Neue Fraunhofer-Studie: Kreislaufwirtschaft spart Millionen Tonnen Ressourcen
Die Wiederverwertung von Wertstoffen bleibt ein entscheidender Hebel für den Klima- und Ressourcenschutz.
Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT im Auftrag des Kreislaufwirtschaftsdienstleisters Interzero belegt beeindruckende Einspareffekte durch modernes Recycling. Gleichzeitig zeigt sie aber wachsende Hürden im Bereich des Kunststoffrecyclings auf.
Erhebliche Einsparungen bei Treibhausgasen und Rohöl
Im Jahr 2025 bewegte Interzero rund zwei Millionen Tonnen Wertstoffe. Die wissenschaftliche Bilanzierung nach den internationalen Standards der Ökobilanzierung (ISO 14040/14044) zeigt die positiven Auswirkungen im Vergleich zur Primärproduktion:
- Treibhausgase: Vermeidung von über 900.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten.
- Primärressourcen: Einsparung von mehr als 7,2 Millionen Tonnen Rohstoffen.
- Fossile Rohstoffe: Erstmals berechnete das Fraunhofer UMSICHT auch die konkrete Rohöleinsparung. Durch das Recycling von etwa einer Million Tonnen Kunststoff konnten 3 Millionen Barrel Rohöl eingespart werden – eine Menge, die dem Volumen von rund 9,5 Millionen Pkw-Tankfüllungen entspricht.
Problem im Gelber Sack: Fehlgeleitete Nachhaltigkeitssymbole
Trotz der insgesamt positiven Gesamtergebnisse deckt die detaillierte Auswertung der Leichtverpackungssammlung (LVP) in Deutschland problematische Entwicklungen auf. Der Anteil an Verbundverpackungen und Sortierresten im Gelben Sack nimmt zu.
Als Hauptursachen identifiziert die Studie Verpackungen, die auf den ersten Blick nachhaltig wirken, das Recycling in der Praxis jedoch erschweren:
- Papier-Kunststoff-Verbunde: Papierverpackungen mit untrennbaren Kunststoffbeschichtungen lassen sich nicht adäquat aufbereiten.
- Kombinationsverpackungen: Kunststoffbehälter mit Pappbanderolen erfordern eine händische Trennung durch den Verbraucher. Bleibt diese aus, behindert dies den maschinellen Sortierprozess.
Multilayer-Folien: Verpackungen aus mehreren, fest miteinander verbundenen Kunststoffarten sind technisch kaum mechanisch zu trennen.
„Verpackungen, die zunächst nachhaltig wirken, entpuppen sich in der Sortieranlage als Störfaktor. Wir benötigen hier ein Umdenken in der Verpackungsgestaltung, damit Design und Kreislaufführung besser zusammenpassen.“ so Dr. Markus Hiebel, Abteilungsleiter Sustainability Management and Participation bei Fraunhofer UMSICHT.
Resilienz durch echtes Design for Recycling möglich
Die Studienergebnisse unterstreichen, dass echtes Design for Recycling die Voraussetzung für eine funktionierende Zirkulärökonomie ist. Erst wenn Verpackungen bereits bei der Entwicklung auf bestehende Sortier- und Recyclingstrukturen abgestimmt werden, lässt sich das volle Potenzial von Sekundärrohstoffen ausschöpfen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern stärkt auch die Unabhängigkeit und Resilienz der Industrie von fossilen Rohstoffimporten.
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