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Kritik an Altmaiers Viele-Nullen-Spiel

Die Ausgaben für Ökostrom könnten sich im Laufe der Zeit auf eine erschreckend klingende Summe addieren, warnte Umweltminister Peter Altmaier am Mittwoch.

„Das alles kann dazu führen, dass sich die Kosten der Energiewende und des Umbaus unserer Energieversorgung bis Ende der 30er Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren könnten“, sagte Altmaier. Die vielen Nullen der Milliardensubventionen für fossile Energien sprach der Umweltminister nicht an.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin spottete daraufhin über „Märchenpeters Rechenkünste“. Würden die Grünen ihre Sparvorschläge für die Energiewende wie Altmaier auf 30 Jahre hochrechnen, kämen sie auf 600 Milliarden Euro. Die Einsparungen durch den Ersatz des Imports fossiler Brennstoffe durch Erneuerbare Energien beliefen sich dann sogar auf 16,5 Billionen Euro.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) wies die Aussagen Altmaiers als völlig unseriös zurück. „Bei allem Verständnis für den Wahlkampfmodus des Bundesumweltministers – seine aktuellen Schätzungen über die Kosten der Energiewende entbehren jeglicher realen Grundlage. Anstatt die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen der Energiewende herauszustellen, befeuert Peter Altmaier mit seiner unehrlichen Argumentation eine Debatte, die ohnehin bereits eine bedenkliche Schieflage angenommen hat“, kritisierte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk.

Altmaier vergleiche nicht nur die Vollkosten der erneuerbaren Energien mit den Grenzkosten alter, abgeschriebener Kraftwerke. „Auch lässt er die Umwelt- und Gesundheitskosten einer fossil-nuklearen Energieversorgung völlig außer Betracht“, sagt Falk. Und abgesehen von der fehlerhaften Rechnung über die Einsparpotenziale seiner geplanten Vergütungskürzungen blende er jene Kosten aus, die der Ausbau erneuerbarer Energien hierzulande kompensiert.

„Fakt ist: Allein in den letzten fünf Jahren hat der Einsatz erneuerbarer Energien Deutschland 43 Milliarden Euro an Ausgaben für fossile Brennstoffe erspart. Sie sind stattdessen als Investitionen in die hiesige Wirtschaftsentwicklung geflossen. Im gleichen Zeitraum haben die Erneuerbaren externe Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden in Höhe von rund 40 Milliarden Euro vermieden – Geld, welches am Ende nicht nur den Steuerzahlern zugutekommt, sondern auch den nachfolgenden Generationen“, erklärt Falk.

Auch Thomas Banning, Vorstandsvorsitzender der Naturstrom AG kritisierte Altmaiers Rechnung: „Die aktuelle, durch einzelne Politiker und Medien angefeuerte Diskussion zur Energiewende blendet sämtliche positiven und kostensenkenden Effekte durch den Ökostrom-Ausbau konsequent aus. Betrachtet werden immer nur die – teilweise nur grob geschätzten – Kosten, vor allem die EEG-Umlage. Der Nutzen spielt hingegen keine Rolle.“

Tatsächlich senkten die Erneuerbaren „nachweisbar den Strompreis im Großhandel. Die eingetretene Preissenkung um etwa 0,75 Cent je Kilowattstunde bedeutet, dass volkswirtschaftlich auf dieser Ebene jährlich 4,5 Milliarden Euro gespart werden“.

Doch Nutznießer sei vor allem die deutsche Industrie, die immer wieder laut über die Kosten der Erneuerbaren klagt, diesen Vorteil aber einstreicht und vom EEG-Umlagesystem so gut wie nicht belastet wird. „Hier ist dringender Korrekturbedarf gefordert!“

Quelle

KLIMARETTER.INFO | dec 2013

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