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© Depositphotos.com |AntonMedvedev | Venezuela Öl

Venezuelas Öl als Brandbeschleuniger

Ein Hochfahren der Erdölförderung in dem südamerikanischen Land, wie es US-Präsident Trump fordert, würde die Klimakrise deutlich verschärfen. Das ergab eine Abschätzung der zusätzlichen CO2-Emissionen.

Venezuelas nachgewiesene Erdöl-Reserven gelten als die größten der Welt. Sie werden mit 303 Milliarden Barrel angegeben. Zum Vergleich: Bei den USA sind es laut Internationaler Energieagentur IEA „nur“ rund 46 Milliarden.

Komplett ausgeschöpft, würden die rund 300 Milliarden Barrel schon allein das gesamte CO2‑Budget aufbrauchen, das noch zur Verfügung steht, um den globalen Temperaturanstieg langfristig auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Bereits eine Ausweitung der Ölförderung in dem Land, wie die USA unter Präsident Donald Trump sie derzeit planen, würde nach einer Berechnung des Münchner CO2-Kompensationsanbieters „Climate Partner“ bis 2050 mehr als ein Zehntel dieses Budgets erfordern. Diese Expansion würde also zu einem wesentlichen Faktor, der die Klimakrise beschleunigt.

Trump will mit Hilfe der US-Ölkonzerne die in den letzten Jahrzehnten durch Missmanagement eingebrochene venezolanische Erdölproduktion wieder flottmachen. Er forderte nach der Entführung und Inhaftierung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro die Unternehmen auf, dafür 100 Milliarden US-Dollar zu investieren. „Wir werden Zahlen beim Öl erreichen, wie sie nur wenige Menschen gesehen haben“, sagte Trump bei einem Gespräch mit den Chefs der Konzerne.

Climate Partner hatte die Folgen einer wieder ausgeweiteten Ölförderung im Auftrag der britischen Tageszeitung The Guardian analysiert. Modelliert wurde dafür ein Anstieg der Produktion von zuletzt knapp 0,9 Millionen Barrel pro Tag um 0,5 Millionen bis 2028 und um 1,58 Millionen Barrel bis 2050. Selbst dann läge man noch unter der maximalen Förderung während des letzten Ölbooms in den 1990er Jahre, als Venezuela auf 3,5 Millionen Barrel pro Tag kam.

Öl aus Venezuela ist besonders klimaschädlich

Ergebnis laut dem Dienstleister: Es würden damit bereits 13 Prozent des gesamten verbleibenden 1,5-Grad-CO2-Budgets verbraucht. Der Weltklimarat IPCC hat dieses „Budget“ auf 300 bis 500 Milliarden Tonnen CO2 beziffert, berechnet ab 2020.

Aktuell werden weltweit pro Jahr weltweit rund 40 Milliarden Tonnen emittiert. Das Budget wird also binnen weniger Jahre erschöpft sein. Jeder zusätzliche CO2-Ausstoß, ausgelöst durch eine Ölschwemme auf dem Weltmarkt und entsprechend niedrige Ölpreise, würde das Einhalten des Budgets erschweren.

Verschärft wird die Situation bei den Emissionen dadurch, dass das venezolanische Rohöl im Schnitt von geringer Qualität ist. Ein großer Teil stammt aus dem Orinoco-Gürtel und gilt als schweres, „saures“ Rohöl: zäh, teerartig, schwefelreich.

Solches Öl benötigt energieintensive Schritte zur Förderung und Aufbereitung. Laut dem Beratungsunternehmen S&P Global Platts liegen die Orinoco-Vorkommen bei der CO2-Intensität im Verarbeitungssektor an der Spitze, so der Guardian.

Wie extrem klimaschädlich dieses Öl ist, zeigt ein Vergleich mit dem Ölfeld „Johan Sverdrup“ in Norwegen, bei dem bis zum fertigen Produkt wie Sprit oder Heizöl 1,6 Kilogramm CO2 pro Barrel entstehen, während es beim Orinoco-Öl 1.460 Kilogramm sind, also über 900-mal mehr.

Climate Partner zieht den Vergleich, dass die berechneten kumulierten Emissionen von Trumps Venezuela-Plänen „durch eine einzige Ölexpansion“ dem CO2-Ausstoß der gesamten EU über fast ein Jahrzehnt entsprächen.

„In einer sich schnell erwärmenden Welt würde ein solcher Schritt Jahrzehnte hoher Emissionen genau in dem Moment festschreiben, in dem die Wissenschaft einen schnellen Wechsel von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien und CO2-armen Lösungen verlangt“, sagte die Londoner Analystin des Dienstleisters, Hollie Parry, dem Guardian.

Kritik kam auch von Umweltorganisationen. Mads Christensen von Greenpeace International nannte den US-Anspruch auf venezolanisches Öl „sowohl rücksichtslos als auch gefährlich“. Er forderte als Alternative einen sozial gerechten Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, „der die Gesundheit und die Ökosysteme schützt und Gemeinschaften unterstützt, statt sie für kurzfristigen Gewinn zu opfern“.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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