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24.04.2020

Fridays for Future: „Wir brauchen internationale und solidarische Antworten“

In Zeiten der Coronakrise ruft Fridays for Future heute zum Netzstreik fürs Klima auf. Wir haben mit Jakob Springfeld, einem der Organisatoren, gesprochen. Er erzählt was uns heute erwartet und welche Verbindungen es zu #LeaveNoOneBehind gibt. Das Interview führte Manuel Först

Jakob Springfield ist 18 Jahre alt und im sächsischen Zwickau für Fridays for Future, der Grünen Jugend und antifaschistischen Gruppen aktiv.

Wie fühlt es sich an für den Klimaschutz nicht auf der Straße demonstrieren zu können?

Das ist natürlich eine große Veränderung für uns und stimmt erst einmal traurig. Aber zugleich vertrauen wir bei der Corona-Pandemie, wie bei der Klimakrise, auf die Wissenschaft und halten es für richtig, dass gerade keine Massenveranstaltungen stattfinden können. Ich denke wir haben in dieser Situation gute Wege gefunden trotzdem Dinge zu organisieren und Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Heute findet der Netzstreik fürs Klima statt. Welche Aktionen sind genau geplant?

Um 12 Uhr starten wir von Fridays for Future in Deutschland einen bundesweiten Livestream auf Youtube. Dabei sind unter anderem der Journalist Tilo Jung, Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen, sowie Musik von Clueso und Giant Rooks. Vielleicht erreichen wir mit dieser Aktion auch Menschen, die wir mit einer normalen Demonstration nicht erreichen und können denen das Klimathema näher bringen. Darüber hinaus rufen wir die Menschen seit Wochen auf, in sozialen Medien Plakate oder ähnliches zu posten, um weiterhin auf die Klimakrise aufmerksam zu machen.

Wird der Netzstreik heute auch im analogen, öffentlichen Raum zu sehen sein?

Ja! Die ganze Woche lang konnten Menschen an einigen Orten Plakate abgeben, die wir heute in das Berliner Regierungsviertel transportieren und dort aufstellen. Darüber hinaus ist jeder aufgerufen in seinem häuslichen Umfeld oder am Arbeitsplatz für alle sichtbar Demoschilder zu platzieren. Damit wollen wir zeigen, dass wir zwar nicht selbst auf die Straße gehen, aber trotzdem immer noch viele sind und weiter für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit einstehen.

Auch bei der Aktion #LeaveNoOneBehind werden die Menschen dazu aufgerufen, ihren Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union durch Plakate an Häuserwänden und anderen Orten kundzutun. Welche Parallelen siehst du zwischen #LeaveNoOneBehind und der Arbeit von Fridays for Future?

Der Klimawandel ist einer der Gründe dafür, dass Menschen gerade auf Lesbos in Flüchtlingslagern festhängen und dort keine Möglichkeit haben sich wirksam vor dem Coronavirus zu schützen. Und wenn sich die Klimakrise verschärft, werden Millionen weiterer Menschen aus ihrer Heimat flüchten müssen. Genau wie wir jetzt Maßnahmen gegen die Krankheit ergreifen, müssen wir Maßnahmen gegen den Klimawandel und für Klimagerechtigkeit ergreifen. Wie bei der Corona-Pandemie, brauchen wir für eine klimagerechte Welt, die Flüchtlinge nicht hängen lässt, internationale und solidarische Antworten.

Gibt es aktuell Kooperationen zwischen der Aktion #LeaveNoOneBehind und Fridays for Future?

Man merkt bei Ortsgruppen von Fridays for Future, dass dort viele die Initiative ergreifen und sagen wir dürfen die Leute nicht zurücklassen und aktiv die Verbindung suchen zwischen Klimawandel und Flüchtlingen. Am 5. April haben wir uns zum Beispiel am bundesweiten Aktionstag „Wir hinterlassen Spuren - LeaveNoOneBehind“ beteiligt. Bei den Webinaren von Fridays for Future waren auch schon öfter Menschen zu Gast, die von der Lage auf Lesbos berichtet haben.

Was bietet ihr mit euren Webinaren an?

Mit unseren Webinaren #WirBildenZukunft bieten wir digital die Möglichkeit sich in Klimathemen weiter zu bilden. Experten aus den verschiedensten Bereichen stehen dort täglich von Montag bis Freitag Rede und Antwort. Das Spektrum reicht von hochkomplexen Themen der Energiewende und Klimawissenschaft bis zu Alltagsfragen und eben Themen wie die Flüchtlingspolitik.

Welche Risiken und Chancen siehst du für den Klimaschutz im Zuge der Corona-Pandemie?

Natürlich geht die Problematik der Klimakrise aktuell etwas unter. Aber ich sehe, dass viele Menschen, die sich davor für den Klimaschutz engagiert haben, weiterhin tatkräftig dabei sind und auch auf die Verbindungen zwischen Corona- und Klimakrise aufmerksam machen. Natürlich können wir es nicht gutheißen, dass die Emissionen gerade ein bisschen nach unten gehen, weil die Welt in einer schweren Krise steckt und Menschenleben fordert. Zugleich besteht die Hoffnung, dass einige Dinge auch für die Zeit nach der Coronakrise als sinnvoll erachtet werden – zum Beispiel, dass viele Firmen für Meetings in Zukunft Online-Angebote wie Videokonferenzen nutzen, anstatt mit Unmengen an Inlandsflügen Klima und Umwelt zu verpesten.    

Wie ist dein Eindruck von der aktuellen Klimapolitik der Bundesregierung?

Im Wirtschaftsflügel der Union gab es sogar Forderungen das Klimapaket im Zuge der Corona-Pandemie erstmal außer Kraft zu setzen. Dass solche Stimmen laut werden ist unmöglich. Dabei ist das jetzige Klimapaket schon sehr zu kritisieren. Auch das Firmen wie die Lufthansa einfach vom Staat gerettet werden sollen ist kritikwürdig. Vielmehr sollten staatliche Hilfen jetzt dafür genutzt werden ökologisches Handeln zu fördern. Hilfen sollten an nachhaltige Regularien geknüpft werden. Bei der Bundesregierung sehen wir in dieser Hinsicht leider noch keine Bestrebungen. Das Interview führte Manuel Först

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (Manuel Först) 2020 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 27 / 2019 | "Europas Energiewende" | Jetzt lesen Download

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