AfD: Die Männerpartei!
Dass die AfD ausländerfeindlich, europafeindlich und gegen erneuerbare Energien ist, war vielen ihrer Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt wohl klar, sie haben diese Partei trotzdem gewählt.
Dass diese Partei aber auch antifeministisch ist und Frauen nicht ernst nimmt, wurde von sehr vielen einfach verdrängt und ist selbst in den Tagen nach der Wahl bisher kaum diskutiert worden. Dabei ist die Frauenmissachtung der AfD gerade bei dieser Wahl ganz offensichtlich geworden: Die neue AfD-Fraktion des Landtags in Sachsen-Anhalt besteht aus 39 Mitgliedern, davon 37 Männer und – zwei Frauen. Zwei Frauen!
Dieses Wahlergebnis bestätigt die Frauenmissachtung der AfD wie nie zuvor. Unter 37 Männern: zwei Frauen!
Ein trauriger und beschämender Tiefpunkt der Emanzipation. Rein formal tritt die AfD natürlich für die Gleichberechtigung der Geschlechter ein, doch das Leitbild in den Köpfen ist patriarchalisch wie eh und je. Hier wird der Unterschied zwischen wohlfeilen Lippenbekenntnissen und dem wirklichen Tun besonders deutlich. Diese Männerpartei steckt mental noch tief im Mittelalter. Ein ähnliches Verhältnis zeigt die Geschlechterverteilung der AfD im Bundestag: 11.8 Prozent Frauen und beinahe 90 Prozent Männer.
Bei den übrigen Fraktionen im Bundestag sieht der Frauenanteil so aus:
- Bündnis 90/Die Grünen 61,2 Prozent
- Die Linke 56,3 Prozent
- SPD 41,7 Prozent
- CSU 25 Prozent
- CDU 22,6 Prozent
- Afd 11,8 Prozent
Der Professor für Ökonomie und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher meint dazu in der TAZ, man müsse verstehen, dass vor allem viele junge Männer die AfD gewählt haben. Erst dann könne man sie zurückgewinnen. (TAZ 8. Sept 2026).
Diese Wahlentscheidung ist sicherlich auch auf toxische Männlichkeit, Antifeminismus und mangelnde Bildung zurückzuführen. Doch die entscheidende Frage ist, warum sich so viele junge Männer von der AfD dennoch angezogen fühlen? Viele junge Männer haben heute Angst um ihren Arbeitsplatz, um ihr Einkommen und um ihren gesellschaftlichen Status.
Marcel Fratzscher: „Viele leiden unter Einsamkeit, psychischen Belastungen und dem Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Gerade in vielen ländlichen Regionen Ostdeutschlands kommen demografische Entwicklungen hinzu: Immer mehr junge Frauen ziehen für Ausbildung und Studium in größere Städte und kehren häufig nicht zurück. Zurück bleiben Männer, die oft nicht nur wirtschaftliche Perspektiven , sondern auch soziale Bindungen und Anerkennung verlieren. Dadurch entsteht für immer mehr junge Männer tiefe Frustration und eine gefühlte Perspektivlosigkeit. All das macht die Wahl einer antidemokratischen und Menschen verachtenden Partei nicht richtig, aber es macht sie verständlicher.“
Genau diese Zukunftsangst ist die stärkste politische Triebkraft unserer Zeit und führt und verführt dazu, Parteien zu wählen, die scheinbar einfache, aber letztlich populistische Antworten auf diese Ängste geben. Alles, was die AfD will, Nationalismus, Remigration, alte Energien, Abwertung von Frauen, ist rückwärtsgewandt und schafft ein Klima der Angst und Unsicherheit.
Erst wenn die Politik wirkliche Antworten findet auf die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, werden auch junge Männer wieder Lust auf Zukunft verspüren und auch glaubwürdigen Parteien ihr Vertrauen schenken.






