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Depositphotos.com | harrybeugelink@gmail.com

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Wasserspeicher-Initiative: Mit dem Wasser kommt der Klimaschutz dahergeschwommen

In Zeiten klimawandelverstärkter Hitze macht sich eine Initiative zum Wasserspeichern und Abkühlen gut, dachte das Bundesumweltministerium. Die Projekte in Stadt, Land und Wald erzählen aber auch einiges über den heutigen Stellenwert des Klimaschutzes.

Sag nicht das Wort Klimaschutz, wenn es keinen Anklang findet. Sprich besser darüber, wie man mit eigener Solaranlage Strom billiger macht oder wie schön ein autofreies Leben ist.

Heutzutage muss Klimaschutz, bitterer Medizin gleich, einem guten Anliegen untergemischt werden, lautet der Rat der PR-Strategen. Dies nahm sich Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) auch zu Herzen.

Als die erste Hitzewelle des Sommers endete, startete Schneider im Juli eine „Initiative für mehr Wasserspeicher und Abkühlung“. Dazu präsentierte er den Medien mehrere wasserkühlende Projekte wie unterirdische Zisternen auf Friedhöfen, vernässte Moorwiesen, naturnahen Waldumbau oder Regentonnen für Stadtbäume.

So eine Tonne schmückt den Eingang der Jane-Goodall-Grundschule im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Vom Dach fließt das Wasser nicht mehr direkt auf die Straße und in die Kanalisation, sondern befüllt zunächst eine graue 500-Liter-Tonne. Wer vorbeikommt, kann sich eine Kanne greifen und die zwischen Gehweg und Straße eingezwängten Stadtbäume gießen.

Berliner Bäume gießen als Mitmach-Aktion

Für fünf Schulen hat der Stadtbezirk schon Tonnen eingeplant, einhundert insgesamt sollen einmal Regenwasser auffangen. Eine Tonne soll reichen, um das Wasserdefizit eines mittleren Straßenbaums auszugleichen.

In Berlin leben rund 430.000 Straßenbäume. Nicht alle stehen so versiegelt am Straßenrand wie im dicht besiedelten Friedrichshain-Kreuzberg. Aber jedem Baum eine Wassertonne an die Seite zu stellen, ist unmöglich.

© BMUKN/Sascha Hilgers | Bundesumweltminister Carsten Schneider hat eine Initiative gestartet, um in Städten wie auch auf dem Land für mehr Wasserspeicher und Abkühlung zu sorgen. Dazu besuchte er auch verschiedene Projekte in Berlin und Brandenburg.

Die Tonne ist denn auch vom Charakter eher eine Mitmach-Aktion. Sie soll den Leuten die Idee nahebringen, dass ein per Wasserverdunstung kühlender Baumbewuchs gegen die Hitze hilft.

Für die Schulen stellen die Tonnen in den Augen des Bezirks einen „interaktiven Lernort“ dar, der das Bewusstsein für eine wassersensible Stadt fördert. Alle fünf Schulen verfügen auch über einen Schulgarten, in dem das Regenwasser aus der Tonne ebenfalls genutzt werden soll. 

Auch so eine eher kleine Maßnahme könne den Kiez klimaresilienter machen, die Nachbarschaft zusammenführen und den sozialen Zusammenhalt stärken, lobt Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann beim Medientermin. „Bei uns wird es an heißen Sommertagen bis zu elf Grad heißer als im Berliner Umland“, sagt die Grüne.

Als Großstadt müsse sich Berlin anpassen, um eine lebenswerte Stadt zu bleiben – zum Beispiel mit mehr grünen Oasen.

Wasser fließt vom Gebäudedach zum Friedhof

Einer Oase kommt das nächste Wasserprojekt des Bezirks an der Landsberger Allee deutlich näher. Vom Neubau eines Jobcenters mit begrünten Dächern fließt überschüssiges Regenwasser in eine unterirdische Zisterne, rund 200 Kubikmeter groß.

Der Bau des unterirdischen Speichers kostete etwas über 400.000 Euro. Dazu kamen die Kosten, um das Wasser auf dem Gebäude einzusammeln und in die Zisterne zu leiten. Die übernahm der öffentliche Bauherr und möchte sie nicht bekanntgemacht haben, erklärt die Bürgermeisterin.

Das rechtlich Besondere an der Wasserauffang-Lösung: Sie ist „grundstücksübergreifend“. Das Regenwasser kommt von einem öffentlichen Gebäude und wird auf einem angrenzenden Friedhof zur Bewässerung genutzt.

Die Lösung spart bis zu zwei Drittel des Trinkwassers ein, mit dem der Friedhof bisher bewässert wurde. Droht die Zisterne überzulaufen, lässt man Wasser auch auf einem nahen Stück Wildnis einfach versickern und der Natur ihren Lauf.

Eine Nebenerkenntnis des Projekts: Berliner Friedhöfe verfügen zunehmend über freie Flächen, weil sich die Leute traditionelle Erdbestattungen nicht mehr leisten können oder wollen.

Da entsteht Platz für Naturräume. Entsprechend gepflegt und bewässert können Friedhöfe als echte grüne Oasen das Stadtklima deutlich verbessern. Würde diese ökologische Leistung honoriert, ließe sich für die oft klammen Besitzer der Friedhofsflächen eine neue Einnahmequelle erschließen.

Intakte Moore puffern Starkregen ab

Auf dem Lande in Brandenburg reichen Tonnen und Zisternen als Wasserspeicher nicht aus. Da muss ein Moor her, besser eine Moorlandschaft. Bei Starkregen wirken Moore als Puffer – sie sorgen dafür, dass Wasser in der Landschaft verbleibt, und geben es nur langsam ab, erläutert Nathalie Niederdrenk, die das Referat Moorschutz im Bundesumweltministerium leitet.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2025 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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