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© pixabay.com | IsmaelMarder | Kommen sie jetzt endlich, die bezahlbaren E‑Modelle für alle, die ein Auto brauchen?

E-Autos werden billiger

Die Preisparität mit Verbrennern ist bereits in Sicht. Der Verkehrs-Umweltverband T&E sieht die CO2-Ziele der EU als Grund und warnt vor einem Aufweichen.

Das „Verbrennerverbot“ der EU für Neuwagen ab 2035 ist heftig umstritten. Die Regierungen von Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten machen gewaltig Druck, damit es aufgeweicht wird.

Eine neue Analyse zeigt nun, dass die bisher gültigen CO2-Ziele positiv auf die Entwicklung der Autoflotte wirken. Der EU-weite Durchschnittspreis für E‑Autos ist danach zum ersten Mal seit 2020 gesunken.

Zudem sind alle Hersteller auf dem Weg, die in der EU beschlossenen Emissionsziele für die Jahre 2025 bis 2027 zu erreichen. Eine Abschwächung des festgelegten CO2-Pfads bis herunter auf null würde demnach der unter Druck stehenden Autoindustrie in der EU nicht helfen, sondern wäre sogar kontraproduktiv.

Der durchschnittliche Preis für E‑Autos in der EU ist 2025 gegenüber dem Vorjahr um 1.800 Euro oder vier Prozent auf 42.700 Euro gesunken, so der europäische Verkehrs- und Umweltverband Transport & Environment (T&E), der die Analyse vorgelegt hat.

Der Rückgang sei vor allem auf die Einführung erschwinglicher E‑Kleinwagen-Modelle zurückzuführen, bei denen – im sogenannten B‑Segment – der Durchschnittspreis um 13 Prozent sank. Günstigere Modelle für den Massenmarkt wie der Citroën ë‑C3 und der Renault 5 wurden rechtzeitig auf den Markt gebracht, um den Automobilherstellern zu helfen, die ursprünglichen CO2-Ziele für 2025 zu erreichen – die allerdings inzwischen von der EU bis 2027 gestreckt wurden.

„Das hilft vielen aus der fossilen Falle“ 

Das ist eine Trendwende: Im Zeitraum 2020 bis 2024 war der durchschnittliche Preis für E‑Autos laut dem Bericht um 5.000 Euro angestiegen – trotz sinkender Kosten für Batterien und andere Komponenten. T&E argumentiert, die in diesem Zeitraum relativ schwachen CO2-Ziele hätten den Herstellern ermöglicht, sich auf den Verkauf größerer E‑Autos zu konzentrieren.

Vor allem bei deutschen Herstellern fehlen auch bisher noch preiswerte Einstiegsmodelle. Ändern wird sich das wohl im Herbst. Dann will Volkswagen einen Kleinwagen, den ID Polo, mit einem Einstiegspreis von 25.000 Euro auf dem Markt bringen.

Laut der Analyse haben Autohersteller, die die Hälfte des Marktes repräsentieren, das EU-Ziel für 2025 bis 2027 bereits zwei Jahre vor Ablauf der Frist erreicht. Aktuell liegen nur Renault und VW zurück, es wird aber erwartet, dass sie das Ziel bis Ende 2027 erreichen. 

„Die Flottengrenzwerte helfen dem Klima und machen sich im Portemonnaie bemerkbar: Dank der CO2-Ziele gibt es in Europa nun endlich günstigere E‑Autos“, kommentierte der Geschäftsführer von T&E Deutschland, Sebastian Bock, die Ergebnisse. Er sagte voraus: Wenn die EU jetzt Kurs hält und die Ziele für 2030 nicht verwässert, würden neue E‑Autos bald billiger als Autos mit Verbrennungsmotor sein. „Das hilft vielen Deutschen aus der fossilen Falle, die sie gerade wieder an der Zapfsäule spüren müssen.“ 

Bereits 2024 erreichten E‑Autos in den Mittelklasse-Segmenten D und E Preisparität mit Verbrennern. E‑Modelle in den unteren Segmenten A, B und C dürften laut T&E bis 2030 Preisgleichheit erreichen, wenn die Kostensenkungen an die Kundschaft weitergegeben werden.

EU will Flottengrenzwerte abschwächen 

Das könne sich jedoch verzögern, glaubt man bei der Organisation, falls die EU die Flottengrenzwerte für 2030 abschwächt, wie es die EU-Kommission vorgeschlagen hat. Das werde Herstellern höhere Margen ermöglichen. Ein durchschnittliches E‑Auto könne dann 2030 um 2300 Euro teurer sein als unter dem aktuellen Ziel.

Der Vorschlag der EU-Kommission, das Ziel für 2030 über drei Jahre zu mitteln, würde laut T&E‑Prognose in diesem Jahr einen Rückgang der erwarteten Marktanteile von E‑Autos von 57 auf 47 Prozent bewirken. Die Forderung der Automobilindustrie, das Ziel über fünf Jahre zu mitteln, werde sogar zu einem Marktanteil von nur 32 Prozent 2030 führen.

T&E kritisiert, das werde den Umstieg auf E‑Autos behindern und die EU im globalen Wettlauf um E‑Mobilität weiter zurückfallen lassen und weitere Arbeitsplätze und Investitionen gefährden.

Bock sagte dazu: „Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, wir könnten unsere heimische Industrie durch eine Absenkung von Standards nachhaltig schützen. Wenn die CO2-Ziele für 2030 gelockert werden, verzögert das lediglich den kommenden Preisrutsch bei E‑Autos und sichert kurzfristige Margen und Dividenden auf Kosten der langfristigen Zukunftsfähigkeit.“

Die internationale Konkurrenz schlafe nicht, vielmehr drängten chinesische Hersteller bereits heute massiv in den europäischen Markt und überholten bei den Plug-in-Hybriden sogar die traditionsreichen deutschen Premiummarken. „Deutschlands Antwort darauf muss technologische Exzellenz und globaler Führungsanspruch sein, nicht das Aufweichen von Zielen“, so der Experte.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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