieren Ausschreibungsprozesse Investitionen vor allem von gro\u00dfen, aber wenigen Unternehmen und geben wenig Anreize f\u00fcr Investitionen von kleineren, aber immens vielen Akteuren wie bspw. Energiegenossenschaften, kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen oder Privatinvestor*innen. Deswegen sollten Ausschreibungsprozesse nur f\u00fcr Kapazit\u00e4ten \u00fcber einigen zig MW gelten, w\u00e4hrend f\u00fcr z.B. Genossenschaften und Privatpersonen eine Verg\u00fctung \u00fcber feste Einspeisestarife oder gleitende Marktpr\u00e4mien f\u00fcr alle Projekte mit einer installierten Leistung unter mehreren zig MW zur Verf\u00fcgung stehen muss. Kernelemente f\u00fcr ein novelliertes und wieder entb\u00fcrokratisiertes Erneuerbare-Energien-Gesetz sollten sein:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Privilegierter Netzzugang f\u00fcr erneuerbare Energiequellen<\/li><li>Der Einspeisetarif muss mit R\u00fccksicht auf Gr\u00f6\u00dfe und Technologie f\u00fcr den wirtschaftlichen Betrieb geeignet sein und so ausgelegt sein, dass Banken auch f\u00fcr Kleinanlagen und Privatinvestoren die entsprechende Kreditfinanzierung zur Verf\u00fcgung stellen.<\/li><li>Finanzierung der Einspeiseverg\u00fctung \u00fcber den Strompreis, nicht \u00fcber Steuergelder<\/li><li>Keine Obergrenze f\u00fcr das Einspeisen erneuerbarer Energien<\/li><li>Absenkung der Einspeisetarife entsprechend der erreichten Kostensenkungen der erneuerbaren Technologien<\/li><li>Garantierte Verg\u00fctungsdauer mit Blick auf ausreichende Banken-Finanzierung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Seit den EEG-Novellen 2010 sind viele Hemmnisse f\u00fcr den Ausbau der Erneuerbaren Energien aufgenommen werden, die nun wieder bis 2022 abgeschafft werden m\u00fcssen, insbesondere alle Ausbaudeckel und \u2013 entsprechend der EU-Richtlinie \u2013 alle finanziellen und administrativen Belastungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergien. Ebenso muss bereits bis Ende 2020 eine gesetzliche Anschlussregelung verabschiedet werden, die den Betrieb aller EEG-Anlagen sichert, deren Einspeiseverg\u00fctung nach 20 Jahren Betriebsdauer wegf\u00e4llt. Hierf\u00fcr ist eine Arbeitsgruppe unverzichtbar, die unn\u00f6tige B\u00fcrokratie im EEG und EnWG identifiziert und Vorschl\u00e4ge zu deren Abbau erarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"5\"><li><strong>Netzintegration und Sektorenkopplung durch Kombikraftwerksverg\u00fctung:<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Lange bevor 100% Erneuerbare Energien erreicht sind, m\u00fcssen und k\u00f6nnen Erneuerbare Energien Verantwortung f\u00fcr die Systemsicherheit des Stromnetzes \u00fcbernehmen. Eine <em>Kombikraftwerksverg\u00fctung<\/em>, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr netzdienliche Investitionen gew\u00e4hrt wird, sollte mit einem neuen <em>Gesetz f\u00fcr Sektorenkopplung und Innovation der Erneuerbare Energien <\/em>(SIG-EE) eingef\u00fchrt werden. Diese Verg\u00fctung kann mit einem einheitlichen Verg\u00fctungssatz von 8 Cent\/kWh f\u00fcr alle Netzeinspeisungen gew\u00e4hrt werden, die aus einem Mix aus Erneuerbaren Energien eine viertelstundengenaue ganzj\u00e4hrige Bedarfsdeckung des Lastprofiles abdecken. Dies ist nur m\u00f6glich mit entsprechenden Investitionen in Strom- und W\u00e4rmespeicher, sowie in die Sektorenkopplung. Damit werden die Digitalisierung des Energiesektors und