‹ Zurück zur Übersicht

© Depositphotos.com | rss.vladimir@gmail.com | Chinas Staatsführung möchte die ökonomische Entwicklung des Landes in nachhaltigere Bahnen lenken.

China will grüner wirtschaften

Die Staatsführung in Peking kündigt einen beschleunigten ökologischen Umbau bis 2030 an. Die Pläne reichen von CO2-neutralen Fabriken bis zum sparsameren Konsum.

China will den grünen Umbau beschleunigen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt soll bis 2030 nicht nur mehr sauberen Strom erzeugen, sondern auch Industrie, Verkehr und Konsum umweltverträglicher organisieren.

Vize-Premierminister Ding Xuexiang kündigte jetzt ehrgeizigere Ziele, wirksamere Maßnahmen und strengere Regeln an. Auch die biologische Vielfalt soll geschützt werden.

Ding sprach in Peking auf der Jahrestagung des chinesischen Rates für internationale Zusammenarbeit zu Umwelt und Entwicklung (CCICED), dessen Vorsitzender er ist. Für den laufenden 15. Fünfjahresplan von 2026 bis 2030 versprach er eine umfassende grüne Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

Wissenschaftliche und technische Innovationen sollten den grünen Umbau vorantreiben, betonte Ding. Zugleich warb er für Offenheit und internationale Kooperation.

Der 1992 gegründete Rat soll Politik und Forschung verbindet. Chinesische Regierungsvertreter und Fachleute beraten dort gemeinsam mit internationalen Wissenschaftlern und Umweltorganisationen über die ökologische Modernisierung des Landes. Die Empfehlungen gehen an die Regierung.

Auch Expertise aus Deutschland fließt ein. Beteiligt sind unter anderem Umweltbundesamts-Präsident Dirk Messner und Ilka Hirt vom Bundesumweltministerium. Diskutiert werden unter anderem Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung und der Schutz von Meeresökosystemen.

Aktionspläne sollen Wachstum mit Klima- und Ressourcenschutz verbinden 

Dings Auftritt ist zunächst ein politisches Signal, kein neues Paket mit bezifferten Zusagen. Konkreter ist der Aktionsplan, den Chinas Staatsrat bereits im Juli vorgelegt hat. Danach soll der CO2-Ausstoß je Einheit Wirtschaftsleistung bis 2030 gegenüber 2025 um 17 Prozent sinken. Eine sinkende CO2-Intensität garantiert bei wachsender Wirtschaft allerdings noch keinen Rückgang der Gesamtemissionen.

Nichtfossile Energie soll zum Ende des Jahrzehnts 25 Prozent des gesamten Energieverbrauchs decken. Dazu zählt neben Erneuerbaren auch Atomkraft. Vorgesehen sind außerdem klimafreundlichere Gebäude, Verkehrssysteme und öffentliche Einrichtungen.

Für die Industrie nennt der Plan energiesparende Umbauten, CO2-neutrale Fabriken und Industrieparks sowie eine stärkere Kreislaufwirtschaft. Auch Rechenzentren sollen grüner werden.

Die Regierung will zudem Emissionen besser erfassen und Finanzierungs- und Marktinstrumente weiterentwickeln. Klimaschutz soll damit stärker in wirtschaftliche Entscheidungen eingebaut werden.

Im Januar hatten das Handelsministerium und acht weitere Behörden zudem einen Aktionsplan für grünen Konsum veröffentlicht.

Seine 20 Maßnahmen betreffen unter anderem energiesparende Haushaltsgeräte, umweltfreundlichere Agrarprodukte und klimaverträgliche Mobilität. Auch Hotels und Gastronomie sollen ökologischer werden. Geplant sind ressourcensparende Lieferketten, die Bewertung von Produkten nach ihrem CO2-Fußabdruck sowie die Förderung von Leasing und Sharing.

Dahinter steht eine wirtschaftspolitische Doppelstrategie: Wenn Haushalte effizientere Geräte oder Elektroautos kaufen, soll das Ressourcen schonen und zugleich die Nachfrage beleben.

Wenig versprechen, mehr halten? 

Chinas CO2-Ausstoß soll nach den bisherigen Plänen vor 2030 seinen Höhepunkt erreichen, CO2-Neutralität soll vor 2060 erreicht werden. Für 2035 hat Staatspräsident Xi Jinping erstmals eine gesamtwirtschaftliche Senkung der Netto-Treibhausgasemissionen angekündigt, nämlich um sieben bis zehn Prozent gegenüber dem Höchststand, möglichst mehr.

Wind- und Solaranlagen sollen dann zusammen 3,6 Millionen Megawatt Nennleistung erreichen. Nichtfossile Quellen sollen mehr als 30 Prozent der Energie liefern. Elektroautos und andere Fahrzeuge mit alternativen Antrieben sollen bei den Neuwagenverkäufen zum Mainstream werden.

Das Forschungsprojekt Climate Action Tracker bewertet das Treibhausgasziel für 2035 als deutlich zu schwach für einen 1,5-Grad-Pfad. Die angekündigte Emissionssenkung dürfte mit den bereits eingeleiteten Maßnahmen erreichbar sein.

Zugleich hat China frühere Ausbauziele übertroffen Die für 2030 vorgesehenen 1,2 Millionen Megawatt Wind- und Solarkapazität wurden laut Climate Action Tracker bereits 2024 erreicht.

China könnte also auch diesmal mehr leisten als versprochen. Das wäre ein wichtiges Signal für den internationalen Klimaschutz, da China mit Abstand der weltweit größte CO2-Emittent ist.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Joachim Wille) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren