‹ Zurück zur Übersicht
pixabay.com | Comfreak

© pixabay.com | Comfreak

Klimawandel kennt keine Pause

Verheerende Waldbrände und mächtige Gewitter treiben die Schäden für Versicherer.

Die Naturkatastrophenbilanz 2025

  • Das kostspieligste „Non-Peak Peril“-Jahr für den Versicherungssektor: fast alle versicherten Schäden durch Waldbrände, Hochwasser und Schwergewitter
  • Versicherte Schäden anhaltend über 100 Mrd. US$, weltweite Gesamtschäden unter dem zehnjährigen Durchschnitt 
  • Hurrikan Melissa verwüstet Jamaika – USA kommt erstmals seit 10 Jahren ohne schweren Hurrikan-Treffer davon
  • Zahl der Todesopfer mit 17.200 deutlich höher als im Vorjahr, aber unter dem langjährigen Durchschnitt
  • Klimawandel ungebremst: 2025 wieder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

Das Jahr begann heftig mit sehr hohen Schäden durch die Brände in Los Angeles. Es war 2025 pures Glück für die USA, dass Hurrikane sie verschonten. Und dennoch: Das Land ist Spitzenreiter der Schadensstatistik, da der Trend zu sehr hohen Schäden durch „Non-Peak Perils“ bleibt. Wir dürfen uns nichts vormachen. Die Menschheit muss sich den Risiken anpassen. Auch mit ihrer neuen Strategie Ambition 2030 steht Munich Re mit Expertise und Finanzkraft bereit, noch mehr Naturkatastrophenrisiken zu tragen und das Sicherheitsnetz Versicherung für die weltweite Wirtschaft zu stärken. Thomas Blunck, Mitglied des Vorstands

Die Naturkatastrophen 2025 in Zahlen

Naturkatastrophen verursachten 2025 weltweit betrachtet hohe Schäden. Insgesamt zerstörten sie Werte von etwa 224 Mrd. US$. Etwa 108 Mrd. US$ trugen die Versicherer. Damit reiht sich 2025 ein in immer mehr Jahre mit versicherten Schäden jenseits der 100-Mrd.-US$-Grenze, obwohl die Schäden unter den Vorjahreswerten (inflationsbereinigte Gesamtschäden 2024: 368 Mrd. US$, davon 147 Mrd. US$ versichert) blieben. Von den Gesamtschäden entfielen 92% auf Wetterkatastrophen, bei den versicherten Schäden waren es 97%.

Etwa 17.200 Menschen kamen bei den Naturkatastrophen weltweit ums Leben, deutlich mehr als im Vorjahr (rund 11.000), aber weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn und 30 Jahre (rund 17.800/41.900).

Hochwasser, Schwergewitter und Waldbrände setzten ein Alarmzeichen. Diese Non-Peak Perils prägen zunehmend den langfristigen Trend und verursachten Gesamtschäden von 166 Mrd. US$, davon waren etwa 98 Mrd. US$ versichert. Die Zerstörungen übertrafen die inflationsbereinigten Durchschnittswerte der vergangenen zehn und 30 Jahre (Gesamtschäden: 136/90 Mrd. US$; versicherte Schäden 60/33 Mrd. US$). Bei dieser Art von Naturkatastrophen ist sich die Wissenschaft weitestgehend einig, dass sie in vielen Teilen der Welt schwerer und häufiger werden.

Angesichts dieser extremen Schäden wird deutlich: Nur durch Zufall, insbesondere das Ausbleiben von Hurrikan-Treffern auf das US-Festland trotz schwerer Stürme, ist die Welt in diesem Jahr an potenziell noch viel größeren Schäden vorbeigeschrammt. So aber blieben die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen weltweit unter den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn Jahre (266 Mrd. US$). Die versicherten Schäden entsprachen in etwa dem 10-Jahres-Durchschnitt (inflationsbereinigt 107 Mrd. US$). Die preisbereinigten Durchschnitte der vergangenen 30 Jahre wurden 2025 sowohl bei den Gesamtschäden als auch den versicherten Schäden deutlich übertroffen.

Der Anteil der unversicherten Schäden war mit rund 50% der Gesamtschäden niedriger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (rund 60%). Das liegt am hohen versicherten Anteil bei den Waldbränden nahe Los Angeles. Ohne sie wäre die Versicherungslücke unverändert zum 10-Jahres-Durchschnitt geblieben.

Die folgenschwersten Naturkatastrophen 2025

Die bei weitem kostspieligste Naturkatastrophe des Jahres waren die Waldbrände im Großraum Los Angeles im Januar. Eine gefährliche Verbindung aus Dürre und starken Winden im Winter schufen ideale Waldbrandbedingungen. Nach Ausbruch der Brände trieben die Stürme über den Funkenflug die Flammen in Vororten von Los Angeles immer weiter. Der Gesamtschaden betrug etwa 53 Mrd. US$, davon waren etwa 40 Mrd. US$ versichert. Es war die bislang teuerste Waldbrand-Katastrophe aller Zeiten. 30 Menschen kamen ums Leben.