Speicher-Investitionen genauso bef\u00f6rdert, wie die Integration der Erneuerbaren Energien in den Verkehrssektor (E-Mobile, Wasserstoff), wie auch im Geb\u00e4ude- und Produktionssektor. Die EWG hat bereits im April dieses Jahres <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Eckpunkte-f%C3%BCr-eine-Gesetzesinitiative-zur-Systemintegration-Erneuerbarer-Energien.pdf\">Eckpunkte f\u00fcr ein entsprechendes Sektorenkopplungs- und Innovationsgesetz f\u00fcr Erneuerbare Energien (SIG-EE) vorgelegt<\/a>. <a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"6\"><li><strong>EEG-\u00e4hnliche Gesetze f\u00fcr W\u00e4rme, K\u00e4lte und gr\u00fcnes Gas<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Feste Einspeiseverg\u00fctungen sollten auch gew\u00e4hrt werden f\u00fcr die Einspeisung von erneuerbarer W\u00e4rme und K\u00fchlung in vorhandene W\u00e4rme- und K\u00e4ltenetze sowie f\u00fcr gr\u00fcnes Gas in Erdgasnetze.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"7\"><li><strong>Beendigung der staatlichen Subventionen und anderer Unterst\u00fctzungen f\u00fcr Treibhausgasemissionen und Radioaktivit\u00e4t<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Beschleunigung des Klimaschutzes verlangt die Abschaffung aller finanziellen sowie administrativen Unterst\u00fctzung atomarer, fossiler Energie- und Chemieanwendungen und intensiver Landwirtschaftsmethoden von staatlicher Seite sowie das das Einstellen staatlicher F\u00f6rderung f\u00fcr Forschungsprojekte in diesen Bereichen. Neue Untersuchungen zeigen auf, dass die j\u00e4hrlichen Subventionen f\u00fcr fossile Brennstoffe aus dem Bundeshaushalt <a href=\"https:\/\/www.investigate-europe.eu\/de\/2020\/milliarden-subventionen-gegen-die-klimaziele\/\">mindestens 37 Milliarden Euro<\/a> betragen, allein auf den Energiebereich entfallen laut einer Studie der Friedrich Ebert Stiftung <a href=\"https:\/\/foes.de\/publikationen\/2020\/2020-07_FOES_Umlenken_FES.pdf\">mehr als 17 Milliarden Euro<\/a>. Eine gigantische Summe die angesichts der immensen Aufgaben im Klimaschutz und auch aus Gr\u00fcnden der hohen neuen Staatsverschuldung infolge der Coronakrise nicht zu verantworten ist. Die Abschaffung aller noch bestehenden \u00f6kologisch sch\u00e4dlichen Subventionen ist \u00fcber alle Sektoren hinweg erforderlich, vom Energiesektor (Subventionen f\u00fcr Kohlekraft, Erdgaskraftwerke, Pipelines und Heizungen, fossile Verbrennungsmotoren, Steuerbefreiung Flugkerosin, Firmenwagen-Privileg, landwirtschaftliche Subventionen, wie Agrardieselbefreiung u.a.), \u00fcber Sektoren Chemie, Landwirtschaft, Bau und Verkehr bis zur Industrie. Die Abschaffung aller klimasch\u00e4dlichen Subventionen ist noch wirksamer als eine CO2-Steuer, da sie direkt den klimasch\u00e4dlichen emittierenden Gesch\u00e4ftsmodellen die staatliche Finanzierung entzieht, ohne die sie meist nicht wirtschaftlich rentabel arbeiten k\u00f6nnen. Zudem wird der Staatshaushalt erheblich entlastet und die frei gewordenen Mittel k\u00f6nnen in Klimaschutzma\u00dfnahmen und die St\u00e4rkung einer Klimaschutzwirtschaft gesteckt werden.