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Heizöl und Flüssiggas sollen Quoten-grün werden

Die Klima-Pflichten für dezentrale Nutzer von Heizöl und Flüssiggas wollen Branchenverbände von den Haushalten auf die Energiebranche verlagern – per vorgeschriebener Beimischung erneuerbarer Brennstoffe.

Wer derzeit eine Öl- oder Gasheizung hat, sieht sich vielerlei Unsicherheiten gegenüber. Die Heizung eins zu eins auszutauschen, wäre noch möglich – ob sich das aber lohnt, ist mehr und mehr fraglich.

So müssen bis Mitte 2026 die Großstädte und bis Mitte 2028 die anderen Orte kommunale Wärmeplanungen vorlegen. Die könnten einen Anschluss an ein klimafreundliches Fernwärmenetz vorsehen – oder Heizungsbesitzer halten alternativ selbst die noch geltende gesetzliche Vorgabe ein, ihre neue Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Dann wären die Tage fossiler Gas- und Ölheizungen schnell gezählt.

Es gäbe noch den Ausweg, Wärmepumpen zu kombinieren mit Gas- oder Ölheizungen als Spitzenlast in kalten Zeiten. Diese Lösungen sind aber aufwendig und vergleichsweise teuer.

Noch vertrackter wird die Lage dadurch, dass die schwarz-rote Koalition das sogenannte Heizungsgesetz reformieren und ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz schaffen will. Dafür soll es möglicherweise kommende Woche erste Eckpunkte geben.

Die in jeder Hinsicht unklare Situation schlägt deutlich auf den Heizungsmarkt durch. In Deutschland gibt es nach Branchenangaben noch etwa fünf Millionen Ölheizungen. Letztes Jahr seien aber nur noch 22.000 Ölheizungen neu installiert worden – 0,4 Prozent des Marktes, also so gut wie nichts, wie die Branche am Mittwoch beklagte.

Branche fürchtet um das Image fossiler Heizenergie

Um das offensichtlich schwindende Image und den Stellenwert fossiler Heizungen aufzuwerten, hat jetzt eine Verbände-Allianz vorgeschlagen, künftig nicht mehr die Verbraucher für einen steigenden Einsatz klimaverträglicher flüssiger und gasförmiger Energieträger in Verantwortung zu nehmen, sondern Hersteller und Lieferanten.

Dabei geht es, um Missverständnissen vorzubeugen, nicht um Haushalte, die an einer Gasleitung hängen, sondern um Abnehmer von Heizöl und Flüssiggas, die den Brennstoff in entsprechenden Tanks bunkern. „Es geht um die Emanzipation grüner Moleküle in der nicht leitungsgebundenen Wärmeversorgung“, steckte am Mittwoch Flüssiggas-Verbandsgeschäftsführer Andreas Stücke die Reichweite des Vorschlags ab. Derzeit beziehen in Deutschland etwa 620.000 Haushalte Flüssiggas zum Heizen, vor allem im ländlichen Bereich.

Zwecks grüner Emanzipation sollen künftig die sogenannten Inverkehrbringer von Heizöl und Flüssiggas – das sind nach den Angaben 70 bis 100 Unternehmen – eine Erneuerbaren-Quote in ihren Brennstoffen vorgeschrieben bekommen. Für die Verbraucher entfiele dann zugleich die 65-Prozent- oder eine andere kommende Klima-Regelung.

Verlässlicher Klimaschutz werde so über eine verbindliche Quote grüner Moleküle im Wärmemarkt organisiert statt über komplexe, kleinteilige Einzelvorgaben für Heizungsmodernisierer, erläuterte Andreas Stücke vom Flüssiggasverband am Mittwoch die Idee.

Zu der Verbände-Allianz gehören weiter Haus & Grund, der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (En2x) sowie der mittelständische Brennstoffverband Uniti und der ähnlich gelagerte Energiewirtschaftsverband MEW.

