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© Energetische Sanierungen können den Energiebedarf senken. Vielen Befragten der PREFIGURE-Erhebung fehlt hierfür jedoch das Geld. (Foto: Markus Breig, KIT)

Befragung zu Energiekosten: Große Sorgen, begrenzter Spielraum für Sanierungen

Klimafreundlich wohnen – doch wie lässt sich das bezahlen? In einer Befragung von 3 000 Haushalten in Deutschland Ende 2025 erwarteten knapp drei Viertel deutlich höhere Energiekosten, und 65 Prozent sahen sich finanziell kaum oder gar nicht zu energetischen Sanierungen in der Lage.

Die Ergebnisse aus dem vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten EU-Projekt PREFIGURE zeigen, wie Energiekostensorgen mit finanziellen Belastungen und Handlungsmöglichkeiten zusammenhängen. Helfen sollen nach Ansicht der Forschenden sozial abgestufte Fördermodelle und mehr Mitbestimmung bei den Mietenden.

Unter den befragten Mietenden halten 75 Prozent klimafreundliche Renovierungen für finanziell eher nicht oder überhaupt nicht leistbar, bei Befragten im eigenen Wohneigentum sind es 55 Prozent. Oft fehlt Mietenden zudem Mitsprache: Von den 1 126 Mieterinnen und Mietern mit durchgeführten oder geplanten energetischen Maßnahmen berichten rund 78 Prozent, kaum oder gar nicht in die Entscheidungen einbezogen worden zu sein.

„Die Auswertung des deutschen Datensatzes zeigt, dass Sorgen vor steigenden Energiekosten nicht allein mit dem Renovierungsbedarf eines Gebäudes oder der aktuellen Wohnkostenbelastung zusammenhängen“, sagt Projektkoordinator Professor Michael Janoschka, Leiter vom Institut für Regionalwissenschaft des KIT. „Ebenfalls relevant sind die Handlungsspielräume von Mietenden und Eigentümerinnen und Eigentümern, Wissen über erneuerbare Technologien sowie die sozioökonomische Lage.“

Hohe Belastung, ausgeprägte Sorgen

Um Energiekostensorgen zu vergleichen, bündelten die Forschenden in einem „Sorgenindikator“ drei Einschätzungen: Die eigenen Energiepreise werden als unfair empfunden, deutlich steigende Energiekosten erwartet und klimafreundliche Renovierungen als nicht leistbar angesehen. Wer mindestens zwei davon teilt, zählt zur Gruppe mit hoher Energiekostensorge.

Dies trifft auf 63 Prozent der Befragten zu. Bei einer Energiekostenbelastung von mindestens 15 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens sind es 79 Prozent, bei einer Belastung unter fünf Prozent 56 Prozent. Unter Alleinerziehenden liegt der Anteil bei 75 Prozent.

Bei größerer Vertrautheit mit erneuerbaren Energietechnologien sind hohe Energiekostensorgen weniger verbreitet. Dasselbe gilt für Befragte, die sich bei einer gemeinschaftlichen Energiewende stärker engagieren würden. Ob diese Kenntnisse und Einstellungen die Sorgen verringern oder andere Umstände die Unterschiede erklären, bleibt offen.

Förderung zugänglich machen

Das Projektteam empfiehlt eine verlässliche, sozial abgestufte Förderung mit einfachen Verfahren und geringer Vorfinanzierung. Mietende brauchen aus Sicht der Forschenden wirksame Beteiligungsmöglichkeiten; Sanierungen sollen für sie finanziell tragbar bleiben. „Wer wenig Geld hat, muss Förderung auch ohne hohe Vorleistungen nutzen können. Und wer zur Miete wohnt, braucht Mitsprache. Beides gehört zu einer sozial gerechten Energiewende“, sagt Dennis Hof vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), Koordinator der deutschen PREFIGURE-Erhebung. 

PREFIGURE untersucht auch lokale Lösungsansätze: Das bulgarische Programm „CODE Housing Microloans“ etwa bietet einkommensschwachen Haushalten zinsfreie Mikrokredite für kleinere Reparaturen und Energieeffizienzmaßnahmen, ergänzt durch Beratung und Workshops.

Datengrundlage und nächste Schritte

Die Erhebung wurde auf der Marktforschungsplattform Dynata in insgesamt sieben Ländern – Deutschland, Bulgarien, Dänemark, Estland, Griechenland, Niederlande, Spanien – durchgeführt. Federführend bei der Auswertung der deutschen Stichprobe war das BBSR. Erste, noch zu vertiefende Beobachtungen zeigen deutliche Länderunterschiede bei der wahrgenommenen Fairness der Energiekosten, zugleich vielerorts eine grundsätzliche Bereitschaft, an der Energiewende mitzuwirken.

Das Horizon-Europe-Projekt PREFIGURE soll Wege aufzeigen, energetische Sanierungen mit bezahlbarem Wohnen und sozialer Teilhabe vereinbar zu machen. Dafür verbindet es Haushaltsbefragungen mit lokalen Fallstudien in elf europäischen Städten, darunter in Karlsruhe. 

Die Gesamtkoordination des Projekts liegt beim Institut für Regionalwissenschaft des KIT, das auch die vergleichende Auswertung der Befragungen koordiniert. Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT beteiligt sich an Fallstudien in Thessaloniki.

Für Anfang 2027 plant das Team von PREFIGURE ein Dossier mit vertieften statistischen Analysen und europäischen Vergleichen. Bis zum Projektabschluss Ende März 2027 sollen die Erkenntnisse in Handlungsempfehlungen einfließen und mit Politik, Wohnungswirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert werden. 
 

Quelle

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 2026
 

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