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"8\"><li><strong>Steuererleichterungen f\u00fcr Investitionen in Erneuerbare Energien und Materialien<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Steuerbefreiungen f\u00fcr fossil-atomare Energie und Wertstoffe wegfallen m\u00fcssen, sollten Steuererleichterungen f\u00fcr erneuerbare Energietr\u00e4ger und Wertstoffe eingef\u00fchrt werden, z.B.: Steuererleichterungen f\u00fcr \u00d6kostrom von der Stromsteuer, Befreiungen von der Mineral\u00f6lsteuer f\u00fcr nachhaltig angebaute reine Biokraftstoffe, synthetische Kraftstoffe, selbstverrottende Biokunststoffe sowie f\u00fcr Biolebensmittel. Auch ein erleichterter MwSt.-Satz kann den Absatz von Nullemissionstechniken ankurbeln, so z.B. \u00f6kostrombetriebene E-Autos, Biolebensmittel, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Investitionsf\u00f6rdernd wirken auch steuerliche Abschreibungen, wie zum Beispiel f\u00fcr \u00f6kologisch-energetische Haussanierungen zum Nullemissionshaus.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"9\"><li><strong>Schadstoffbelastungssteuer \/Umweltsteuer (CO<sub>2<\/sub>, Methan, Luftschadstoffe und Radioaktivit\u00e4t) statt Emissionshandel<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Das Emissionshandel-System hat sich bislang nicht als wirksames wirtschaftliches Instrument zur Bek\u00e4mpfung des Klimawandels erwiesen. Handelszertifikate werden zu umfangreich ausgegeben, vorgeschaltete Wertsch\u00f6pfungsketten werden nicht ausreichend erfasst, Preise sind zu gering und geben nicht die notwendigen Verknappungssignale. Viel wirksamer sind stetig steigende Schadstoffbelastungssteuern, die Unternehmen, \u00f6ffentliche Hand und Privatleute f\u00fcr die Nutzung klima- und umweltsch\u00e4dlicher fossil-atomarer Energie belasten, um einen Beitrag zur Bezahlung der durch sie verursachten externen Schadenskosten zu schaffen. Eine solche Steuer \u2013 die nicht nur CO2, sondern alle Treibhausgase wie z.B. Methan aus Erdgas erfasst, kann nur dann Erneuerbare Energie und Materialien f\u00f6rdern, wenn die Preise f\u00fcr fossile Energie \/ Kernenergie und fossile Materialien zuz\u00fcglich der Steuer den Durchschnittspreis im Vergleich zu den Preisen f\u00fcr Erneuerbare Energie \u00fcbersteigen. Eine Umweltsteuer sollte daher so angepasst werden, dass sie aufgrund schwankender Energiepreise ihre Anreizwirkung nicht verliert.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"10\"><li><strong>F\u00f6rderung von Forschung und Bildung, \u00f6ffentliche Aufkl\u00e4rungskampagnen im Bereich Erneuerbare Energien und Nullemissionstechnologien<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Staatliche F\u00f6rderung von Forschung und Wissenschaft bez\u00fcglich Erneuerbaren Energien und sauberen Technologien ist von entscheidender Bedeutung. Die Staatshaushalte f\u00fcr Forschung und Bildung f\u00fcr den Klimaschutzbereich m\u00fcssen signifikant erh\u00f6ht werden, <em>Forschungsf\u00f6rderung<\/em> f\u00fcr klimasch\u00e4dliche Techniken und Wirtschaftsweisen sollten nicht nur beendet, sondern umgeleitet werden in nachhaltige Forschungsprojekte. Die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Entwicklung und den Einsatz von Klimaschutztechnologien sollten die technische Entwicklung, die Analyse der wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten, die Auswirkungen erneuerbarer Technologien, soziale und kulturelle Konsequenzen sowie deren Auswirkungen auf Gender und Akzeptanz umfassen. <em>Bildung und berufliche Weiterbildung<\/em> in allen Bildungsebenen (Kindergarten, Schulen, Universit\u00e4ten, Fortbildung) muss nachhaltig ausgebaut werden. Dies gilt es nicht nur hinsichtlich des technischen Bereichs umzusetzen, sondern auch f\u00fcr \u00f6konomische Herausforderungen und begleitende Rahmenprogramme. Die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung bez\u00fcglich der verheerenden Gefahren des Klimawandels sowie zur Rolle der Erneuerbaren Energien muss Hauptaugenmerk und zentraler Fokus der Bestrebungen sein. Eine <em>Regierungskampagne<\/em>, \u00e4hnlich wie sie z.B. zur Aidsbek\u00e4mpfung erfolgreich war, sollte auch f\u00fcr den Klimaschutz aufgelegt werden: Inhalte sollten eine Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Folgen des Klimawandels und Motivationen f\u00fcr klimafreundliches Verhalten sein.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"11\"><li><strong>Erleichterung der Genehmigungen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Beh\u00f6rden und Gesetzgeber m\u00fcssen Genehmigungen f\u00fcr Bauvorhaben und Investitionen im Erneuerbaren-Energiebereich unterst\u00fctzen. Das bedeutet auch f\u00fcr die n\u00f6tige Infrastruktur, bspw. Speicher- und Einspeisem\u00f6glichkeiten, Ladestationen, Bahn- und Radverkehr zu sorgen. Die massiven Genehmigungsh\u00fcrden und Klageverfahren gegen Windkraft, Solarfreifl\u00e4chen, Dachfl\u00e4chen im Denkmalschutzbereich und Wasserkraft sind abzubauen. Die gesetzlichen Regelungen m\u00fcssen die Einwohner vor gesundheitssch\u00e4dlichen Gefahren (L\u00e4rm, Luftschadstoffe, Pestizide u.a.) sch\u00fctzen und gleichzeitig \u00f6kologischen und sozialen Standards entsprechen. Abfallentsorgung, Emissionsminderung, technische Normen und lokaler Umweltschutz sollten ebenfalls ber\u00fccksichtigt werden. Der Schutz der Landschaft, der \u00f6rtlichen Fisch- und Vogelbest\u00e4nde kann und muss durch technische L\u00f6sungen erreicht werden und darf Investitionen in Erneuerbare Energien nicht behindern.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" start=\"12\"><li><strong>Neue nat\u00fcrliche Kohlenstoffsenken erschlie\u00dfen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Kohlenstoffsenken m\u00fcssen immer st\u00e4rker in die Wirtschaftskreisl\u00e4ufe integriert werden. Beispiele sind Bauen mit Holz oder Textilbeton. Umwandlung aller organischen Abf\u00e4lle in Wertstoffe, z.B. Biokohle aus Kl\u00e4rschlamm und Biotonne (Stopp von Kl\u00e4rschlamm- und M\u00fcllverbrennung). Diese <em>Biokohle<\/em> sollte landwirtschaftlich genutzt werden, um gro\u00dffl\u00e4chig Kohlenstoffsenken zu erm\u00f6glichen unter gleichzeitiger Fruchtbarkeitserh\u00f6hung der B\u00f6den, was h\u00f6here landwirtschaftliche Ertr\u00e4ge ohne intensive Landwirtschaft erm\u00f6glicht. Biokohle sollte auch als chemischer Grundstoff in der organischen Chemie genutzt werden, um Erd\u00f6l und Erdgas in der Chemie zu ersetzen. Direct Air Capture (DAC) sollte bef\u00f6rdert werden, damit sich der Weg f\u00fcr synthetische CO2-neutrale Kraftstoffe erschlie\u00dft. Alle nat\u00fcrlichen Methoden f\u00fcr den Humusaufbau (Biolandwirtschaft, Mischfrucht, pfluglose Bodenbearbeitung, Agroforstsysteme u.a.) sind schnell als Regellandwirtschaft einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Nennung von Klimaschutzma\u00dfnahmen ist nicht abschlie\u00dfend. Viele weitere Ma\u00dfnahmen sind sinnvoll und erforderlich. Die genannten Ma\u00dfnahmen sollten aber im Mittelpunkt einer wirkungsvollen Klimaschutzstrategie stehen. Hauptziel der Ma\u00dfnahmen ist es, private Investitionen und Konsumverhalten so zu beeinflussen, dass sie den Weg zu einer