‹ Zurück zur Übersicht
bigi alt

© bigi alt | Wale bei NUK Grönland

Islands neue Walfangquote: Umweltschützer entsetzt über grausame Entscheidung

Soeben hat Islands Regierung ihre verheerende Entscheidung bekannt gegeben, den kommerziellen Walfang fortzusetzen und sich eine neue Quote für den Fang von 128 Finnwalen für ein Jahr zu genehmigen.

OceanCare ist zutiefst enttäuscht über diese Entscheidung und schliesst sich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt an, die diese Entscheidung verurteilen. Ebenso: Japans Walfang-Expansion: Todesurteil für Finnwale im Nordpazifik

Mark Simmonds OBE, wissenschaftlicher Leiter von OceanCare, erklärt dazu:  „Die Ankündigung der isländischen Regierung ist eine grosse Enttäuschung für uns und eine Katastrophe für die Tierwelt auf einem bereits geschädigten Planeten. Sie ist das genaue Gegenteil von dem, was Millionen von Menschen auf der ganzen Welt gehofft hatten. Wir haben in den letzten Monaten Anzeichen für einen Wandel in Island gesehen, einschliesslich der Sammlung stichhaltiger Beweise, die zeigen, wie grausam der Walfang ist. Dieser Walfang entspricht nicht den menschlichen Bedürfnissen, er ist unnötig und unethisch. Ihn fortzusetzen ist einfach falsch.“

„Island hat eine wichtige Gelegenheit verpasst, diese archaische Praxis aufzugeben. Die im letzten Jahr vorgelegten Beweise haben eindeutig gezeigt, dass der Walfang inakzeptabel und grausam ist, und diese Entscheidung steht im Widerspruch dazu. Es ist an der Zeit, die Harpunen an den Nagel zu hängen, und wir werden jetzt unsere Arbeit verstärken, um sie dazu zu bewegen, damit aufzuhören.“ 

„Finnwale sind die sanften Riesen unserer Ozeane und verdienen es, mit Respekt und Freundlichkeit behandelt zu werden. Es gibt so viele Bedrohungen für diese Tiere, dass es ein Leichtes wäre, eine davon zu beseitigen und den Walfang ein für alle Mal zu beenden. Wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um Island und die beiden anderen Länder, die diese schreckliche Praxis fortsetzen – Norwegen und Japan – zum Umdenken zu bewegen.“ 

Die isländische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei, Bjarkey Olsen Gunnarsdóttir, hat heute dem Unternehmen Hvalur hf. eine Lizenz zur Jagd auf Finnwale erteilt. Die Lizenz gilt nur für die Jagdsaison 2024 und erlaubt die Jagd auf bis zu 99 Wale in der Region Grönland/Westisland und 29 Wale in der Region Ostisland/Färöer, insgesamt also 128 Wale. 

Erst vor wenigen Tagen hat OceanCare anlässlich des World Oceans Day 2024 eine internationale Petition Because Our Planet Is Blue mit sechs Aktionspunkten für einen wirksamen Meeresschutz an die führenden Politiker der Welt gerichtet. Unter anderem fordert die Initiative die Regierungen auf, einen wirksamen Schutz der marinen Lebensräume zu gewährleisten und Massnahmen zum Meeresschutz durchzusetzen, um durch menschliche Aktivitäten geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. 

Hintergrundinformationen

Dass die Zukunft des Walfangs in Island auf der Kippe steht, wurde in den letzten Monaten deutlich. Im Juni 2023 erklärte die damals zuständige Ministerin Svandís Svavarsdóttir, dass der Walfang bis Ende August 2023 (also für den grössten Teil der Walfangsaison) ausgesetzt werde. Dies war das Ergebnis einer Untersuchung des Walfangs des Vorjahres durch unabhängige Beobachter. Bei der Tötung von 148 Finnwalen im Jahr 2022 wurde erhebliches Tierleid dokumentiert und die Frage nach der Vereinbarkeit mit den isländischen Tierschutzgesetzen aufgeworfen. 

Während der Sommermonate im letzten Jahr fand ein weiterer Untersuchungsprozess statt, an dessen Ende die Ministerin den beiden Walfangschiffen unter Auflagen die Erlaubnis erteilte, im September 2023 Wale zu jagen. 

Eines der Schiffe wurde jedoch bereits nach wenigen Tagen wieder in den Hafen beordert, nachdem es einen Wal langsam und qualvoll sterben liess und damit erneut gegen isländisches Recht verstieß. Insgesamt scheint die Flotte bis zum Ende der Saison nur 23 Finnwale erlegt zu haben. Ein weiterer Wal wurde harpuniert, versank aber und wurde nicht angelandet. Dem steht eine selbst gesetzte Quote von 161 Finnwalen gegenüber. 

Mitte September 2023 brachten 15 isländische Abgeordnete einen Gesetzesvorschlag ein, der den Walfang in Island verbieten sollte. Begründet wurde der Vorschlag unter anderem damit, dass der Walfang gegen isländische Tierschutzgesetze verstosse, die isländische Wirtschaft gefährde und Handelsbeziehungen auf dem Spiel stünden. 

Der Gesetzesentwurf wurde einer öffentlichen Konsultation unterzogen, die eine Rekordzahl von mehr als 3000 Stellungnahmen hervorbrachte, darunter auch internationale Stimmen gegen den Walfang wie der Schauspieler Jason Momoa und die Ökologin Jane Goodall. 

Island verfügt über zwei einsatzbereite Walfangschiffe, die gross genug sind, um erlegte Finnwale an Bord zu nehmen. Diese Walart, eines der grössten Lebewesen, das je auf unserem Planeten gelebt hat, steht im Fokus der Walfänger, weil sich ihr Fleisch auf dem japanischen Markt am besten verkaufen lässt. Eine einzige Firma, Hvalur hf, betreibt diesen Walfang, und zwar ausschliesslich für den Export nach Japan. In Island selbst gibt es keinen nennenswerten Markt für Walfleisch. 

In den Jahren 2019, 2020 und 2021 fand in Island kein kommerzieller Finnwalfang statt. Im Jahr 2022 wurden jedoch 148 Finnwale getötet. 

Das am häufigsten verwendete Tötungsmittel ist eine Harpune mit Sprengkopf. Sie soll den Wal am Kopf treffen und dort explodieren, dabei aber so intakt bleiben, dass der Wal am Haken auf das Walfangschiff gezogen werden kann. Stirbt der Wal nicht durch den ersten Harpunentreffer, wird er in der Regel mit einer zweiten Harpune getötet. 

Die neuen Einschränkungen für den Walfang treten im August 2023 in Kraft und beinhalten auch einige Details über die zu verwendende Ausrüstung und die Ausbildung der Beteiligten – Dinge, die als selbstverständlich angesehen werden und kaum einen spürbaren Einfluss auf die Art und Weise des Walfangs selbst haben dürften. Wichtiger ist, dass der Walfang unter äusseren Bedingungen stattfinden soll, bei denen mit einer sofortigen Tötung zu rechnen ist. Dazu gehören Faktoren wie Tageslicht, Wellenhöhe, Wetter und Sichtverhältnisse. 

Walfanginspektionen im Jahr 2022 ergaben, dass von den 58 Walen, deren Harpunierung beobachtet wurde, 41% nicht schnell getötet wurden (durchschnittliche Zeit bis zum Tod 11,5 Minuten). Bei zwei Walen dauerte der Todeskampf mehr als eine Stunde.  

Quelle

OCEAN CARE 2024

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren