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21.08.2019

Luftverschmutzung durch Kohleverstromung nimmt zu

Raffinerien und Kraftwerke, die Kohle und Öl verbrennen sind für zwei Drittel der anthropogenen Schwefeldioxid-Emissionen weltweit verantwortlich, berichtet Greenpeace. Eine interaktive Online-Karte zeigt die weltweit schlimmsten SO2-Hotspots.

NASA-Satelliten-Daten geben einen Überblick zu den Hotspots der Schadstoff-Emissionen, die weltweit zu Todesfällen durch Luftverschmutzung beitragen. Eine interaktive Online-Karte zeigt nun auch die weltweit schlimmsten SO2-Verschmutzungsquellen: Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Greenpeace hat die Daten ausgewertet. Die größten SO2-Emissions-Hotspots befinden sich demnach in Indien, Russland, Südafrika, Iran, Saudi-Arabien, Mexiko, den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Türkei und Serbien.

Luftverschmutzung ist ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit. Rund 90 Prozent der Weltbevölkerung leben in Gebieten, in denen die Luftverschmutzung die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwerte überschreitet, berichtet Greenpeace. So sterben jährlich 4,2 Millionen Menschen vorzeitig allein an den Folgen der Luftverschmutzung.

Unsere Atmosphäre ist hoch emissionsbelastet: CO2- und Schwefeldioxidemissionen (SO2) tragen erheblich zur Luftverschmutzung bei. Schwefeldioxid resultiert vor allem aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Kraftwerken und anderen Industrieanlagen. Es entsteht zudem in Prozessen etwa bei der Metallgewinnung, dem Betrieb von Lokomotiven und Schiffen – natürliche Schwefeldioxid-Quellen sind Vulkane. Schwefeldioxid reizt die Schleimhäute und kann zu Atemwegsproblemen führen sowie Pflanzen schädigen; nach Ablagerung in Ökosysteme kann es zudem die Versauerung von Böden und Gewässern bewirken.

Lasche Grenzwerte, die noch nicht mal durchgesetzt werden

Der aktuellen Analyse von Greenpeace zufolge gehört Indien zu den größten Schwefeldioxid-Emittenten weltweit – mit über 15 Prozent aller SO2-Hotspots, die vom NASA-Satelliten OMI (Ozone Monitoring Instrument) entdeckt wurden. Diese Emissionen stammen auch in Indien zum allergrößten Teil aus der Kohle-Verbrennung.

In Indien hatte das Ministerium für Umwelt, Wald und Klimawandel Ende 2015 erstmals SO2-Emissionsgrenzwerte für Kohlekraftwerke eingeführt. Die Fristen für die Nachrüstung der Technologie zur Kontrolle der SO2-Emissionen aus der Kohlestromerzeugung wurden jeweils von 2017 auf 2019 für Kraftwerke in Delhi und auf 2022 für die Mehrzahl der Kraftwerke landesweit durch einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs verschoben.

Luftverschmutzungsnotstand

Man könne angesichts dieser massiven Luftverschmutzung mit verheerenden gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung die Kohlverstromung nicht einfach so weiterlaufen lassen, kommentiert Greenpeace Senior Campaigner Pujarini Sen die Ergebnisse und spricht von einem Luftverschmutzungsnotstand. Es sei längst nicht klar, ob Kraftwerksbetreiber die ohnehin schon verlängerten Fristen für die Einhaltung der Verschmutzungsgrenzwerte in Delhi und im ganzen Land überhaupt einhalten werden. Die Regierung müsse einschreiten und der öffentlichen Gesundheit den Vorrang einräumen, indem sie streng gegen Verschmutzer vorgeht, die gegen das Gesetz verstoßen.

Das Problem betrifft bei weitem nicht nur Indien, sondern ist global. Es zeigen sich noch viele weitere große CO2-Hotspots auf der SO2-Emissionskarte: Ganz oben steht der Norilsk-Schmelzkomplex in Russland. Die 300 Kilometer über dem Polarkreis gelegene Stadt steht auf der Top Ten-Liste der Städte mit der größten Luft- und Umweltverschmutzung weltweit. 2015 entließ die lokale Schwerindustrie dort zudem knapp zwei Mio. Tonnen Kupfer, Blei, Cadmium, Nickel, Schwefel und arsenhaltige Gase in die Luft. Auch Kriel in der Provinz Mpumalanga in Südafrika erzielte durch Kohleverbrennung traurige Rekorde bei den SO2-Emissionswerten.

Kohleverstromung gehört nicht ins 21. Jahrhundert

In Indien, Saudi-Arabien und im Iran nehmen die Luftschadstoffemissionen von Kraftwerken und anderen Industrien weiter zu. In Russland, Südafrika, Mexiko und der Türkei steigen die SO2- Emissionen derzeit zwar nicht, doch seien auch keinerlei Fortschritte bei der Reduzierung zu verzeichnen. Eine enorme Abhängigkeit von Kohle und Öl, schwache Emissionsstandards sowie eine mangelnde Durchsetzung von staatlicher Seite nennt Greenpeace als Hauptfaktoren für die verheerende Situation.

In China und den USA konnten die Emissionen in den letzten Jahren gesenkt werden. Das hätten die Länder laut Bericht vor allem durch die Umstellung auf saubere Energiequellen erreicht, China habe vor allem seine Emissionsstandards angepasst und die SO2-Kontrollen durchgesetzt.

Es ist an der Zeit, sagt Sunil Dahiya, Kampagnenspezialist bei Greenpeace, den massiv umweltschädlichen Brennstoff Kohle endlich aus dem Verkehr zu ziehen und Platz für die Technologien der Zukunft zu machen. Regierungen auf der ganzen Welt seien es ihren Bürgern schuldig, nicht weiter in fossile Brennstoffe zu investieren und auf sichere und nachhaltige Energiequellen umzusteigen. Das verringert nicht nur die Luftverschmutzung, sondern löst auch die Klimakrise. 

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion “energiezukunft“ (na) 2019 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung weiterverbreitet werden! | energiezukunft | Heft 26 / Herbst 2019 | "Nachhaltige Lebensstile" | Jetzt lesen Download

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