Photovoltaik-Recycling: Ausgediente Solarmodule liefern wertvolle Rohstoffe
Wachsende Mengen ausgedienter Solarstrom-Module müssen in den nächsten Jahren aufbereitet werden. Ein Magdeburger Unternehmen hat einen Recyclingprozess entwickelt, mit dem es die Rohstoffe sortenrein zurückgewinnen kann.
Vor etwa 20 Jahren begann die Stromerzeugung aus Sonnenlicht stark zu wachsen. Für die damals verbauten Photovoltaik-Module läuft nun die Einspeisevergütung aus. Auch ließ ihre Leistung inzwischen deutlich nach. Deshalb werden sie nun oft durch neue, leistungsstärkere Module ersetzt.
In der letzten Zeit waren es bundesweit schon mehr als 15.000 Tonnen Solarmodule pro Jahr, die abgebaut und zum weitaus größten Teil recycelt wurden. Diese Mengen werden weiter steigen: Wissenschaftler rechnen damit, dass im Jahr 2030 schon 400.000 bis eine Million Tonnen in Deutschland wieder aufgearbeitet werden müssen.
Um diese Mengen bewältigen zu können, müssen leistungsfähige Recyclinganlagen aufgebaut werden. Außerdem gilt es, aus den Modulen die Materialien sortenrein zu gewinnen, um sie wieder zu neuen Produkten verarbeiten zu können.
Dieser Aufgabe stellt sich unter anderen das Magdeburger Unternehmen Solar Materials. Es hat einen vollautomatisierten Recyclingprozess für kristalline Photovoltaik-Module entwickelt.
Das funktioniert im Prinzip wie eine umgekehrte Solarmodul-Produktion. Die Module werden mit thermomechanischen Methoden in ihre einzelnen Schichten zerlegt. Auf diese Weise lassen sich Rohstoffe wie Silber, Silizium, Glas und Aluminium zurückgewinnen.
Roboter machen die Arbeit
Das Unternehmen beschreibt den Ablauf auf Anfrage so: Schon an den ersten Stationen der Recyclinglinie arbeiten Roboter. Sie übernehmen die Module und entwässern sie. Dann demontieren sie Kupferkabel und Anschlussdosen.
Nun wird das Modul auf einem Förderband zur nächsten Station transportiert, wo es von seinem Aluminiumrahmen befreit wird. Kupferkabel, Anschlussdosen und Aluminiumrahmen liefert Solar Materials an Metallschmelzen, die daraus Kupfer und Aluminium gewinnen.
Es folgen weitere automatisierte Schritte. Dabei kann das Solarglas, das die Module gegen Beschädigungen geschützt hatte, in reiner Form abgelöst und als Glasbruch an Glasschmelzen geliefert werden. Dort lässt es sich beispielsweise zu Fensterglas verarbeiten.
Silizium wird als Staub gewonnen und an die Aluminiumindustrie geliefert. Hier dient es als Legierungselement bei der Produktion des Leichtmetalls.
Die Solarmodule enthalten auch kleine Mengen des Edelmetalls Silber. Bei Solar Materials wird es in Form von angereichertem Staub extrahiert und an Silberraffinerien übergeben.
Das Unternehmen hatte zunächst im Frühjahr 2025 eine Recycling-Linie in Betrieb genommen, die bis zu 7.000 Tonnen Solarmodule pro Jahr verarbeiten konnte.
Derzeit arbeitet Solar Materials daran, diese Linie schrittweise zu erweitern und ihre Verarbeitungskapazität zu verdoppeln. Damit soll auch die Belegschaft weiter wachsen, die aktuell bei 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt.
Einnahmen kommen aus Recyclinggebühren und Materialverkauf
Außerdem ist geplant, eine eigene Recyclinglinie in Italien aufzubauen. Später könnten Niederlassungen in den Benelux-Staaten dazukommen. Hier ist das Magdeburger Unternehmen zunächst eine Partnerschaft mit dem niederländischen Recyclingexperten 2 Recycle eingegangen. Die Niederländer sammeln ausgediente Solarmodule in Benelux ein und organisieren den Transport nach Magdeburg, wo dann das Recycling erfolgt.
Solar Materials bezieht die ausgedienten Solarmodule auf mehreren Wegen. Aus Solarparks liefern Eigentümer oder Dienstleister defekte oder ältere Module an. Manche Module werden zunächst noch auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Mitunter können sie dann noch ein zweites Leben beginnen – beispielsweise als Balkonkraftwerk.
Auch Solarmodule aus Privathaushalten landen im Recycling. Sie werden in Sammelstellen für Elektroschrott abgegeben und dann nach Magdeburg zu Solar Materials transportiert.
Das Unternehmen erhält eine Recyclinggebühr dafür, dass es die Solarmodule gemäß den gesetzlichen Bestimmungen für Elektroschrott annimmt und verarbeitet. Dazu kommen die Erlöse, die es aus dem Verkauf der zurückgewonnenen Rohstoffe erzielt. Dabei hat das Silber den größten Wert, obwohl es nur in kleinen Mengen anfällt.
Für sein nachhaltiges Geschäftsmodell ist das Unternehmen im Oktober 2025 mit dem Aura-Award des Umweltministeriums Sachsen-Anhalt ausgezeichnet worden.
Unterschiedliche Recycling-Technologien in Deutschland
In Deutschland gibt es bereits mehrere Unternehmen, die ausgediente Solarmodule verwerten oder neuartige Technologien dafür entwickeln. Das Recyclingunternehmen Reiling betreibt entsprechende Anlagen in Marienfeld bei Gütersloh sowie in Münster, Osterweddingen und Torgau. Hier werden Silizium-Solarmodule in mechanischen Prozessen verarbeitet und ihre Materialien zurückgewonnen.
Der US-Konzern First Solar arbeitet schon seit 2007 in Frankfurt/Oder mit einer Anlage, die mechanische und nasschemische Methoden anwendet. Hier werden die speziellen Dünnschichtmodule des Konzerns recycelt, die auf der Basis von Cadmium-Tellurid produziert worden sind. Bis 2012 hatte First Solar diese Module in der Oderstadt auch produziert, verlagerte dann aber die Produktion in andere Länder.
Eine neuartige Technologie entwickelt derzeit das Dresdner Unternehmen Flaxres. Dabei werden hochintensive Lichtblitze genutzt, um die Materialien des Solarmoduls kurzzeitig stark zu erwärmen. Weil sich die Stoffe dann unterschiedlich ausdehnen, sind sie gut voneinander zu trennen.
Die Rückgabe, Sammlung und Wiederaufbereitung von ausgedienten Solarmodulen ist in der europäischen WEEE‑Richtlinie sowie im deutschen Elektro- und Elektronikgeräte-Gesetz geregelt. Demnach sind Hersteller, Händler und Installateure für die Rücknahme und umweltfreundliche Entsorgung der Module verantwortlich.
Private Haushalte können haushaltstypische Mengen kostenlos an öffentlichen Wertstoffhöfen abgeben. Größere Mengen von Solarmodulen werden dagegen durch spezialisierte Unternehmen entsorgt, die dafür Gebühren berechnen.
Quelle
Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Stefan Schroeter) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! (Bilder: Solar Materials)








