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24.08.2019

Bolsonaros Klimakrieg: Flammendes Inferno in Brasiliens Regenwäldern

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat dem Klimaschutz den Krieg erklärt. Jetzt bezichtigt er sogar Umweltschützer, Waldbrände gelegt zu haben. Dabei hat er selbst Bauern zur Brandrodung ermutigt, um seine Pläne mit dem Agrobusiness voranzubringen.

Weltweit brennen Wälder: Auf Gran Canaria wütet derzeit ein Feuer, es brennen Torfmoorwälder auf Borneo und in Sibirien – und in den Amazonas-Wäldern Brasiliens, meldet das Weltraumforschungsinstitut INPE, wüten die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Das heizt den Klimawandel und die Erderwärmung weiter an. 72.000 Brände im Amazonasgebiet wurden in diesem Jahr registriert, berichten die brasilianischen Medien, das bedeutet eine Steigerung von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist eine Katastrophe für das Klima, die Umwelt, die Artenvielfalt und die dort lebenden Menschen.

Nach Angaben der NASA und laut INPE brennen mittlerweile hunderte Quadratkilometer Tropenwald im Amazonas-Becken. Brasiliens Bundesstaaten Roraima und Rondônia sind laut INPE besonders stark betroffen, ebenso die Region Mato Grosso. Die Satellitenbilder zeigen dicke Rauchwolken, die auch in Richtung der 2.700 Kilometer entfernten brasilianischen Metropole Sao Paulo sowie in Richtung der Nachbarländer Paraguay und Argentinien ziehen. Begünstigt werden die Brände von anhaltender Dürre. In manchen Gegenden hat es seit einem Vierteljahr nicht mehr geregnet, Böden sind ausgetrocknet.

Notstand ausgerufen

Der Bundesstaat Amazonas hat den Notstand ausgerufen. Schon früher hat es hier gebrannt – doch jetzt sind die Ausmaße gigantisch. Flughäfen wurden geschlossen, in den betroffenen Regionen klagen Menschen über Atemnot, berichtet das brasilianische Fernsehen, der Himmel über Sao Paolo hat sich verdunkelt.

Die INPE bezweifelt „natürliche“ Ursachen der Brände. In der Trockenzeit und bei immer häufigen auftretenden Dürreperioden wächst zwar die Waldbrandgefahr – doch eine solch große Anzahl von Waldbränden könne nicht allein auf die Witterungsverhältnisse zurückgeführt werden. Auf den Satellitenbildern lässt sich erkennen, dass an vielen weit voneinander entfernten Standorten Feuer entstanden sind, viele kleine Hotspots: Forscher und Umweltschützer vermuten daher gezielte Brandstiftung – um Land etwa für die Viehzucht oder den Sojaanbau zu gewinnen.

Geistiger Brandstifter

Seit Amtsantritt von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro haben die verheerenden Brände zugenommen, beklagen Umweltschützer. Der rechtpopulistische Machthaber schert sich nicht um Klimaschutz und will die Amazonasregion stärker für die Landwirtschaft und den Bergbau erschließen, Schutzgebiete und Reservate der indigenen Bevölkerung sollen für die wirtschaftliche Nutzung freigeben werden. Das bedeutet Abholzung, Brandrodung und Gewalt gegen Indigene und ihre Land- und Menschenrechte, um Nutzflächen für das große Agrobusiness zu gewinnen. Allein im Juni 2019 wurde etwa 60 Prozent mehr Regenwald gerodet als im gleichen Monat des Vorjahres.

Die Brandstifter müssen keine Konsequenzen befürchten, sie werden von der Regierung unterstützt: Bolsonaro fordert Bauern sogar öffentlich dazu auf, Brände zu legen, um Flächen für den Anbau zu gewinnen. Unter dem Hashtag #PrayForAmazonia  bzw. #RezaPorLaAmazonía haben sich nun Umweltschutzorganisationen und viele tausende Menschen in den sozialen Medien zusammengeschlossen und werfen Bolsonaro Umweltverbrechen vor.

Ein Präsident im Klimakrieg

In Trump-Manier ist Bolsonaro im brasilianischen Fernsehen gleich auf Gegenangriff gegangen und hat Umweltschützer der Brandstiftung bezichtigt – sie wollten ihm damit schaden und das Inferno in die Schuhe schieben. Da die Regierung den NGOs das Geld für den Schutz des Regenwaldes gestrichen habe, so Bolsonaro gegenüber der Presse, wäre es möglich, dass diese Organisationen nun gegen ihn persönlich vorgehen wollten. „Esa es la guerra que nosotros enfrentamos“ – „Das ist der Krieg, in dem wir uns befinden“, droht Brasiliens Präsident. Die Agrarindustrie, Minenbetreiber, und Landbesetzer jubeln ihm zu.

Norwegens Regierung hatte erst vor kurzem angekündigt, Zahlungen in den Amazonasfonds, über den Waldschutzprojekte gefördert werden sollen, solange auszusetzen, bis Bolsonaro seine Kahlschlagpolitik ändert; auch Deutschland hatte die Kürzung von Geldern angedroht. All das schert Bolsonaro kaum. Einige brasilianische Bundesstaaten hatten daraufhin angekündigt, sie wollten direkt mit Norwegen und Deutschland verhandeln, um den Fonds noch zu retten.

Doch während die Europäer einerseits mit finanziellen Sanktionen drohen, um den Regenwald zu retten, treiben sie das Mercosur-Abkommen voran – und geben Bolsonaro damit umso mehr Anreiz, den Regenwald zu vernichten, um Landflächen für das Agrobusiness mit Europa zu gewinnen. Umweltschützer fordern daher dringend einen Ausstieg aus dem Mercosur-Abkommen. 

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (na) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 26 / Herbst 2019 | "Nachhaltige Lebensstile" | Jetzt lesen Download | (Foto: Expedition 29 CrewImage courtesy of the Image Science & Analysis Laboratory, NASA Johnson Space CenterDerivative work including grading, noise removal and hotpixel corrections.: Julian Herzog / Public domain / Wikimedia Commons)

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