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40 Jahre Sandoz-Katastrophe

1986-2026: 40 Jahre Sandoz-Unfall / 40 Jahre Sandoz-Katastrophe in Schweizerhalle Basel – Was haben wir daraus gelernt?

Als am 1. November 1986 in Schweizerhalle bei Basel die Chemiefabrik von Sandoz brannte und das Ökosystem des Rheins vom Löschwasser „chemisch gereinigt“ wurde, war der Oberrhein besonders stark betroffen. Eine Lagerhalle in der 1350 Tonnen giftige Unkrautvernichter und Insektizide lagerten, brannte.

30 Tonnen hochgiftige Substanzen gelangten mit dem Löschwasser in den Rhein. Auf rund 400 Kilometern kam es zu einem verheerenden Fischsterben, die gesamte Aalpopulation wurde ausgelöscht. Deutsche Chemieunternehmen wie Hoechst, Bayer und BASF nutzten die Katastrophe, um ebenfalls giftige Stoffe im Rhein zu „entsorgen“, schrieb die TAZ.

Die Sandoz-Katastrophe und die öffentlichen Reaktionen können nicht losgelöst von anderen damaligen Ereignissen gesehen werden: 1984 starben bei der Chemiekatastrophe von Bhopal Zehntausende Menschen. Am 26. April 1986 kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Das Waldsterben wurde immer deutlicher sichtbar.

Eine gesellschaftlich breite Bewegung engagierte sich gegen Atomkraft, Umwelt- und Luftverschmutzung. Sie setzte ökologische Veränderungen durch und war im Gegensatz zu heute weniger mit „Earthdayen · Cleanupen · Stadtradeln und Earthhouren“ beschäftigt.

Nach dem 1. November 1986 gab es in der trinational vernetzten Umweltbewegung am Oberrhein vielfältige Protestaktionen.

Internationales Rheintribunal: Am 13. Dezember 1986 in Auggen klagten Umweltgruppen und grüne Parteien die Chemieindustrie und politisch Verantwortliche wegen der Rheinverschmutzung an. Thema waren auch die alltäglichen Schadstoffeinleitungen durch Hoechst, BASF und Bayer sowie die Salzbelastung durch elsässische Kaliminen.

Menschenkette: Sie verlief über rund 60 Flusskilometer zwischen Basel und Breisach und war Teil des Aktionstags „Rheinalarm“ von Basel bis Rotterdam. Auf den Kundgebungen wurde das Urteil des Tribunals verlesen.

Ich erinnere mich an vielfältige trinationale Aktivitäten, Sitzungen, Demos und Aktionen. 

Die Katastrophe in Schweizerhalle veränderte die Welt. Industrieanlagen in hochindustrialisierten Ländern wurden, auch durch massive Proteste, sicherer und sauberer. Leider wurden schmutzige und gefährliche Anlagen in arme Länder des Südens verlegt. Nicht mehr die Katastrophe, sondern die folgende „Krisenkommunikation“ wurde wichtig. Greenwash und industriegelenkte Bürgerinitiativen wurden Realität.

Doch die „Große Beschleunigung“ mit ihren verheerenden Folgen (Klimawandel, Artenausrottung …) setzt sich fort. 40 Jahre nach der Sandoz-Katastrophe wird in der Schweiz über die Gefahrzeitverlängerung der Schweizer AKW auf 80 Jahre diskutiert. Marktradikale Konzerne haben zunehmend die Hegemonie über die veröffentlichte Debatte.

Wenn heute in Bächen und Flüssen wieder gebadet werden kann, hat das auch mit den Protesten gegen die Sandoz-Katastrophe zu tun. Die damaligen Kämpfe waren schwierig und mühsam, dennoch einfach: Die Rhein-Vergiftung war sichtbar, messbar und erkennbar. Heutige Kämpfe gegen Klimawandel, unbegrenztes Wachstum, Artenausrottung und die Gefahren von Chemie und Atomkraft sind schwieriger. Die marktlibertäre Agenda hat Konzerne und ihre Lobbyparteien gestärkt und weltweit die Demokratie geschwächt.

Dennoch können wir aus den frühen Protesten und Erfolgen Hoffnung und Kraft schöpfen.

Quelle

Axel Mayer, Mitwelt Stiftung Oberrhein, (Alt-)BUND-Geschäftsführer (als Demonstrant bei den Sandoz-Protesten aktiv)

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