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In der Spitze kann Wasser knapp werden

Zwar sank der Klima-Resilienz-Index der Wasserwirtschaft 2026 leicht, dennoch hält der Wasserfachverband DVGW häufigere Spitzenbedarfe beim Wasserverbrauch auch künftig für beherrschbar – sofern genügend in die Infrastruktur investiert wird.

Zum Thema Wasser war zuletzt von Umweltminister Carsten Schneider öfter etwas zu hören. Bisher sei Deutschland ein wasserreiches Land gewesen, aber das ändere sich gerade und künftig werde es ernsthafte Konflikte ums Wasser geben, erklärte der SPD-Politiker im Juli in einem Interview. Bei seinem Auftritt jüngst vorm Kanzleramt ordnete Schneider Wasser sogar als ein knappes und kostbares Gut ein.

Ganz so weit wie der Minister lehnt sich die Wasserwirtschaft noch nicht aus dem Fenster. Dessen Aussage über die Knappheit habe eine „gewisse Berechtigung“, räumte Wolf Merkel, Vorstand des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), diese Woche ein.

Es gebe saisonale und regionale Engpässe bei der Wasserversorgung, und wenn sich – wie zuletzt – zu viele Nutzer geballt in zwei Monaten um die Ressource Wasser balgten, sei das eine große Herausforderung, die es in der Vergangenheit so nicht gegeben habe, erklärte der für Wasser zuständige Vorstand.

Anlass für Merkels Äußerungen war die Vorstellung des „Klimaresilienz-Index Wasser 2026“ des DVGW. Der Wasserfachverband kümmert sich sonst vor allem um die technischen Regeln der Gas- und Wasserversorgung.

Für den nach 2025 zum zweiten Mal erhobenen Index wurden rund 230 Führungskräfte deutscher Trinkwasserversorger befragt. Zu 50 Indikatoren konnten die Befragten jeweils Punkte vergeben zwischen null (gar keine Resilienz) und hundert (maximale Resilienz). Die Ergebnisse wurden nach der Wasserabgabe der Unternehmen gewichtet.

Sieben trockene und sieben nasse Jahre 

Das resiliente Ergebnis: Im Mittel vergaben die Versorgerchefs 48 von 100 möglichen Punkten, einen Punkt weniger als im Vorjahr.

Die leichte Abnahme versuchte Wolf Merkel bei der Präsentation so zu erklären: Die Wasserversorger würden annehmen, dass sie von den Wirkungen des Klimawandels heute wie auch künftig stark betroffen sind. Sie hielten die Lage für „beherrschbar“, die Branche sei aber noch nicht da, wo sie hinwolle.

Entsprechend drückten die 48 Punkte eine „gewisse Unsicherheit“ aus, so Merkel weiter. Der Index 2026 zeige, dass heute die Voraussetzungen geschaffen werden müssten, um die Versorgungssicherheit auch unter verschärften Klimabedingungen dauerhaft zu gewährleisten.

Wie sich verschärfter Klimawandel langfristig auf die Wasserverfügbarkeit auswirkt – in dem Punkt wollte DVGW-Vorstand Merkel nicht von seiner Einschätzung von 2025 abrücken. In allen Klimaszenarien für 2050 oder 2100 zeigten die Prognosen, dass die in Deutschland insgesamt verfügbare Wassermenge sich ungefähr auf dem jetzigen Niveau bewegen werde, hatte Merkel letztes Jahr bei der Präsentation des Index 2025 erklärt.

Künftig werde sich die Wasserverfügbarkeit aber stärker unterscheiden, ergänzte der Vorstand seine Prognose in dieser Woche. Bildlich gesprochen könne es sieben trockene und sieben nasse Jahre geben, sagte Merkel.

Düsseldorf baut neuen Trinkwasserspeicher 

Reale Kopfschmerzen bereitet den Versorgern derzeit vor allem der steigende Spitzenbedarf beim Wasser. Dies bringe die Systeme an einigen Tagen an den Rand der Leistungsfähigkeit, warnte Wolf Merkel.

