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07.09.2017

Wälder leiden unter Gülle und CO₂

Das Bundeskabinett hat am heutigen Mittwoch den Waldbericht 2017abgesegnet, den der federführende Fachminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegt hat.

Doch während die Bundesregierung verkündet, der deutsche Wald sei "in gutem Zustand" und "weltweit Vorbild", zeigt ein Blick in die Langfassung des Berichts, dass es erhebliche Probleme gibt.

Ähnlich wie der alljährlich im Frühjahr vorgelegte "Waldzustandsbericht" – früher "Waldschadensbericht" genannt – beschreibt der knapp 300-seitige "Waldbericht", wie es um Deutschlands Wälder bestellt ist. Berichtszeitraum ist jedoch nicht nur ein Jahr, sondern die Spanne von 2009 bis April 2017.

Nicht gut steht es demnach um die Laubbäume. Ihr Zustand hat sich laut Bericht deutlich verschlechtert, seitdem Anfang der 1980er Jahre mit dem forstlichen Umweltmonitoring begonnen wurde.

Als Indikator für den Gesundheitszustände der Bäume dient deren Kronenzustand. Seit Messbeginn 1984 "verlichten die Kronen der Laubbäume zunehmend", heißt es in dem Report. Nadelbäume sind auch betroffen, allerdings zum Teil weniger.

Die jüngste Erhebung ergab für die vier häufigsten Baumarten Deutschland folgendes Bild: Bei der Fichte stieg der Anteil der deutlichen Kronenverlichtungen von 28 Prozent im Jahr 2015 auf 31 Prozent im Jahr 2016, bei der Kiefer von 13 auf 14 und bei der Buche sogar von 33 auf 52 Prozent.

Einzig bei der Eiche zeigte sich eine Verbesserung. Deutlicher Blattverlust in den Baumkronen zeigte sich bei 28 Prozent der Bäume. Im Jahr 2015 waren es noch 36 Prozent gewesen.

Auch die weiterhin hohen Schadstoffeinträge sind besorgniserregend. "Besonders problematisch für die Waldökosysteme sind die anhaltend hohen Einträge von Ammoniak und anderen Stickstoffverbindungen", heißt es im Bericht.

Schuld an den Ammoniak-Einträgen ist die Landwirtschaft. Sie bringt zu viel Dünger und Gülle auf den Feldern aus. Dieses landet im Grundwasser und schädigt so auch die Wälder.

Die anderen Stickstoffverbindungen, die dem Wald zusetzen, stammen von fossilen Kraftwerken und vom Verkehr. Die bei 
Verbrennungsprozessen entstehenden Stickoxide erreichen laut Report vielerorts für den Wald "kritische Eintragsraten". Die Stickstoffverbindungen reichern sich in den Waldböden an und wirken versauernd und überdüngend zugleich.

"Dies belastet das Grundwasser und beeinträchtigt den Gesundheitszustand der Bäume wie auch die biologische Vielfalt der Wälder", stellt der Waldbericht fest. Maßnahmen zur Senkung der Einträge von Schadstoffen und Stickstoff über die Luft seien "weiterhin erforderlich".

Den Klimawandel bezeichnet der Bericht als "eine der bedeutendsten Herausforderungen". Zwar sei der Wald in den vergangenen acht Jahren von Schäden durch Extremereignisse wie Orkane weitgehend verschont geblieben. Allerdings sei die Witterung für den Wald zu trocken. Dies könne die Anpassungsmöglichkeiten der Bäume übersteigen.

Die Grünen-Bundestagsfraktion kritisierte die Große Koalition denn auch für die "Blockade eines wirksamen Düngegesetzes" und den "jahrelangen Stillstand bei der Reduktion von Treibhausgasen". Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft, Industrie, Privathaushalten und Verkehr müssten "wirksam reduziert werden".

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Quelle   Der Bericht wurde von der Redaktion „KLIMARETTER.INFO“ (vk) 2017 verfasst – das Nachrichten- und Debattenmagazin zu Klima und Energiewende – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung von „Klimaretter.info“ (post@klimaretter.info) weiterverbreitet werden! 

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