40 Millionen Elektro-Pkw sind machbar – aber nur mit Ausbau erneuerbarer Energien
50Hertz Transmission-COO Dr. Dirk Biermann hält mehr als 40 Millionen Elektro-Pkw in Deutschland bis 2045 für technisch und energetisch machbar. Voraussetzung sei allerdings der weitere Ausbau erneuerbarer Energien, sagt er im Gespräch mit dem VDE. Das bidirektionale Laden sei dabei ein wichtiger Hebel – aber nicht ohne Herausforderungen.

Dr. Dirk Biermann (50Hertz Transmission GmbH) hält die weitere Elektrifizierung des Straßenverkehrs in Deutschland für technisch machbar – unter einer Bedingung. „Für das Jahr 2045 rechnen wir mit über 40 Millionen Elektro-Pkw in Deutschland. Energetisch ist das darstellbar“, sagt der COO für den Bereich Operations der 50Hertz Transmission GmbH im Gespräch mit Ralf Petri vom VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Allerdings setze das den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien voraus.
Die Herausforderung reicht dabei weit über die Elektromobilität hinaus. „Die zusätzliche Stromnachfrage entsteht nicht allein durch Elektromobilität, sondern auch durch die Dekarbonisierung von Wärmeversorgung und Industrie“, sagt Biermann. „Die größere Herausforderung ist somit nicht das Elektroauto selbst, sondern die gesamte Elektrifizierung der Wirtschaft und Gesellschaft.“
Bidirektionales Laden „technisch vielversprechend“
Laut Biermann können Elektroautos künftig zusätzlich zur Netzflexibilität beitragen und neue Möglichkeiten für Marktteilnehmer schaffen. „Technisch halte ich bidirektionales Laden für vielversprechend“, sagt der erfahrene Manager, der seitmehr als15 Jahren für 50Hertz tätig ist. „Besonders im häuslichen Umfeld entstehen bereits interessante Anwendungen.“ Beim öffentlichen Laden sieht er dagegen noch Entwicklungspotenzial, etwa bei dynamischen Tarifen und Marktanreizen. Er fordert im Gespräch auch, die Anforderungen an die Verteilnetze zu berücksichtigen: „Das Laden von Elektrofahrzeugen erfolgt häufig zeitgleich und kann lokale Belastungsspitzen verursachen. Deshalb benötigen Verteilnetzbetreiber geeignete Steuerungsmöglichkeiten, um unnötigen Netzausbau zu vermeiden.“
Der VDE hat im September die Relevanz von Elektrofahrzeugen als Baustein der Energiewende in den Fokus gerückt und erforscht das Thema bidirektionales Laden derzeit in zwei geförderten Forschungsvorhaben.
Smart-Meter-Rollout ist entscheidender Faktor
Auch jenseits des bidirektionalen Ladens betont Biermann die Digitalisierung und Automatisierung als Hebel für ein leistungsfähiges Netz: „Besonders wichtig sind künftig die Schnittstellen zwischen Übertragungs- und Verteilnetzen. Hier besteht weiterhin erheblicher Entwicklungsbedarf“, sagt er. Ein weiterer entscheidender Faktor sei der Smart-Meter-Rollout. „Ohne diese Zählerdaten wird das Zusammenspiel von Verbrauchern, Erzeugungsanlagen und Batteriespeichern nicht effizient orchestrierbar sein.“
Das Gespräch zwischen Dirk Biermann und Ralf Petri ist Teil einer Interviewreihe, für die Petri, Geschäftsbereichsleiter Mobility beim VDE sowie Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE (VDE ETG), in regelmäßigen Abständen auf Führungskräfte aus der Mobilitätswirtschaft und angrenzenden Branchen trifft. Die Gespräche stellen auch die Menschen dahinter in den Vordergrund und werden auf der Website des VDE veröffentlicht.
Quelle
VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik 2026






