Klimabilanz 2025 des DWD: Ost und Süd erwärmen sich mehr als West
Die Erwärmung legte 2025 in Deutschland eine „Atempause“ ein, bilanziert der Deutsche Wetterdienst. Sorgen bereitet dennoch vor allem die steigende Trockenheit. Neue Modelle ermöglichen auch bessere regionale Klimaprognosen.
Ganz Deutschland erwärmt sich mit dem Klimawandel? Nein, im Westen wird noch Widerstand geleistet. Am stärksten fällt die Erwärmung in Süd- und Ostdeutschland aus. Der Unterschied kann dabei sogar bis zu einem vollen Grad ausmachen.
Die regionale Bewertung ist ein Ergebnis eines neuen, sogenannten Referenzmodells, das der Deutsche Wetterdienst am Dienstag anlässlich seiner Klimabilanz 2025 vorstellte. Im Süden und Osten nehmen nach dem Modell in den Sommermonaten auch Hitzewellen, Tropennächte sowie generell die Hitzebelastung besonders zu.
Gerade dicht bebaute Regionen oder Innenstädte seien davon betroffen, erklärte dazu Tobias Fuchs, Leiter des DWD-Geschäftsbereichs Klima und Umwelt. Schaue man auf die Jahreszeiten, so zeige der Sommer die stärksten Klima-Signale und der Frühling die geringsten Änderungen.
Wer weiter weg von der Küste lebt, so die Faustregel, muss dabei mit einer stärkeren Erwärmung leben. Ansonsten gewährte das Jahr 2025 eine „kleine Atempause“ vom Erwärmungstrend, sagen die DWD-Daten.
Nach drei Rekordjahren hintereinander von 2022 bis 2024 rangiert das vergangene Jahr mit einer Durchschnittstemperatur von genau 10,0 Grad Celsius auf Platz acht in der Rangliste der wärmsten Jahre seit dem Messbeginn 1881.
Keine Entwarnung beim globalen Erwärmungstrend
Von den regionalen Entwicklungen bleiben die übergreifenden Trends aber unberührt. Seit der vorindustriellen Zeit ist die Temperatur in Deutschland um 2,5 Grad gestiegen, wird in der Bilanz betont. Laut den aktuellen Analysen erwartet der DWD, dass im Zeitraum von 2028 bis 2035 die globale Erwärmung von 1,5 Grad dauerhaft überschritten wird.
„Ein national nicht rekordwarmes Jahr bedeutet keine Entwarnung im globalen Maßstab“, erläuterte am Dienstag entsprechend Andreas Becker, Leiter der DWD-Klimaüberwachung. Weiter nähmen auch klimatische Risiken wie Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit zu. 2025 habe zugleich aber auch verdeutlicht, wie stark einzelne Monate – wie etwa ein niederschlagsreicher Monat Juli – ein ganzes Jahr prägen können, so Becker weiter.
Die eingangs erwähnte stärkere Regionalisierung der Klimavorhersagen beruht auf sogenannten Referenz-Ensembles, die wiederum auf der neuesten Generation internationaler Klimaprojektionen aufbauen, wie am Dienstag erläutert wurde. Die Projektionen wiederum würden berechnen, wie sich das Klimasystem entwickeln könnte – je nachdem, wie sich Gesellschaft, Wirtschaft und Treibhausgasemissionen weltweit verändern.
Um die nötige Zuverlässigkeit der regionalen Klima-Voraussagen zu sichern, hat der DWD nach den Angaben ein mehrstufiges Verfahren entwickelt, mit dem geprüft wird, wie gut einzelne Projektionen das vergangene Klima im Vergleich zu tatsächlichen Messdaten abbilden. Zeigen sich in bestimmten Regionen oder für bestimmte klimatologische Größen Abweichungen, Ausreißer oder andere Auffälligkeiten, werden diese aussortiert, beschreibt der Wetterdienst das Vorgehen. Nur die zuverlässigsten Projektionen fänden Eingang in die Referenz-Ensembles.
Was bei der Erwärmung schon ganz gut zu klappen scheint, liefert bezüglich der Niederschläge noch keine ausgeprägten regionalen Schwerpunkte, räumten die Wetterforscher ein. Hier seien die Unsicherheiten größer, weil Niederschläge stärkeren Schwankungen unterworfen sind.
