Kirche, Krieg und Frieden
Schon Stalin hatte gefragt: „Wie viele Divisionen hat der Papst?“
Mit den „himmlischen Heerscharen“ oder mit dem Heiligen Geist hatte der kommunistische Diktator und Kriegsherr so wenig gerechnet wie es heute der Möchtegern-Diktator und Kriegsherr Donald Trump in den USA tut.
In Trumps Augen ist Papst Leo XIV. ein Schwächling, weil ihm an „Militär“ nur die kleine Schweizer Garde zur Verfügung steht. Doch wie kann ein solcher Schwächling es wagen, dem allmächtigen US-Präsidenten mit der größten Militärmacht aller Zeiten ständig zu widersprechen? Donald Trump wurde schließlich von Gott selbst gerettet, weil ein Schuss auf ihn nur sein Ohr streifte und er ansonsten unverletzt blieb. Das ist doch ein wirklicher Gottesbeweis!
Und deshalb glaubt nun Trumps Vize J.D. Vance, vor sieben Jahren zum katholischen Glauben konvertiert, dem Papst die „richtige Theologie“ beibringen zu sollen: Es gebe doch seit den Tagen des heiligen Augustinus im vierten Jahrhundert in der katholischen Theologie die Theorie des „Gerechten Krieges“. Und Vance fragt dann auch ganz unschuldig, ob es etwa nicht „gerecht“ war, dass die USA die gottlosen Nazis militärisch besiegt hätten oder mit Gewalt gegen Terroristen vorgingen?
Nur vergisst Vance, dass der Krieg gegen Iran mitten in Verhandlungen begonnen wurde, die von beiden Seiten als hoffnungsvoll bezeichnet worden sind. Die US-Regierung biegt sich die „Lehre vom gerechten Krieg“ seltsam zurecht und überzieht den Papst mit Wut und Hass. Selig sind die starken Männer? Das US-Verteidigungsministerium wurde vor kurzem zum „Kriegsministerium“ umgetauft. Trumps Kriegsminister Hegseth: „Wir sind Krieger, ausgebildet, um den Feind zu töten und seinen Willen zu brechen.“ Und wo bleibt die „Feindesliebe“ der Bergpredigt? Selig sind auch die Klimawandelleugner?
Der Papst hat zwar Trump nicht beim Namen genannt, aber getroffene Hunde bellen halt. Und dieses Mal völlig zurecht. Denn Trump hatte sogar mit der Ungeheuerlichkeit gedroht, im Iran „eine ganze Zivilisation auszulöschen“.
Die neueste Debatte um Krieg und Frieden zwischen der US-Regierung und dem Vatikan hat nicht nur politische, sondern auch religiöse Sprengkraft. Ein Großteil der US-Maga-Bewegung („Make America great again“) steht noch immer hinter Trump, aber die katholischen US-Bischöfe und ein Großteil der übrigen Welt, auch Liberale, Atheisten und Agnostiker, unterstützt eher den Papst. Die Maga-Religion ist eine Religion der Macht und nicht eine Religion der Liebe wie sie Jesus meinte.
Leo XIV. ist durch diesen Konflikt so etwas wie das Weltgewissen geworden. Während Politiker wie Merz oder der NATO-Generalsekretär vor Trump kuschten oder feige schweigen, spricht der Papst gerade jetzt auch auf seiner Afrika-Reise Klartext gegen Trump und predigt über die „Heiligkeit des Lebens“, aber auch gegen alle anderen Kriegstreiber: „Ich habe keine Angst vor der US-Regierung“ und „Selig sind die Friedensstifter“.
Ausgerechnet der oberste Glaubensvertreter wird zum Retter der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes. Eine Ironie der Geschichte für alle, die Verstand und Glauben immer trennen wollten. Vielleicht begreift auch Donald Trump noch wie gefährlich ihm sein Landsmann im Vatikan werden kann.
Schon einmal vor gar nicht allzu langer Zeit hat ein Papst dabei geholfen, ein politisches System zu stürzen. Papst Johannes Paul II. hat beim Niedergang des Kommunismus durch seinen Mut zur Bergpredigt und Gewaltfreiheit eine zentrale Rolle gespielt. Jetzt ist Leo XIV. der Anti-Trump. Darin zeigt sich erneut die Kraft der Bergpredigt. Der Papst ist neun Jahre jünger als Trump und vor allem geistig präsenter als der Möchtegern-Jesus im Weißen Haus. Papst Leo XIV. völlig zurecht an die Adresse von Trump und an die Adresse aller Kriegstreiber wie Putin, Netanjahu und Xi: „Schluss mit der Selbstüberschätzung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg.“
Papst Leo scheut sich auch nicht das, was Trump und seine Regierung zur Zeit anstellen als das zu bezeichnen, was es tatsächlich ist: „Gotteslästerung“. Bravo und weiter so! Die Satiriker und Humoristen auf der ganzen Welt sind jetzt gut beschäftigt.
- Franz Alt „Frieden ist NOCH IMMER möglich: Die Kraft der Bergpredigt“ | Herder Verlag 2022
- Kommentar: „Frieden ist NOCH IMMER möglich“ – Krieg und Gewalt haben nicht das letzte Wort