Nullemissionswirtschaft (100% Erneuerbare Energien), Kreislaufwirtschaft und Kohlenstoffsenken erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nat\u00fcrlich nicht nur eine deutsche, sondern eine globale Aufgabe. Aber Deutschland als eine der gr\u00f6\u00dften Exportnationen kann einen entscheidenden Klimaschutzbeitrag leisten und andere L\u00e4nder und Regionen \u2013 die heute schon teilweise weiter sind \u2013 motivieren sowie \u00fcber seine Exportgr\u00f6\u00dfe den Klimaschutz auch in anderen L\u00e4ndern ma\u00dfgeblich bef\u00f6rdern und somit helfen das Weltklima auf einem menschen- und zivilisationsvertr\u00e4glichen Niveau zu stabilisieren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftnref1\">[1]<\/a> Fell H.-J., Traber T. <em>Sektorale Treibhausgasemissionen weltweit<\/em>. Kurzanalyse. Berlin. August 2019. Online abrufbar: <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG-Kurzanalyse-THG_2019.pdf\">http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG-Kurzanalyse-THG_2019.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftnref2\">[2]<\/a> Fell H.-J., Traber T. <em>Eckpunkte f\u00fcr eine Gesetzesinitiative zur Systemintegration Erneuerbarer Energien. Sektorenkopplungs- und Innovationsgesetz f\u00fcr Erneuerbare Energien (SIG-EE)<\/em>. Berlin. April 2020. Online abrufbar: <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Eckpunkte-f%C3%BCr-eine-Gesetzesinitiative-zur-Systemintegration-Erneuerbarer-Energien.pdf\">http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Eckpunkte-f\u00fcr-eine-Gesetzesinitiative-zur-Systemintegration-Erneuerbarer-Energien.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftnref3\">[3]<\/a> Traber T., Fell H.-J. <em>Erdgas leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz<\/em>. Erdgasstudie. Berlin. September 2019. Online abrufbar: <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Natural_Gas_Study_September_2019.pdf\">http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_Natural_Gas_Study_September_2019.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/07945DC7-618D-4CE0-96A5-C531A958D65F#_ftnref4\">[4]<\/a> Ram M., Fell H.-J., Breyer C. et al.\u00a0<em>Global Energy System Based on 100% Renewables. Power, Heat, Transport and Desalination Sectors. <\/em>Study by LUT University &amp; Energy Watch Group. Lappeenranta. Berlin.\u00a0April 2019. Online abrufbar: <a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_LUT_100RE_All_Sectors_Global_Report_2019.pdf\">http:\/\/energywatchgroup.org\/wp-content\/uploads\/EWG_LUT_100RE_All_Sectors_Global_Report_2019.pdf<\/a><\/p>\n\n\n<h5 class=\"green\">Quelle<\/h5>\r\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.hans-josef-fell.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hans-Josef Fell 2020<\/a> |\u00a0<a href=\"http:\/\/energywatchgroup.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pr\u00e4sident der Energy Watch Group (EWG) und Autor des EEG<\/a> | Der Bericht wurde auch von der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.solarify.eu\/2020\/09\/29\/991-fell-altmaiers-20-punkte-zu-kurz-gegriffen\/\">Redaktion &#8222;SOLARIFY\u201c 2020<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht!\u00a0<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><div class=\"ShariffHeadline\">Diese Meldung teilen<\/div><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal 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