PV-Betreiber offen für Direktvermarktung – aber nicht um jeden Preis
Knapp sechs von zehn Befragten sind offen für einen Wechsel in die Direktvermarktung. Viele erwarten dafür einen finanziellen Vorteil und wollen bei der Steuerung ihrer Anlage mitreden.
Viele Betreiber kleiner Solaranlagen sind grundsätzlich offen für die Direktvermarktung. Das zeigt der Praxisreport Solarstrom 2026 des Energiemanagement-Anbieters clever-PV. 59,7 Prozent der Befragten sind offen für einen Wechsel, wenn dieser automatisch und ohne einmalige Kosten abläuft. Außerdem muss der erwartete Nettoerlös so hoch bleiben wie bei der festen Einspeisevergütung.
Worum es geht
Laut Statistischem Bundesamt waren zum Jahresbeginn 2026 knapp 4,8 Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland installiert. Die meisten kleinen Anlagen erhalten für jede eingespeiste Kilowattstunde einen festen Betrag, garantiert über 20 Jahre. Die geplante EEG-Novelle, über die der Bundestag voraussichtlich im November abstimmt, sieht vor, die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen schrittweise abzuschaffen. Ihr Strom soll künftig direkt am Markt verkauft werden. Der Erlös hängt dann vom Börsenpreis ab, der über den Tag stark schwankt. Bestehende Anlagen behalten ihre Vergütung, können aber schon heute freiwillig in die Direktvermarktung wechseln. Der Praxisreport zeigt, unter welchen Bedingungen das für Betreiber interessant wird. Er gibt damit auch Hinweise, wie Direktvermarktungsangebote gestaltet sein sollten.
Ohne Mehrwert kein Wechsel
Offenheit heißt nicht, dass Betreiber jeden Aufwand in Kauf nehmen. 42,5 Prozent erwarten von einem Angebot niedrige Gebühren und laufende Kosten. Wer nicht schon eindeutig zum Wechsel bereit ist, erwartet oft einen spürbaren Vorteil. In dieser Gruppe nennen 42,1 Prozent mehr als 100 Euro zusätzlichen Nettoerlös pro Jahr im Vergleich zur bisherigen EEG-Vergütung.
Steuern lassen ja – nach eigenen Regeln
Die Steuerung durch einen Vermarkter ist die am häufigsten genannte Wechselhürde. Das gilt auch für Befragte, die einem Wechsel eher positiv gegenüberstehen. Grundsätzlich abgelehnt wird sie aber nicht. 64,2 Prozent würden ihre Einspeisung bei negativen Börsenpreisen automatisch reduzieren lassen, also wenn mehr Strom angeboten als gebraucht wird. 40,3 Prozent wollen das allerdings nur mit selbst festgelegten Grenzen. Skeptisch sind viele auch bei der Technik. 61,3 Prozent sind nicht zuversichtlich, dass intelligente Stromzähler (Smart Meter) und Steuerungstechnik rechtzeitig verfügbar sind, um den Wechsel in das Marktmodell möglich zu machen. Selbst unter Befragten mit installiertem Smart Meter sind es 53,8 Prozent.
Eine Stimme aus der Befragung: „Es ist notwendig, dass es Optionen gibt, die der Anlagenbesitzer einstellen kann, sofern er das möchte. Für die breite Masse wird das ganze nur funktionieren, wenn die gesamte Organisation im Hintergrund automatisch abläuft.“
Alles aus einer Hand
Die häufigste Anforderung an ein Direktvermarktungsangebot ist Kompatibilität. 50 Prozent wollen ihre vorhandenen Wechselrichter und Speicher einbinden. 67,3 Prozent bevorzugen grundsätzlich ein Angebot, das Stromtarif, Direktvermarktung und automatische Gerätesteuerung verbindet.
„Die Betreiber sind offener, als die Debatte oft vermuten lässt. Aber Direktvermarktung greift in das Zuhause der Menschen ein. Ein Smart Meter allein schafft dafür keine Akzeptanz. Betreiber wollen sehen, wann und warum ihre Anlage gesteuert wird, und selbst Grenzen setzen können. Wer Direktvermarktung für kleine Anlagen anbieten will, braucht deshalb einen Partner, der vorhandene Geräte einbindet und die Steuerung in einer App nachvollziehbar macht. Genau das leistet ein Energiemanagementsystem“, sagt Willi Appler, Mitgründer von clever-PV.
- Alle Ergebnisse und Grafiken, sowie die vertiefenden Anbieter-Perspektiven, stehen auf unserer Seite zum Praxisreport Solarstrom 2026 zum Download zur Verfügung.