Zunehmende Trockenheit als „Schlüsselproblem“
Generell ergäben sich die höchsten Zunahmen bei Niederschlägen im Winter im Norden und im Frühling im Nordosten Deutschlands. Im Sommer hingegen nehmen die Niederschläge eher stärker im Westen ab, zeigt das neue Modell.
Neben der Hitze stellt sich für Andreas Becker die zunehmende Trockenheit als „Schlüsselproblem“ für die Klimaanpassung dar. Im Sommer 2025 habe Deutschland lediglich kurze, aber prägnante Hitzewellen ertragen müssen, das Niederschlagsdefizit sei aber deutlicher, spürbarer und ausdauernder gewesen, sagte der DWD-Experte am Dienstag.
Besonders das Frühjahr 2025 sei sehr trocken gewesen, der Zeitraum von Anfang Februar bis Ende Mai war dabei die trockenste Periode seit Beginn der Auswertungen durch den DWD. „Erst die ergiebigen Niederschläge im Juli konnten stärkere Auswirkungen in der Land- und Forstwirtschaft und auch weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens verhindern“, sagte Becker.
Mit dem sogenannten Energiewetter, das der DWD stets mitpräsentiert, haderte im letzten Jahr vor allem die Windkraft. Laut den Daten weist 2025 das windärmste Frühjahr seit 1950 vor.
Deutschlandweit betrug die gemittelte Windgeschwindigkeit in 100 Metern Höhe im letzten Jahr etwa 5,3 Meter pro Sekunde. Sie war damit um sechs Prozent schwächer, verglichen mit der Referenzperiode von 1961 bis 1990.
Windschwächstes Frühjahr seit 1950
Das schwache Windjahr ist auch der Hauptgrund dafür, dass im letzten Jahr trotz eines Windkraft-Ausbaus von real 4.600 Megawatt an Land die Erzeugung von Windstrom praktisch stagnierte.
Analysen über die Grenzen Deutschlands hinweg zeigten dabei, dass auch Zentral- und Osteuropa sowie der Mittelmeerraum windarm waren, erläuterte Jaqueline Drücke vom DWD-Energieprogramm.
Im Gegensatz dazu habe aber Skandinavien ein windreiches Jahr verzeichnet. Europaweit zeigten sich damit im Jahresmittel Ausgleichseffekte, wie sie auch von einzelnen Wetterlagen bekannt sind, erklärte Drücke.
Die langjährige Auswertung der Daten seit 1940 zeigt laut der DWD-Expertin auch keine „grundsätzliche Zunahme“ bestimmter Großwetterlagen, die für stabiles Hochdruckwetter sorgen und als treibende Kraft für die windarmen Perioden besonders im Frühjahr gelten. Auch sei kein Trend zur Abnahme der mittleren Windgeschwindigkeit in 100 Metern Höhe zu erkennen.
2025 wurden diese speziellen Großwetterlagen laut den Angaben in den Monaten Februar bis April an 26 Tagen beobachtet – mehr als doppelt so oft wie im langjährigen Mittel. Diese Hochdrucksysteme führen zu etwa 20 bis 30 Prozent niedrigeren Windgeschwindigkeiten.
Energiepolitisch ausgeglichen wurde der schwache Wind durch deutlich mehr Sonneneinstrahlung. Deutschland erreichte laut den Daten 2025 eine mittlere globale Strahlung von 1.187 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das liegt um 9,4 Prozent über dem Mittel der Referenzperiode 1991 bis 2020. Überdurchschnittlich sonnenstark waren vor allem das Frühjahr und der Winter.
Auf Basis des neuen Referenzmodells ließen sich die Wetterforscher des DWD auch zu einer saisonalen Klimavorhersage für 2026 herbei. Für den kommenden Juni und August werde nunmehr eine starke Tendenz für wärmere Bedingungen erwartet, weniger wahrscheinlich sei dies allerdings für den Norden Deutschlands.
Konkret prognostiziert der DWD im Mittel für Deutschland eine Wahrscheinlichkeit von 71 Prozent, dass wir mehr als 8,5 heiße Tage im Sommer erleben werden.
An welchen Sommertagen das genau der Fall sein wird, sagen die Prognosen leider noch nicht.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden!







