Sind Benzinpreise wichtiger als 16.300 Hitzetote?
Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass im Sommer 2026 in Deutschland ca. 16.300 Menschen durch die Hitze gestorben sind. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz schweigt dazu. Umso wichtiger sind ihr die Benzinpreise, dazu gibt es beinahe täglich Erklärungen und Meldungen.
Dass eine solche Bundesregierung bei den Wählerinnen und Wählern unbeliebt ist, ist nur logisch. Wäre es nicht hilfreicher und überzeugender, Menschen zu unterstützen anstatt Benzin? Schon der erste Tankrabatt vor einigen Wochen kostete den Bund schon um die zwei Milliarden Euro und brachte kaum Entlastung.
Der jetzt angekündigte zweite Tankrabatt soll Bund und Länder, also die Steuerzahler, ca. 2.5 Milliarden Euro kosten. Und wird weiteres Unheil anrichten. Denn Pendler mit kleinem Einkommen, die mit kleinen Autos zur Arbeit fahren, sparen weniger als die Reicheren, die sich große Autos leisten können, die mit viel Hubraum viel verbrauchen und die Umwelt am meisten belasten. Welch ein Paradox in den Zeiten der zunehmenden Hitze und des Klimawandels!
Die Steuergelder fürs Benzin müssen von allen Steuerzahlern aufgebracht werden, auch von denen, die kein Auto fahren. Es ist einfach ungerecht, dass dann vor allem die Vielfahrer und die Reicheren mit den großen Autos profitieren. Wer kein Auto fährt, bekommt nichts.
Ein preiswertes Deutschland-Ticket für neun Euro zum Beispiel käme allen zugute. Wir müssen raus aus der Ölpreis-Krise und aus der Abhängigkeit vom Verbrenner-Auto. Jeder Kilometer, der nicht mit Benzin gefahren wird, macht uns unabhängiger und freier. Auch die Bundesregierung muss begreifen, dass das fossile Zeitalter zu Ende geht. Es nützt nichts, ein Auslaufmodell weiterhin auf Kosten aller zu subventionieren. So bleibt Deutschland auf ewig im Sinkflug.
Die Gründe dafür: Nach dem zweiten Weltkrieg wurde unser Land fürs Auto dezentralisiert: Millionen Deutsche arbeiteten und arbeiten in den Städten, wohnten und wohnen, lebten und leben aber auf dem Land und brauchten und brauchen Autos – bis heute. So wurde billiger Sprit zum „Opium“ für das fahrende Volk. Denn nur so konnte die Trennung von Wohnen, Arbeiten und Leben überbrückt werden.
Doch heute brauchen wir eine Politik der kurzen Wege, einen rapiden Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und einen schnelleren Umstieg auf das E-Auto, sowie mehr Rad- und Fußgängerwege, um den Klimawandel noch aufzuhalten. Doch der nächste Tankrabatt, den die Bundesregierung jetzt plant, bedeutet eher Rückschritt als Fortschritt zu diesem Ziel. Tankrabatt ist ökologischer Wahnsinn und ökonomischer Unsinn. Das sagt auch die Wirtschaftsweise der Bundesregierung Veronika Grimm. Sie hält den nächsten Tankrabatt für „zynisch“.
Eine Gesellschaft, die wie Donald Trump weiterhin auf billiges Benzin setzt, zerstört sich selbst. Nur wer die Abkehr von fossiler Energie subventioniert und fördert, also die erneuerbaren Energien, findet einen wirklichen Ausweg aus der Krise.
Nochmals und deutlich: Solange für die Bundesregierung Benzinpreise wichtiger sind als 16.300 Hitzetote, hat sie die größte Herausforderung unserer Zeit immer noch nicht verstanden und wird weiterhin Wählerinnen und Wähler verlieren.
Wie oft noch wollen Friedrich Merz und seine Koalitionäre die alten Fehler wiederholen? Sie verlieren so immer mehr die politische Mitte wie die jüngsten Wahlergebnisse zeigen.






