Ad

Anzeige

Zurück zur Übersicht

27.07.2019

Auf das CO2-Budget kommt es an

In welchem Jahr steigen wir aus der Kohle aus? Wann kommt das Aus für den Verbrennungsmotor? Alles egal. Wichtiger ist etwas anderes: Wie viel CO2 dürfen wir noch in die Luft pusten? Das Emissionsbudget entscheidet im Kampf gegen die Klimakrise.

Die Frage wirkt simpel und ist dennoch kaum zu beantworten: Wie viel Treibhausgase darf die Menschheit noch in die Atmosphäre entlassen? Der Weltklimarat IPCC schätzt das CO2-Emissionsbudget ab 2018 auf 420 Gigatonnen CO2. Damit könnte das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, zu 66 Prozent erreicht werden. Das Problem: Stoßen wir weiter so viele Treibhausgase aus wie im letzten Jahr, haben wir das Budget in zehn Jahren schon erreicht. Bei einem Restbudget von 580 Gigatonnen CO2sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent, das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten.

„Wie groß das Budget am Ende ist, können wir nicht genau sagen, weil es auch von künftigen Entscheidungen über andere Treibhausgase als CO2 und von Unsicherheiten in natürlichen Systemen abhängt“, sagt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Aber wir wissen genug, um sicher zu sein, dass keine Zeit mehr zu verlieren ist, um die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren.“

Klimawissenschaftler fürchten Kippelemente

Klimaexperten weltweit rufen nicht ohne Grund zur Eile auf. Sie fürchten sogenannte Kippelemente, das sind kritische Schwellen im Klimasystem. Werden sie erreicht, verändert sich das Klimasystem so stark, dass die Erderhitzung drastisch beschleunigt würde.

In einer Art Dominoeffekt könnten nacheinander kritische Schwellen ausgelöst werden und zu stark steigendem Meeresspiegel und rasantem Temperaturanstieg führen. Solche Kipppunkte sind etwa der Verlust des Grönland-Eispanzers oder das Auftauen arktischer Dauerfrostböden in Sibirien.

  • (siehe Grafik rechts: Geografische Einordnung der wichtigsten Kippelemente im Erdsystem mit Angabe der Klimazonen nach Köppen. Die Kippelemente lassen sich in drei Klassen einteilen: Eiskörper, sich verändernde Strömungs- bzw. Zirkulationssysteme der Ozeane und der Atmosphäre, und bedrohte Ökosysteme von überregionaler Bedeutung. (Grafik: PIKCC BY-ND 3.0 DE)

Wir haben wahrscheinlich noch weniger Zeit

Kriegler hat mit Kollegen eine neue Studie erarbeitet, die das Schätzen unseres verbliebenen CO2-Budgets erleichtern soll. Eines der wichtigsten Erkenntnisse: Bisherige Schätzungen beachten Rückkopplungen im Erdsystem zu wenig. Ein unterschätzter Faktor ist etwa das Tauen des Permafrostes und damit die Freisetzung des starken Treibhausgases Methan.

„Das bedeutet, dass unser Spielraum noch kleiner sein könnte, als wir dachten“, erklärt Kriegler. Seine Studie ist Teil eines größeren Vorhabens: Klimawissenschaftler in aller Welt arbeiten am nächsten Bericht des Weltklimarats im Jahr 2021. Dann soll weniger Unsicherheit über unser verbleibendes CO2-Budget herrschen. 

Zurück zur Übersicht

Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (cw) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 26 / Herbst 2019 | "Nachhaltige Lebensstile" | Jetzt lesen Download

Das könnte sie auch interessieren