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Kleinwasserkraft im Klimawandel

Warum Modernisierung und Versorgungssicherheit wichtiger werden.

Trockenperioden, schwankende Niederschläge und neue gesetzliche Vorgaben stellen Österreichs Kleinwasserkraft vor Herausforderungen. Bei einer Branchentagung in Feldkirch diskutierten Fachleute, wie die Wasserkraft auch künftig zur stabilen Stromversorgung beitragen kann.

Die Kleinwasserkraft steht vor einem Wandel. Der Klimawandel verändert die Wasserverfügbarkeit, während neue gesetzliche Rahmenbedingungen die wirtschaftlichen Bedingungen für Kraftwerksbetreiber beeinflussen. Gleichzeitig gewinnt die Fähigkeit, das Stromnetz zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit zu stärken, mit dem Umbau des Energiesystems an Bedeutung.

Diese Themen standen am 15. und 16. Oktober bei einer Branchentagung in Feldkirch in Vorarlberg im Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über die Zukunft der Kleinwasserkraft und mögliche Anpassungen an die veränderten Bedingungen.

Mehr als Strom: Beitrag zur Netzstabilität

Kleinwasserkraftwerke liefern nicht nur erneuerbaren Strom, sondern können auch wichtige Aufgaben für das Stromsystem übernehmen. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Markus Zdrallek von der Bergischen Universität Wuppertal verwies auf ihre Bedeutung für die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit.

Durch ihre dezentrale Verteilung und die Einspeisung in Verbrauchsnähe können Kleinwasserkraftwerke das Stromnetz entlasten. Darüber hinaus können geeignete Anlagen zur Bereitstellung von Systemdienstleistungen beitragen und unter bestimmten Voraussetzungen lokale Inselnetze ermöglichen – ein möglicher Baustein für die Blackout-Vorsorge.

Mit dem Rückgang konventioneller Großkraftwerke werden solche Funktionen im Stromsystem wichtiger. Entscheidend ist dabei nicht allein, wie viel Energie eine Anlage produziert, sondern auch, wo und wann sie diese bereitstellt und welche technischen Fähigkeiten sie besitzt.

Klimawandel verändert die Wasserverfügbarkeit

Eine zentrale Herausforderung ist die zunehmende Veränderlichkeit des Wasserhaushalts. Dr. Susanne Drechsel von GeoSphere Austria präsentierte Klimaszenarien und mögliche Auswirkungen auf die österreichische Kleinwasserkraft.

Besonders im Sommerhalbjahr dürften Trockenperioden häufiger werden. Der Norden und Osten Österreichs sind laut den vorgestellten Szenarien stärker betroffen. Zugleich wird mit größeren Schwankungen bei den Niederschlägen gerechnet: Sowohl sehr niederschlagsreiche als auch besonders trockene Phasen können ausgeprägter werden, wobei extreme Niederschlagsdefizite häufiger auftreten dürften.

Für die Kleinwasserkraft bedeutet das, dass die Stromproduktion regional und saisonal stärker schwanken kann. Wie stark einzelne Anlagen betroffen sind, hängt unter anderem von ihrem Standort, dem jeweiligen Einzugsgebiet und den hydrologischen Bedingungen ab.

Der Verein Kleinwasserkraft Österreich sieht darin allerdings keinen Grund, den Ausbau grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr seien Modernisierungen, Effizienzsteigerungen und die Anpassung bestehender Anlagen notwendig.

„Die Klimaszenarien sind ein Auftrag zum Handeln, nicht zum Abwarten“, betonte Paul Ablinger, Geschäftsführer des Vereins. Mit technischen Verbesserungen und neuen Anlagen könne die Kleinwasserkraft auch unter veränderten klimatischen Bedingungen einen Beitrag zur Energieversorgung leisten.

Neue Gesetze: Chancen und zusätzliche Belastungen

Neben den klimatischen Veränderungen beschäftigten die Branche vor allem aktuelle gesetzliche Entwicklungen. Im Mittelpunkt stand das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG).

Nach Einschätzung des Branchenverbands bringt das Gesetz sowohl Verbesserungen als auch zusätzliche Belastungen. Vorteile sieht der Verein insbesondere bei den Möglichkeiten für Direktleitungen und bei neuen Formen der Stromvermarktung. Gleichzeitig kritisiert er eine vorgesehene Infrastrukturabgabe, die Kraftwerksbetreiber zusätzlich belasten könne.

Diskutiert wurden auch der Energiekrisenbeitrag-Strom, mit dem Erlöse von Stromerzeugern abgeschöpft werden, sowie das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG). Letzteres soll den Ausbau erneuerbarer Energien erleichtern. Aus Sicht des Verbands bleiben jedoch Möglichkeiten ungenutzt, um den Ausbau wirksamer zu beschleunigen.

Ablinger sieht die Branche durch die geltenden Rahmenbedingungen insgesamt geschwächt. Der Verein wolle sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass die Kleinwasserkraft ihre Möglichkeiten für die Energieversorgung besser ausschöpfen könne.

Modernisierung wird zum entscheidenden Faktor

Die Diskussion in Feldkirch macht deutlich, dass die Zukunft der Kleinwasserkraft von mehreren Faktoren abhängt. Neben der Anpassung an veränderte Niederschlagsmuster spielen die technische Weiterentwicklung bestehender Anlagen, die Integration ins Stromnetz und verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle.

Gerade im Zusammenspiel mit Windkraft und Photovoltaik kann die Kleinwasserkraft eine ergänzende Funktion übernehmen. Ihr tatsächlicher Beitrag hängt allerdings von der regional verfügbaren Wassermenge, der Betriebsweise und den technischen Möglichkeiten der jeweiligen Anlage ab.

Hannes Taubinger, Präsident des Vereins Kleinwasserkraft Österreich, hob den Austausch innerhalb der Branche hervor. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wolle man gemeinsam an Lösungen arbeiten, um die Rolle der Kleinwasserkraft als dezentrale erneuerbare Energiequelle langfristig zu sichern.

Die Herausforderungen sind  die vorhandenen Potenziale verantwortungsvoll zu nutzen, Anlagen an die Folgen des Klimawandels anzupassen und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit im künftigen Energiesystem gezielt weiterzuentwickeln.

Quelle

Kleinwasserkraft Österreich 2026 | oekonews.at 2026

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