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Weltwirtschaftsforum: In Davos verkommt der Klimaschutz zur Randnotiz

Die Trump-Administration dominierte die Agenda beim Weltwirtschaftsforum in Davos, auch in Energiefragen. Das bedeutet für die Energiewende nichts Gutes. Dennoch gibt es Lichtblicke.

Es ist erst ein paar Jahre her, als der Klimaschutz noch Top-Thema des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos war. 2020 war Greta Thunberg Starrednerin des Wirtschaftsgipfels. Vor der versammelten Finanzelite mahnte Thunberg die Weltgemeinschaft zu weitaus stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Klimakrise an. Auch wenn dies Thunberg mit Sicherheit nicht reichte, starteten die Verantwortlichen von Davos auf der Konferenz ein Projekt, mit dem Ziel über eine Billionen Bäume zu pflanzen.

Davon ist 2026 nicht mehr viel übriggeblieben. Der Klimaschutz ist zur Randnotiz verkommen. Schlimmer noch: auf offener Bühne wird neben Öl und Gas auch die Kohle wieder hofiert. So sagte US-Handelsminister bei einer Rede anlässlich eines Dinners Dienstagabend in Davos, dass die Welt besser auf Kohle als auf Erneuerbare als Energieressource setzen sollte. Wie einige andere quittierte der ehemalige US-Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore die Rede am Ende mit Buhrufen. Die Chefin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde und weitere verließen noch während der Rede den Raum.

Mit Notstandsverordnungen Lockerung von Umweltauflagen und Förderungen, sorgt die Trump-Administration für den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken, die eigentlich stillgelegt werden sollen – unter dem vermeintlichen Vorwand der Versorgungssicherheit. Umweltschützer, Netzbetreiber und selbst Betreiber von Kohlekraftwerken weisen jedoch daraufhin, dass dieser Vorwand nicht haltbar sei und mahnen zudem, der Weiterbetrieb würde die Stromkunden Milliarden US-Dollar kosten.

Trump in Davos im Fokus

Ungeachtet dessen sprach Trump auch bei seiner viel erwarteten Rede in Davos am Mittwoch weiter von Kohle, Öl und Gas als „Affordable Energy“ – zu Deutsch: erschwingliche Energie. Der Gegensatz sind in der Welt Trumps die „money losing windmills“ – Windräder, mit denen man Geld verliert. Die bekämpft die Trump-Administration seit Tag eins ihres Wirkens vor rund einem Jahr vehement. Doch dem politisch verordneten Stopp von Windkraftprojekten in den USA, folgten in mehreren Fällen Gerichturteile, die den Stopp als unrechtmäßig beschieden. Windkraftprojekte, die künftig eine wichtige Versorgung und Einnahmequelle der betreffenden Bundesstaaten seien sollen.

In seiner Rede verwies Trump zudem wahrheitswidrig auf China, wo vermeintlich keine Windenergie hinzugebaut wird. Die Realität ist: China ist global führend beim Zubau von Windkraftkapazitäten. He Lifeng, Vize-Premier Chinas, betonte in Davos dann auch die führende Rolle Chinas bei den grünen Technologien.

Energiepolitik findet auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum vielmehr als Standort- und Sicherheitsfrage statt. Ganz offen erklärt Trump immer wieder die Militäraktion in Venezuela und Entführung des Staatschefs Madura auch mit dem Zugriff von US-Unternehmen auf die venezolanischen Öl-Felder. Einige US-Unternehmen jedoch zeigen sich skeptisch in Venezuela zu investieren, angesichts der dortigen maroden Infrastruktur.

In Grönland ist ein militärischer Einmarsch der USA zwar vorerst vom Tisch, doch in den bisher kursierenden Inhalten zur Einigung zwischen Dänemark und den USA, ist, neben dem Ausbau der militärischen Präsenz, auch von einem Mitspracherecht der Vereinigten Staaten beim Abbau von Ressourcen die Rede, sollten China oder Russland dort investieren wollen. Grönland verfügt über eine der größten Rohstoffvorkommen weltweit, insbesondere bei seltenen Erden. Durch das Abtauen grönländischer Gletscher könnte der Abbau einfacher werden, gestaltet sich in der rauen Natur aber weiterhin schwierig.

Auch Erneuerbare Energien finden in Davos zuvorderst als Sicherheitsfrage Platz. Öl- und Gas- fördernde Staaten wie Unternehmen platzieren ihre vermeintlichen „Clean Fuels“ – wie die Förderung der fossilen Brennstoffe und gleichzeitige CO2-Abscheidung – als sichere Brückentechnologien hin zu Solarkraft, Windenergie und grünen Wasserstoff. Doch ob die sogenannten CCS-Technologien wirklich im großen Maße im Kampf gegen die Klimakrise helfen, ist fraglich, weil sie vor allem teuer sind und vielfach noch in der Angangsphase der technologischen Entwicklung stehen.

Gerade Europa, mit vergleichsweise wenig fossilen Reserven indes, könnte nach Ansicht von Experten mit der grünen Transformation echte Unabhängigkeit und Resilienz in Energiefragen erreichen. Laut dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung könnte Europa sich bis Ende des Jahrzehnts selbst mit Erneuerbarem Strom versorgen und unabhängig von fossilen Ressourcen werden. Im gesamten Energiesystem, einschließlich der Wärmeversorgung, sei dies bis 2040 erreichbar, so das PIK in einer Studie von 2023. Dafür seien erhebliche finanzielle Kraftanstrengungen nötig, die sich aber am Ende auszahlen würden. Wie Europas Industrie klimaneutral und wettbewerbsfähig werden kann, zeigte zuletzt das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI).

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (ISI) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 39/2025 | „Kraftakt Wärmewende“ | Download

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