Ein schweres Erdbeben der Magnitude 7,7 in Myanmar war gemessen an den Gesamtschäden die zweitteuerste Katastrophe des Jahres. Vor allem war es aber eine humanitäre Tragödie, denn rund 4.500 Menschen kamen ums Leben. Das Beben in der erdbebengefährdeten Region um die Millionenstadt Mandalay ereignete sich entlang der Sagaing-Verwerfung, die Myanmar von Norden nach Süden durchzieht. Der Gesamtschaden betrug etwa 12 Mrd. US$, nur ein kleiner Teil war versichert. Durch das Beben kam es sogar zu Schäden in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, zirka 1.000 km vom Epizentrum entfernt. Ursache war der tiefe weiche Schwemmlandboden unter Bangkok, in dem sich Bodenbewegungen verstärken.  

Gemessen an den versicherten Schäden war eine Schwergewitter-Serie über dem Zentrum und dem Süden der USA im März die zweitteuerste Naturkatastrophe des Jahres. Mehr als 100 Tornados bis hin zur zweithöchsten Kategorie 4 mit Windgeschwindigkeiten weit über 200 km/h wurden gezählt. Der Gesamtschaden betrug etwa 9,4 Mrd. US$, davon waren 7 Mrd. US$ versichert.  

Hurrikane und Taifune – eine ungewöhnliche Wirbelsturmsaison

Im tropischen Nordatlantik entwickelten sich drei Hurrikane der höchsten Stufe 5: Es waren so viele superstarke Wirbelstürme wie seit 2005 nicht mehr – dem Jahr von Hurrikan Katrina, der die Region um New Orleans verwüstete und bis heute eine der teuersten Naturkatastrophen aller Zeiten ist.

Jamaika wurde von einem der Stufe-5-Stürme voll getroffen. Hurrikan Melissa erreichte Windgeschwindigkeiten von nahezu 300 km/h und war einer der stärksten Hurrikane seit Beginn der Aufzeichnungen, die auf Land trafen. Melissa war langsam durch die Karibik gezogen und hatte sich über dem sehr warmen Wasser mit Energie vollgesogen. Auf Jamaika verursachte der Sturm verheerende Zerstörungen, auch Kuba war stark betroffen. Durch die lange Vorwarnzeit konnten viele Menschen evakuiert werden, dennoch kamen rund 100 Menschen ums Leben. Die Gesamtschäden beliefen sich auf etwa 9,8 Mrd. US$, rund 3 Mrd. US$ waren versichert.

Das US-Festland wurde dagegen erstmals seit zehn Jahren von keinem Wirbelsturm in Hurrikanstärke getroffen. Besondere meteorologische Bedingungen wie etwa ein weiter östlich als üblich gelegenes Azoren-Bermuda-Hochdruckgebiet führten dazu, dass die meisten starken Stürme relativ früh in Richtung Nordosten und weg vom US-Festland abdrehten.

Im Nordwest-Pazifik zogen viele Wirbelstürme relativ weit südlich entlang. Dadurch blieb zwar Japan weitgehend von Taifunen verschont. Viele südostasiatische Länder wie Thailand, Vietnam, Indonesien, die Philippinen und auch China wurden aber häufiger getroffen als üblich. Zusätzlich trafen die Wirbelstürme mit einer ohnehin sehr starken Monsunsaison zusammen: In vielen Regionen gab es mehrfach Starkniederschläge von vielen 100 mm (1 mm entspricht einem Liter pro Quadratmeter) innerhalb kurzer Zeit. Heftige Überschwemmungen in mehreren Ländern waren die Folge.

Tropische Wirbelstürme verursachten 2025 weltweit Schäden von etwa 37 Mrd. US$, davon waren rund 6 Mrd. US$ versichert. Die Summen lagen wegen der ausgebliebenen Landfalls in den USA deutlich unter den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn und 30 Jahre (Gesamtschäden 106/69 Mrd. US$, versicherte Schäden 42/26 Mrd. US$).

Der Klimawandel und die Folgen

Auffällig am Naturkatastrophenjahr 2025 ist, dass es viele extreme Ereignisse mit relativ sicherem Einfluss des Klimawandels gab. Beispiele waren die Waldbrände bei Los Angeles, der hohe Anteil besonders starker Hurrikane im Nordatlantik und viele Hochwasserkatastrophen. Zahlreiche Studien belegen, dass der Klimawandel solche Ereignisse wahrscheinlicher oder stärker werden lässt – oftmals beides.

Tobias Grimm, Chefklimatologe von Munich Re, kommentiert: „In einer Welt im Fieber sind extreme Wetterkatastrophen wahrscheinlicher. 2025 war wieder eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit waren die zwölf vergangenen Jahre die wärmsten überhaupt. Es gibt kein Zeichen der Entwarnung, der Klimawandel kann sich unter diesen Umständen weiter verschärfen.“    

Der regionale Überblick >>

Quelle

Munich Re 2026

Diese Meldung teilen

‹ Zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren