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© Vom landwirtschaftlichen Betrieb zum aktiven Akteur im Energiesystem: Elektrifizierung, Batteriespeicher und intelligente Steuerung ermöglichen es Bauernhöfen, Solarstrom flexibel auf dem Hof zu nutzen und perspektivisch auch für das Stromnetz und Energy Sharing bereitzustellen © Fraunhofer IAO | KI-generiert

Landwirtschaft unter Strom: Wie Bauernhöfe zum Energiespeicher werden

Eigenverbrauch, mobile Speicher und neue Erlösmodelle machen elektrifizierte Höfe zu Akteuren der Energiewende.

Landwirtschaftliche Betriebe stehen energetisch vor einem Umbruch: Während Einspeisevergütungen für ältere PV-Anlagen auslaufen, belasten hohe Energiekosten die Höfe. Elektrifizierung, stationäre Batteriespeicher und bidirektionales Laden eröffnen neue Möglichkeiten, Eigenstrom wirtschaftlich zu nutzen und perspektivisch Flexibilität für das Energiesystem bereitzustellen.

Wenn die Einspeisevergütung endet, braucht Solarstrom einen neuen Wert

Für viele landwirtschaftliche Betriebe verändert sich derzeit die Energierechnung: Ältere Photovoltaikanlagen erreichen zunehmend das Ende ihrer EEG-Förderung und damit entfällt eine über Jahre verlässliche Einnahmequelle. Hinzu kommen hohe Energiekosten, insbesondere für fossile Kraft- und Brennstoffe.

Damit rückt die Frage in den Fokus, wie sich selbst erzeugter Strom künftig wirtschaftlich nutzen lässt. Das Potenzial ist groß: Von rund 255.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland verfügt etwa jeder vierte bereits über eine PV-Anlage. Für diese Betriebe liegt es nahe, möglichst viel Solarstrom selbst zu nutzen und verbleibende Überschüsse zu vermarkten. Die zunehmende Elektrifizierung schafft zusätzliche Möglichkeiten, fossile Energieträger durch selbst erzeugten Strom zu ersetzen.

Elektrifizierung macht den Hof zum Energiesystem

Mit der Elektrifizierung von Landmaschinen und Fahrzeugen kann selbst erzeugter Solarstrom zunehmend auch dort eingesetzt werden, wo heute noch fossile Kraftstoffe benötigt werden. Gleichzeitig bietet der elektrische Antrieb Vorteile für den Hofbetrieb: weniger Lärm, keine lokalen Abgase und neue Möglichkeiten, Arbeitsabläufe zu digitalisieren und zu automatisieren.

Entscheidend ist jedoch nicht nur der Austausch einzelner Maschinen. Erzeugung, Verbrauch, Speicher und Betriebsabläufe müssen intelligent zusammenspielen. Wann steht Energie zur Verfügung, wann werden Maschinen benötigt? Welche Prozesse sind zeitlich gebunden und welche lassen sich flexibel verschieben? Und wann ist es wirtschaftlicher, Strom direkt zu verbrauchen, zu speichern oder ins Netz einzuspeisen? Ein intelligentes Energiemanagement bringt diese unterschiedlichen Anforderungen zusammen.

Bidirektionales Laden macht Landmaschinen zu Speichern

Zusätzliches Potenzial entsteht, wenn elektrische Hoffahrzeuge Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder abgeben können. Beim bidirektionalen Laden werden ihre Batterien zu mobilen Speichern. Gerade Landmaschinen sind interessant: Traktoren sowie hofnahe Fahrzeuge weisen hohe Standzeiten und damit grundsätzlich nutzbare Speicherkapazitäten auf.

Besonders relevant wird die Speicherung in Zeiten hoher PV-Erzeugung: Verfügbare Fahrzeugbatterien oder – je nach Maschinenkonzept – Wechselbatterien können überschüssigen PV-Strom aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereitstellen. So lässt sich eigener PV-Strom auch dann nutzen, wenn die Erzeugung geringer ist oder Strom aus dem Netz teurer wäre – etwa für Kühlung, Lüftung oder Stalltechnik. Speicher können zudem helfen, Lastspitzen zu reduzieren und bei Stromausfällen kritische Prozesse abzusichern. Bidirektionales Laden stärkt damit Eigenverbrauchsoptimierung, Wirtschaftlichkeit und Resilienz.

Vom Eigenverbrauch zum Akteur im Energiesystem

Der eigene Hof ist jedoch nur der Anfang. Werden Erzeuger, Verbraucher und Speicher intelligent gesteuert, entsteht eine weitere wertvolle Ressource: Flexibilität. Perspektivisch können daraus zusätzliche Geschäftsmodelle entstehen, etwa durch Flexibilitätsvermarktung und Netzdienstleistungen.

Auch Energy Sharing erweitert die Möglichkeiten: Erneuerbarer Strom kann dabei über das öffentliche Netz mit anderen Verbrauchern geteilt werden. Mit § 42c EnWG besteht dafür inzwischen ein gesetzlicher Rahmen. Perspektivisch können landwirtschaftliche Betriebe damit nicht nur Lebensmittel und Strom produzieren, sondern auch Energie und Flexibilität für ein dezentrales und resilientes Energiesystem bereitstellen.

Forschung und Austausch

Wie sich Elektrifizierung, Energieerzeugung, Speicher und landwirtschaftliche Prozesse wirtschaftlich sinnvoll verbinden lassen, untersucht das Fraunhofer IAO im Projekt „V2Grow“. Bei Interesse am Projekt oder einem fachlichen Austausch können Sie gerne Kontakt mit Ines Sturz aufnehmen. 

Ines Sturz © Ludmilla Parsyak

Die intelligente Einbindung elektrischer Fahrzeuge und ihrer Batteriespeicher in das Energiesystem – auch in der Landwirtschaft – steht zudem beim „Forum Bidirektionales Laden“ im Mittelpunkt, das am 3. Dezember am Fraunhofer IAO in Stuttgart stattfindet. Die genaue Agenda sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website des Forums.

Ines Sturz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart im Fachbereich Smart Energy Systems, leitet das Projekt „V2Grow“ und das „Forum Bidirektionales Laden“.

Quelle

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO 2026 | Ines Sturz | forum future economy 2026

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