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© Warming Stripes der Nordsee von 1969 bis 2025 Quelle: BSH

Nordsee und Ostsee im Sommer 2026 deutlich zu warm

Fünftwärmster Sommer für Nordsee, siebtwärmster für Ostsee – Höchstwerte in der südlichen Nordsee und im Ärmelkanal – 66 Tage marine Hitzewellen vor Helgoland

Der Sommer 2026 brachte Europas Meeren ungewöhnlich hohe Temperaturen. Nordsee und Ostsee lagen im Juni, Juli und August deutlich über dem langjährigen Mittel, wenn auch weniger extrem als im Mittelmeer und im Nordostatlantik. Das zeigen Messungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH).

Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Nordsee erreichte im Sommer 2026 15,6 °C – knapp 1 °C über dem langjährigen Mittel von 1997 bis 2021. Damit erlebte die Nordsee den fünftwärmsten Sommer seit 1997. Nur 2025, 2003, 2014 und 2018 waren noch wärmer.

Vor allem die südliche Nordsee und der Ärmelkanal stachen hervor: Hier übertrafen die Temperaturen das langjährige Mittel um 2 °C und mehr. Einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte seit 1997 auf. Für etwa ein Viertel der Nordsee zählten die Temperaturen zu den drei höchsten der letzten 30 Jahre.

Aber es gab nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Unterschiede: Der Juni lag mehr als 1,5 °C über dem langjährigen Mittel in der Nordsee. Auch der Juli blieb deutlich zu warm. Der August war hingegen sogar etwas kühler als üblich.

Marine Hitzewelle vor Helgoland

Grafik Marine Hitzewelle vor Helgoland Marine Hitzewelle vor Helgoland Wassertemperaturen und marine Hitzewellen an der BSH-Station Helgoland-RM in 2026 Quelle: BSH

Diesen Sommer gehörten auch die Gewässer um Helgoland zu den besonders stark erwärmten Regionen der Nordsee. Im Jahr 2026 verzeichnete das BSH an der Messstation Helgoland-RM bereits 66 Tage mit marinen Hitzewellen. Am 1. Juli 2026 lag die Oberflächentemperatur dort sogar fast 4 °C über dem klimatologischen Mittelwert für diesen Tag seit Inbetriebnahme der Station im Jahr 2009.

Je wärmer die Meere, desto häufiger treten solche marinen Hitzewellen auf. Diese Extremereignisse von mindestens fünf Tagen Dauer mit ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen für die jeweilige Zeit und Ort setzen die Flora und Fauna im Meer unter Druck.

Ostsee ebenfalls deutlich zu warm

Grafik Abweichung des Sommermittels der Oberflächentemperaturen in 2026 Abweichung des Sommermittels der Oberflächentemperaturen in 2026 Abweichung des Sommermittels der Oberflächentemperaturen in 2026 zum langjährigen Sommermittel von 1997 bis 2021 für die Nordsee (links) und für die Ostsee (rechts) Quelle: BSH

Auch die Ostsee zeigte sich im Sommer wärmer als üblich. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur lag bei 17,2 °C und damit knapp 1 °C über dem langjährigen Mittel. Damit war es der siebtwärmste Sommer in der Ostsee seit 1997.

Fast überall lag die Ostsee über dem langjährigen Mittel. Die Abweichungen variierten jedoch regional. Besonders hohe Werte traten vor der schwedischen Ostküste, entlang der deutschen und polnischen Küsten sowie im äußersten Norden auf. Dort stiegen die Temperaturen teils um 1,5 °C und mehr über das langjährige Mittel.

Insbesondere der Juni war extrem warm in der Ostsee mit fast 3 °C über dem langjährigen Mittel und damit der drittwärmste Juni seit Messbeginn. Im Juli und August waren die Temperaturen hingegen eher durchschnittlich.

Warme Meere um Europa

Satellitenbild der Nordsee und Ostsee Satellitenbild der Nordsee und Ostsee Satellitenbild der Nordsee und Ostsee Quelle: NASA

„Besonders die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland zeigen, dass sich extreme Wärmeereignisse auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar machen“, betont Dr. Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH.

Zwar waren Nordsee und Ostsee nicht in gleichem Maße betroffen wie das Mittelmeer oder der Nordostatlantik, dennoch gehören die Temperaturen vielerorts zu den höchsten der vergangenen Jahrzehnte.

Wärmere Meere haben weitreichende Folgen für Meer und Mensch. Sie verändern Lebensräume und Nahrungsnetze: Für manche Arten verkleinert sich der Lebensraum drastisch, andere ziehen in kühlere Gewässer, während nicht-einheimische Arten sich ausbreiten. Schädliche Algenblüten und Sauerstoffmangel nehmen zu.

Der Meeresspiegel steigt, weil sich warmes Wasser ausdehnt und Gletscher sowie Eisschilde schmelzen. Damit steigen auch die Wasserstände bei Sturmfluten. Zudem speichern wärmere Meere weniger Kohlenstoffdioxid, wodurch mehr in der Atmosphäre bleibt – und den Klimawandel verstärkt.

Wärmere Meere durch Klimawandel

Grafische Darstellung von Warming Stripes der Nordsee von 1969 bis 2025 Warming Stripes der Nordsee von 1969 bis 2025 Warming Stripes der Nordsee von 1969 bis 2025 Quelle: BSH

Das BSH untersucht wöchentlich die Oberflächentemperaturen von Nordsee und Ostsee und kombiniert dazu Satellitendaten mit Messungen von Stationen und Schiffen. Aus den Wochenmitteln von Juni, Juli und August berechnete es das Sommermittel 2026 und verglich es mit dem Sommermittel von 1997 bis 2021.

Diese Analysen erstellt das BSH im Rahmen des DAS-Basisdienstes „Klima und Wasser“. Gemeinsam mit anderen Bundesbehörden unterstützt es so die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS), um verschiedene Akteure aus Politik und Gesellschaft zu beraten.

ExtremWetterKongress in Hamburg

Doch nicht nur die Durchschnittstemperatur steigt, auch Extremereignisse wie marine Hitzewellen werden häufiger und länger. Weitere Erkenntnisse zu Extremen im Meer präsentiert das BSH beim ExtremWetterKongress am 23./24. September 2026 in Hamburg.

Quelle

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie 2026

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