Klima-Quote soll vor allem durch biogenes Beimischen erfüllt werden

Der Quoten-Vorschlag lehnt sich, wie am Mittwoch gegenüber den Medien erklärt wurde, ausdrücklich an das Konzept der bestehenden Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) im Verkehr an. Dort sind auch nicht die Autofahrer verpflichtet, eine bestimmte Menge sogenannter Biokraftstoffe zu tanken, sondern die Mineralölfirmen mischen – als Inverkehrbringer – fossilem Benzin und Diesel entsprechende Biokraftstoff-Anteile bei, die dann die Klimawirkung herstellen sollen.

Im Verkehrsbereich haben die Ölfirmen allerdings auch die Möglichkeit, die vorgegebene Minderung von Treibhausgasen über den Ankauf von CO2-Zertifikaten zu erfüllen. Diese Zertifikate können beispielsweise von E‑Auto-Nutzern kommen, die so ihre CO2-Einsparung versilbern.

Diese Möglichkeit, Klimaschutz über CO2-Zertifikate praktisch auf dem Papier zu erfüllen, soll es laut der Verbände-Allianz im nicht leitungsgebundenen Heizungsbereich aber nicht geben. Dort soll es nur anrechenbar sein, wenn Heizöl oder Flüssiggas durch entsprechende Beimischungen real grüner werden.

Bio-Flüssiggas könnte beispielsweise Anteile von Propan enthalten. Beim Heizöl könnten nach den Vorstellungen der Verbände schon jetzt sogenannte paraffinische Kohlenwasserstoffe – sprich Biodiesel – eingesetzt werden. Ein weiterer Weg könne sein, bei der Produktion in den Ölraffinerien erneuerbare Rohstoffe wie biogene Abfall- und Reststoffe mitzuverarbeiten, die dann die Emissionslast des Heizöls senken sollen.

Die höheren Kosten müssten am Ende vor allem die Haushalte tragen

Die biogenen Energieträger würden künftig allerdings mehr kosten als die fossilen, räumte En2x-Geschäftsführer Christian Küchen ein. Die Verbände bauen aber darauf, dass sich die Kostensteigerung in Grenzen hält. So soll die Bio-Beimischungsquote anfänglich bei nur rund einem oder zwei Prozent liegen und langfristig auf fünf Prozent steigen.

Das hätte den offensichtlichen Vorteil, dass die höheren Preise für Biobrennstoffe nicht zu sehr auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Am Ende sei es dann auch eine politische Entscheidung, wie viel Mehrkosten man den Bürgerinnen und Bürgern zumuten wolle, betonte Küchen von En2x.

Angesichts dessen, dass der Markt für biogene Abfall- und Reststoffe in Deutschland schon von anderen Branchen gut genutzt wird, setzt die neue Verbände-Allianz längerfristig ohnehin eher auf preiswerte Importe der nötigen Beimischungen.

Unisono betonten die Verbände bei der Präsentation, dass sie an den gesetzlichen Klimazielen festhalten wollten. Es gehe nicht darum, von den Zielen abzurücken, sondern einen anderen Weg aufzuzeigen, sie besser und günstiger zu erreichen, betonte Christian Küchen.

Konkrete Kostenvergleiche, die Küchens Behauptung belegen, wurden am Mittwoch allerdings nicht vorgelegt. Ohnehin rechnen die Verbände damit, dass die Elektrifizierung den Wärmemarkt künftig dominiert. Die Umstellung auf Wärmepumpen wolle man gar nicht schlechtreden, erklärte Flüssiggas-Chef Stücke.

Dass ihr Vorschlag in den bald zu erwartenden Eckpunkten zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz auftaucht – davon geht die Verbände-Allianz eher nicht aus. Man sei bei der Politik durchaus auf offene Ohren gestoßen, hieß es Mittwoch bei der Präsentation. Selbst wenn die Quote in den Eckpunkten nicht vorkomme, bleibe in den kommenden Monaten noch genug Zeit, diese einzubringen, zeigte sich das Branchen-Bündnis zuversichtlich.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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