EU erklärt 46 Rohstoffprojekte als strategisch wichtig
Umweltorganisationen warnen vor Risiken für Wasser und Gesundheit
Kritische Rohstoffe für die Energiewende sollen künftig verstärkt in Europa gewonnen und verarbeitet werden. Umweltorganisationen fordern jedoch strenge Umweltprüfungen, mehr Transparenz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Auch die geplante Überarbeitung der EU-Wasserrahmenrichtlinie steht in der Kritik.
Die Europäische Kommission hat am 9. Oktober 2026 weitere 46 Rohstoffvorhaben in 16 EU-Mitgliedstaaten als „Strategische Projekte“ eingestuft. Die Projekte umfassen verschiedene Stufen der Rohstoffversorgung – vom Abbau über die Verarbeitung bis hin zum Recycling. Sie sollen dazu beitragen, Europas Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu sichern und Abhängigkeiten von Importen zu verringern.
Doch die Einstufung als strategisch dürfe nicht dazu führen, dass Umwelt- und Gesundheitsrisiken weniger streng geprüft werden, warnt das European Environmental Bureau (EEB), der europäische Dachverband von Umweltorganisationen. Viele der ausgewählten Projekte befänden sich in Regionen, die bereits unter Wasserknappheit oder erheblichen Umweltbelastungen leiden.
Wasser als besonders gefährdete Ressource
Der Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen können große Mengen Wasser benötigen. Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Schadstoffe, Abraum und andere Bergbauabfälle. Flüsse, Grundwasser und natürliche Ökosysteme können dadurch beeinträchtigt werden – gerade in Regionen, die zunehmend mit Dürren, Hitzewellen und Wasserknappheit konfrontiert sind.
Damit entsteht ein Spannungsfeld: Europa benötigt kritische Rohstoffe unter anderem für Batterien, Stromnetze und erneuerbare Energien. Gleichzeitig müssen deren Gewinnung und Verarbeitung mit den Zielen des Umwelt- und Gewässerschutzes vereinbar bleiben.
Das EEB fordert deshalb, dass alle Projekte umfassende Umweltverträglichkeitsprüfungen durchlaufen und die geltenden europäischen Sozial- und Umweltstandards einhalten müssen. Auch die Öffentlichkeit müsse nachvollziehen können, auf welcher Grundlage die Entscheidungen getroffen werden.
Kritik an der Auswahl strategischer Projekte
Nach Angaben des EEB war bereits die erste Gruppe von 60 strategischen Projekten umstritten. Elf davon hätten den Status erhalten, obwohl sie die fachliche Bewertung der Kommission nicht bestanden hätten. Außerdem seien Anträge von Umweltorganisationen auf Zugang zu Unterlagen und fachlichen Stellungnahmen aus dem Auswahlverfahren abgelehnt worden.
Die Organisation sieht darin ein Transparenzproblem. Eine strategische Einstufung allein sei kein Nachweis dafür, dass ein Projekt ökologisch und sozial verträglich ist.
Besonders kritisch bewertet das EEB die angekündigte Überarbeitung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verpflichtet derzeit die Mitgliedstaaten, eine Verschlechterung des Zustands von Gewässern zu verhindern und einen guten Gewässerzustand zu erreichen. Im Rahmen des Aktionsplans RESourceEU hat die Kommission eine Überprüfung und Überarbeitung der Richtlinie angekündigt, um den Zugang zu kritischen Rohstoffen in Europa zu erleichtern.
Aus Sicht des EEB fehlt bislang eine ausreichende Begründung dafür, warum die bestehenden Regeln geändert werden müssten. Die Behauptung der Bergbauindustrie, die Richtlinie verhindere notwendige Projekte, sei nicht ausreichend belegt. Zudem enthalte das geltende Regelwerk bereits Möglichkeiten, unter bestimmten Voraussetzungen Genehmigungen zu erteilen.
Sara Johansson, beim EEB für Wasserpolitik zuständig, warnt vor einer Aufweichung der Schutzbestimmungen. Die europäischen Süßwasserökosysteme seien eine wesentliche Grundlage für Wohlstand und Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen. Umweltbelastungen dürften nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden, sondern müssten von den Verursachern getragen werden.
Transparenz und Beteiligung der Bevölkerung gefordert
Neben strengeren Umweltprüfungen verlangt das EEB nachvollziehbare Genehmigungsverfahren und einen besseren Zugang zu relevanten Informationen. Betroffene Gemeinden und indigene Bevölkerungsgruppen müssten frühzeitig einbezogen werden und wirksame Möglichkeiten erhalten, ihre Interessen einzubringen und gegebenenfalls rechtlich überprüfen zu lassen.
Auch öffentliche Förderungen für strategische Rohstoffprojekte sollten an verbindliche Umwelt- und Menschenrechtsstandards geknüpft sein. Unabhängige Kontrollen und klare Verantwortlichkeiten seien notwendig, um die Einhaltung dieser Vorgaben sicherzustellen.
Recycling allein reicht nicht
Für eine sichere Rohstoffversorgung braucht es nach Ansicht des EEB mehr als zusätzliche Bergbauprojekte und Recyclinganlagen. Entscheidend sei auch, den Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen zu reduzieren.
Dazu gehören langlebigere Produkte, reparaturfreundliches Design, Wiederverwendung, eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen und der Ausbau nachhaltiger öffentlicher Verkehrsmittel. Dadurch könnten weniger Rohstoffe benötigt und Umweltbelastungen entlang der Lieferketten verringert werden.
Die bisherigen Erfahrungen mit den ersten strategischen Projekten werfen laut EEB auch Fragen zur tatsächlichen Umsetzung auf: Mindestens ein Drittel der Projekte im Bereich Bergbau und Verarbeitung sei bereits verspätet, ausgesetzt oder endgültig aufgegeben worden. Nur etwa ein Viertel liege im Zeitplan.
Die Kommission müsse daher nicht nur weitere Vorhaben ausweisen, sondern auch prüfen, warum bestehende Projekte hinter den Erwartungen zurückbleiben. Eine beschleunigte Genehmigung allein löse die Probleme der Rohstoffversorgung nicht, argumentiert Diego Francesco, Rohstoffexperte beim EEB.
Die zentrale Herausforderung für Europas Rohstoffstrategie bleibt damit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz mit dem Schutz von Wasser, Gesundheit und Natur zu verbinden. Dafür braucht es neben verantwortungsvoll geplanten Projekten auch transparente Entscheidungen, wirksame Umweltstandards und eine konsequente Strategie zur Verringerung des Rohstoffverbrauchs.
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- EU Raw Materials Coalition







