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© Depositphotos.com | IC-Photo | Chinesische Hersteller dominieren Sensorik und Komponenten für Elektrofahrzeuge und sind darüber auch an in die Wertschöpfungsketten nichtchinesischer Akteure integriert.

Robotaxis: China fährt vor, Deutschland schaut hinterher

China hat sich, neben den USA, zu einem dynamischen Experimentierfeld für autonome Fahrsysteme entwickelt. Von Timo Daum, Andreas Knie, Lia Musitz

Deutschland erteilte dagegen erst jetzt, fünf Jahre nach Verabschiedung der entsprechenden Verordnung, erstmals eine Betriebsgenehmigung für ein selbstfahrendes Auto – von einem chinesischen Anbieter.

Das Thema autonome Autos steht in Deutschland offiziell ganz oben auf der Agenda. Der Betrieb von Fahrzeugen mit hochautomatischen Fahrfunktionen im öffentlichen Raum, sogenannten Robotaxis, gilt schon seit Jahren als Gamechanger im Verkehr.

Aber typisch für Deutschland: Noch bevor die ersten Modellregionen mit dem Betrieb loslegten, wurde 2021 eine Vorschrift beschlossen, die „Verordnung zur Genehmigung und zum Betrieb von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion in festgelegten Betriebsbereichen“, kurz Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung (AFGBV).

Die Hürden für den kommerziellen Betrieb von Robotaxen sind damit sehr hoch. Die Verordnung entstammte der Feder der gründlichen deutschen Prüfunternehmen. Sicherheit war beim Verfassen der Vorschrift oberstes Gebot: Es darf nichts passieren! Ist dieser Ansatz gelungen?

Ja: In Deutschland gab es keinen Unfall, keine Verletzten beim Betrieb von Robotaxis. Allerdings gibt es auch gar keine Fahrzeuge.

Fünf Jahre nach Verabschiedung der Verordnung ist immer noch kein Robotaxi auf Deutschlands Straßen zugelassen. Die Hoffnung, dass vor allem öffentliche Verkehrsbetreiber oder Unternehmen aus der Autoindustrie sich der Sache annehmen würden, erfüllte sich nicht.

Aus vielversprechenden kleinen Pilotversuchen wie dem 2017 gestarteten Shuttle im bayerischen Bad Birnbach wurde nichts Dauerhaftes. Mehr als 500 Millionen Euro an öffentlicher Förderung und viele Modellregionen später gibt es 2026 noch nicht einmal mehr Experimente mit hochautomatischen Fahrzeugen.

Die Automobilunternehmen wollten nicht und die ÖPNV-Unternehmen konnten nicht. Das Gesetz hatte viel zu hohe technische und bürokratische Hürden formuliert. Wenn nichts passieren darf, dann passiert eben auch nichts.

Erst die Erfahrungen, dann die Gesetze

Ganz anders in China: Dort wird jetzt erst an einem nationalen Regulierungsrahmen für den Straßeneinsatz autonomer Fahrsysteme gearbeitet, der 2027 in Kraft treten soll. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat sich China neben den USA in den letzten Jahren zum dynamischen Experimentierfeld entwickelt.

Auch wenn bislang eine umfassende nationale Gesetzgebung fehlt, sind in China im Sommer 2026 mehrere tausend Fahrzeuge im kommerziellen Regelbetrieb im Einsatz. Über 50 chinesische Städte erlauben bereits öffentliche Testfahrten, mindestens zehn bieten kommerzielle Dienste an – mehr als doppelt so viele wie in den USA. 

In China herrscht generell die Praxis eines „experimentbasierten Politikprozesses“ vor, so auch im Bereich des hochautonomen Fahrens. Zunächst werden lokal sehr unterschiedliche Straßentests und Demonstrationsanwendungen erlaubt, bevor die Zentralregierung diese Erfahrungen schrittweise in einen nationalen Regulierungsrahmen überführt.

Die Verkehrsintegration autonomer Fahrzeuge folgt damit dem Grundprinzip „Erfahrung zuerst, Gesetze später“.

In Chinas Teststädten fahren Robotaxi-Flotten unter der Ägide unterschiedlicher lokaler Regulierungen. Das dient nicht nur der technischen und kommerziellen Erprobung, sondern auch der Gewinnung regulatorischer Erkenntnisse.

Dieses Vorgehen unterstützt ein „Policy-Learning“ der Zentralregierung in der Frage, welche Instrumente sich für den nationalen Einsatz eignen, und erlaubt gleichzeitig regional komplementäre Entwicklungen, die ein gemeinsames wirtschaftliches „Ökosystem“ bilden.

Systemintegration statt Einzeltechnologie

Eine Besonderheit des chinesischen Ansatzes zur Entwicklung von Robotaxis liegt in ihrer Einbettung in umfassendere Digitalisierungs-, KI- und Verkehrsstrategien. Dementsprechend wird das Robotaxi in China nicht als Einzeltechnologie verstanden, sondern als Schlüsseltechnologie. 

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Timo Daum, Andreas Knie, Lia Musitz) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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