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24.09.2017

Verkehrswende kann Energiewende vorantreiben

Müssen Elektromobile warten, bis die Kohlekraftwerke abgeschaltet sind, bis genügend Ladesäulen stehen, bis die Batterien recycelt werden können, bis Kinderarbeit in den Kobaltminen verboten ist? Ein Bericht von Wolf von Fabeck

Kein Zweifel, die Kinderarbeit in den Kobaltminen der Republik Kongo gehört nach UN-Kinderrechtskonvention verboten. Seltene Elemente in den Antriebsbatterien der Elektroautos müssen recycelt werden. Schnellladesäulen für E-Mobile fehlen an vielen Orten. Viele wichtige Aufgaben sind noch zu erledigen!

Aber - so lange unser Strom noch zu einem nennenswerten Anteil aus Kohlekraftwerken stammt, haben wir den weitaus wichtigsten Teil der Energiewende nicht geschafft.

Entscheidender Engpass der Energiewende sind die Stromspeicher

Sonnen- und Windenergie stehen nur bei geeignetem Wetter zur Verfügung. Wenn sie ausfallen, weil es dunkel ist, oder der Himmel bedeckt und wenn der Wind europaweit schwächelt, brauchen wir aufgesparten Sonnen- und Windenergie-Überschuss. Für jedes stillzulegende Kohlekraftwerk brauchen wir dezentrale Stromspeicher, die in der Summe die gleiche Leistung bereitstellen können. Auch müssen sie die Kapazität haben, diese Leistung für den Ausfall des Sonnenscheins über Nacht bzw. für den Ausfall der Windenergie über einige Wochen aufrecht zu halten.

Für die Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien brauchen wir dringend sowohl Langzeit- als auch Kurzzeit-Stromspeicher.

Die wirkungsvollste Maßnahme zur Verbesserung und Verbilligung der Kurzzeitspeicher ist Wettbewerb zwischen den Batterieproduzenten.

Dieser Wettbewerb wird angespornt von der Nachfrage der E-Mobil-Produzenten, die mit erheblicher Nachfragekraft nach preiswerten leistungsfähigen Batteriespeichern für ihre E-Mobile suchen. Und die Nachfrage der E-Mobil-Produzenten wird durch jeden E-Mobil-Käufer weiter verstärkt.

In diesem Wettbewerb der Batteriehersteller ist es glücklicherweise gleichgültig, ob in der Anfangsphase Solarstrom, Windstrom, Kohlestrom oder sogar Atomstrom gespeichert wird. Mit dem stetigen Ausbau Erneuerbarer Energien und dem steigenden Anteil von EE-Strom im allgemeinen Strommix wird der Inhalt der Batterien zwangsläufig von Jahr zu Jahr "sauberer".

Aber was ist mit den fehlenden Ladesäulen?

In Norwegen, dem Land mit den prozentual höchsten E-Mobilzulassungen werden inzwischen die Ladesäulen knapp, heißt es. Doch das ist kein wirkliches Drama.

Ein modernes E-Mobil erreicht zuverlässig 170 km ohne Zwischentanken. Wer täglich weniger als diese Strecke benutzt, ist abends wieder zuhause und kann zuhause auftanken. Probleme gibt es nur, wenn der Auto-Stellplatz weit vom Haus entfernt ist und der Arbeitgeber keine Ladesteckdose anbietet.

Eine erste Überschlagsrechnung ergibt folgenden rechnerischen Zusammenhang. Eine Verdoppelung der E-Mobil-Reichweiten halbiert die notwendige Anzahl der Ladesäulen. Und die Reichweiten nehmen von Jahr zu Jahr zu. Doch tatsächlich ist das Verhältnis sogar noch günstiger: Je höher die Reichweite wird, desto geringer wird die Zahl der E-Mobilfahrer, die überhaupt noch unterwegs aufladen müssen. Die meisten Fahrer schlafen zu Hause. Viele Autofahrer, die zuhause schlafen, können auch zuhause ihr Auto an der Steckdose aufladen.
Ein schönes Beispiel ist der Landarzt, der tagsüber mit dem E-Mobil seine Patienten aufsucht und nachts zuhause schläft und derweil sein E-Mobil auflädt.
Wenn die Reichweite der E-Mobile gegen 500 km geht, werden es nur noch wenige Fahrer sein, die auf Schnellladesäulen unterwegs angewiesen sind.

Der SFV-Schlussappell

Wer es sich finanziell leisten kann, sollte sich als nächstes Auto ein E-Mobil kaufen und sich vorsorglich schon jetzt eine PV-Anlage auf sein Dach montieren lassen. So demonstriert er die Entschlossenheit zum Umstieg auf Erneuerbare Energien und leistet damit einen technisch-wirtschaftlichen Beitrag gegen den Klimawandel. Das ist derzeit die dringendste Aufgabe für uns alle.

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