Diese Entwicklung illustrierte Verena Svensson von den Stadtwerken Düsseldorf bei der Index-Präsentation mit Zahlen. Normalerweise liege der Wasserbedarf von Düsseldorf bei täglich 150 Millionen Litern – in den Spitzenzeiten steige er derzeit auf mehr als 200 Millionen Liter, gab die Leiterin der städtischen Wasserversorgung an.

Früher sei die Wahrscheinlichkeit für solche Spitzen „sehr gering“ gewesen. Schaue man aber voraus auf den Zeitraum von 2036 bis 2065, müsse man sich auf regelmäßig deutlich höhere Bedarfe als die 150 Millionen Liter einstellen, erläuterte Svensson die sich verändernde Lage.

Ein höherer Spitzenbedarf an mehr Tagen im Jahr bedeutet auch: Die Wasserreserven werden stärker strapaziert und es bleibt weniger Zeit, um die Reserven wieder aufzufüllen.

Düsseldorf reagiere darauf mit dem Bau eines neuen Trinkwasserspeichers, so Svensson, um auch bei höheren Bedarfsspitzen langfristig die Versorgung zu garantieren.

Weiter will die Wasserwirtschaft die sogenannten Notverbünde unter den Wasserversorgern ausbauen, sodass künftig mehr Wasser regional ausgetauscht werden kann.

Ansonsten plädiert der DVGW entsprechend seinem Profil für technische Lösungen wie die Ertüchtigung bestehender Anlagen, die Stärkung der Infrastruktur und den Ausbau der Kapazitäten.

Branche mahnt kürzere Genehmigungsverfahren an 

Damit das alles schnell gebaut werden kann, sehen die Unternehmen rechtlichen Handlungsbedarf. Langwierige Genehmigungs- und Beteiligungsverfahren sehe die Branche als größtes Hemmnis für die Anpassung der Infrastruktur, hieß es bei der Index-Präsentation. Die Klimaanpassung in der Wasserversorgung brauche mehr Tempo, forderte DVGW-Vorstand Merkel seinerseits.

Wer zusätzliche Wassergewinnung, Speicher, Verbundsysteme oder Aufbereitungsanlagen schaffen wolle, benötige verlässliche und vor allem schnellere Genehmigungsprozesse mit deutlich weniger Bürokratie, erklärte Merkel. Das seien zentrale Voraussetzungen für mehr Klimaresilienz.

Von höheren Wasserpreisen für Haushalte hält der Wasserfachverband eher wenig. Für sinnvoll werden aber sogenannte Wasser-Ampeln angesehen. Die zeigen die aktuelle Lage bei der Trinkwasserversorgung in den Ampelfarben Grün, Gelb und Rot an und sollen die Verbraucher zu sparsamem Umgang anregen.

Wird die Ressource knapper, schaut der Wasserverband auch kritischer auf den vielfach von wirtschaftlichen Lobbyinteressen geprägten Umgang mit Wasser. So stellte DVGW-Vorstand Merkel bei der Index-Präsentation in Frage, ob die teilweise bis zu 100 Jahre alten Wasserrechte der Industrie noch zeitgemäß seien. Hier sei eine Neuordnung im Interesse einer gerechteren Verteilung angebracht.

Für einen echten Missstand hält Wolf Merkel die Praxis, dass Landwirte in Deutschland eigene Brunnen nutzen können und nicht immer angeben müssen, wie viel Wasser sie daraus entnehmen. Dies werde regional sehr unterschiedlich gehandhabt und die Entnahme teilweise auch vorbildlich kontrolliert, räumte der DVGW-Vorstand ein – es gebe aber auch Regionen, wo die Brunnen nur zum Teil anzeigepflichtig seien und die Entnahme nicht überprüft werde.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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