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Depositphotos.com | AntonioSolano | ClimateChange

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Petersberg gibt viele Hinweise auf weltweit beschleunigte Abkehr von fossilen Energien, aber klare Strategie fehlt noch

Germanwatch zum heute beendeten Petersberger Klimadialog: Kanzler Merz hat Pariser Klimaabkommen und Klimaziele bekräftigt.

Auf Ankündigungen müssen nun konkrete Schritte der Bundesregierung folgen, um ermutigende Reaktionen auf die fossile Energiekrise in konkreten Allianzen zu organisieren. Klimaresilienz sowie konkrete Zusagen für Klimafinanzierung wurden weitestgehend ausgeklammert.

Der Petersberger Klimadialog hat nach Ansicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch erneut gezeigt, dass er als Entwicklungslabor der internationalen Klimapolitik wichtige Impulse setzen kann. Christoph Bals, Politik-Vorstand bei Germanwatch: “Das Bewusstsein für die aktuellen Herausforderungen war deutlich spürbar. Immer mehr Länder weltweit beschließen angesichts der fossilen Energiepreiskrise eine beschleunigte Hinwendung zu erneuerbaren Energien und Elektrifizierung. Noch fehlt aber eine klare Strategie, wie diese Herausforderungen konkret und ohne Rückschläge in die Umsetzung gebracht werden können.” Positiv hervorzuheben ist, dass Bundeskanzler Merz bekräftigt hat, Deutschland werde ein verlässlicher Partner der internationalen Klimapolitik sein und seinen fairen Anteil leisten. Auch die Anerkennung des engen Zusammenhangs von Klima-, Sicherheits- und Wirtschaftsfragen ist ein wichtiges Signal. “Doch Ankündigungen reichen nicht – wenn Deutschland es ernst meint, muss sich dieser Anspruch in konkreter Politik zu Hause und Finanzierungsziele für internationale Klimapolitik spiegeln”, so Bals weiter.

Die Explosion der fossilen Energiepreise

Der Petersberger Klimadialog hat gezeigt: Die globale Energiekrise beschleunigt derzeit massiv den Umbau hin zu erneuerbaren Energien. Die Explosion der Preise für fossile Energien kann weltweit einen Strukturbruch auslösen: Weg von Gas und Öl, hin zu Elektrifizierung und Erneuerbaren Energien. Indien hat bereits seine Pläne für neue Gaskraftwerke gestrichen und viele Staaten des Globalen Südens präsentierten ambitionierte Ausbaupläne für Wind- und Solarenergie. „Die Krise zeigt: Erneuerbare Energien machen unabhängiger, sicherer und wirtschaftlich widerstandsfähiger“, betont Petter Lydén, Bereichsleiter Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. “Wir erwarten von Regierungen konkretere Aussagen bei der Santa-Marta-Konferenz zum Fossilen Ausstieg in Kolumbien kommende Woche”.

Düngemittelknappheit mit massiven Ernteeinbrüchen

Ein wichtiges Thema blieb allerdings bei der Konferenz weitgehend außen vor: die Stärkung der Klimaresilienz. „Wer Anpassung sowie Schäden und Verluste weiter an den Rand drängt, ignoriert die Realität für Millionen Menschen“, warnt Laura Schäfer, Bereichsleiterin Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Gerade jetzt braucht es entschlossene Vorreiterallianzen, die Maßnahmen zur Anpassung endlich in die Umsetzung bringen – und die dafür notwendige Finanzierung sichern.“ Denn das Zusammenspiel von Klima- und Energiekrise droht 2026 zu einer hochgefährlichen Kettenreaktion für die Ernährungssicherheit im Globalen Süden zu eskalieren: immer extremere Klimafolgen, ein möglicher Super-El-Niño, Düngemittelknappheit mit massiven Ernteeinbrüchen sowie gleichzeitig schrumpfende Budgets für Katastrophen- und humanitäre Hilfe. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, wird aus absehbarer Krise eine humanitäre Katastrophe. Vor diesem Hintergrund muss ein hier diskutiertes gemeinsames Aktionspaket etwa von der  EU und Großbritannien ambitioniert ausgestaltet und so schnell wie möglich umgesetzt werden.“

Keine konkreten Signale für internationale Klimafinanzierung 

Im Rahmen des Petersberger Klimadialogs betonte Klimaminister Schneider, dass Deutschland ein verlässlicher Partner in Bezug auf die internationale Klimafinanzierung sei. “Bedauerlicherweise ist es aber weder durch Minister Schneider noch durch Kanzler Merz zu konkreten Zusagen in Bezug auf ein neues deutsches Ziel für die internationale Klimafinanzierung gekommen. Dabei ist eine ausreichende und verlässliche öffentliche Klimafinanzierung die Grundlage für die Umsetzung konkreter Maßnahmen in den Bereichen Klimaschutz und -anpassung, die Hebelung von privaten Geldern sowie das Vertrauen vieler Länder in Industriestaaten wie Deutschland”, betont Ute Sudmann, Bereichsleiterin für Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch. “Wir unterstützen deshalb die Ankündigung des designierten COP31-Präsidenten Murat Kurum, sich im Laufe der türkischen und australischen Präsidentschaft auf Umsetzungsmaßnahmen inklusive der Klimafinanzierung zu konzentrieren.”

Quelle

Germanwatch.org 2026

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