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Deutsche Stromerzeugung: Erneuerbare Energien lassen fossile Kraftwerke alt aussehen

In der ersten Jahreshälfte haben die Erneuerbaren Energien mehr als 55 Prozent zur deutschen Stromerzeugung beigetragen. Der Kohlestrom-Anteil sank erstmals auf unter 20 Prozent. Trotzdem steuert Deutschland auf eine gigantische Ökostromlücke zu.

Es hatte sich schon in den letzten Monaten angekündigt: Die Erneuerbaren Energien haben in der ersten Jahreshälfte 2020 einen Rekordbeitrag zur Nettostromerzeugung in Deutschland geleistet. Mit einem Ökostromanteil von 55,7 Prozent (Stand: 29.06.2020) wurden die fossilen Kraftwerke deutlich abgehängt, sie trugen nur noch 44,3 Prozent bei. Im vergangenen Jahr war das Verhältnis fossiler und erneuerbarer Kraftwerkserzeugung noch umgekehrt.

Am meisten Strom wurde in der ersten Hälfte dieses Jahres von Windkraftanlagen erzeugt. Mit einem Anteil von 30,6 Prozent produzierten sie fast genauso viel Strom, wie alle Braunkohle-, Steinkohle- und Atomkraftwerke zusammen. Die Solarenergie erreichte einen Anteil von 11,4 Prozent, dicht gefolgt von der Biomasse (9,7 Prozent) und der Wasserkraft (3,9 Prozent).


© energy-charts.de / Fraunhofer ISE

Braunkohlekraftwerke haben in der ersten Jahreshälfte noch knapp über 33 Terrawattstunden (TWh) erzeugt, was einem Anteil von 13,8 Prozent entspricht. Deutschlands Kernkraftwerke erreichten immerhin 12,4 Prozent, Steinkohlemeiler 6 Prozent. Der Anteil von Gaskraftwerken ist seit dem letzten Jahr leicht gestiegen und betrug in den letzten sechs Monaten 11,4 Prozent.

Damit diese positive Entwicklung der Energiewende nicht ausgebremst wird, muss die Bundesregierung bei der geplanten Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) dringend nachbessern. Zwar soll das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien im Stromsektor auf 65 Prozent bis zum Jahr 2030 noch vor der Sommerpause gesetzlich verankert werden. Jedoch muss dieses Ziel auch mit angemessenen Ausbaupfaden und Maßnahmen untermauert werden, fordert Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie e.V. (BEE).

Ab 2030 droht eine gigantische Ökostromlücke

Werden die Weichen für einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien jetzt nicht gestellt, droht ab 2030 eine gigantische Ökostromlücke. Die Annahmen der Bundesregierung für den Bruttostromverbrauch 2030 seien fernab jeglicher Realität, warnt Peter. „Sie führen dazu, dass wir sehenden Auges auf eine Ökostromlücke von mindestens 100 TWh zusteuern“.

Wissenschaftler rechnen damit, dass Deutschland das 65-Prozent-Ziel im Jahr 2030 nur dann erreichen kann, wenn die Stromnachfrage abnimmt. Diese Annahme ist jedoch äußerst unrealistisch, denn: Für klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen, Elektromobilität und die gerade erst verabschiedete Nationale Wasserstoffstrategie werden in der nächsten Dekade deutlich größere Strommengen erforderlich, als von der Bundesregierung derzeit geschätzt.

Außerdem müssen industrielle Anwendungen, die Wärmeversorgung sowie der Verkehrssektor so schnell wie möglich dekarbonisiert werden um die Klimaziele zu erreicht. Dafür ist auch eine intelligente Sektorenkopplung dringend erforderlich. Und während die Erneuerbaren Energien von Rekorderzeugung zu Rekorderzeugung eilen, streitet die Große Koalition weiter über ein Gesetz zum Kohleausstieg. Betreiber und Beschäftigte sollen eine Milliardenentschädigung erhalten.

Bei der anstehenden EEG-Novelle müssen zahlreiche Hindernisse für ein Gelingen der Energiewende aus dem Weg geräumt werden. Neben der Schaffung angemessener Ausbaupfade für Erneuerbare Energien müssen auch bestehende Barrieren beim Eigenverbrauch angegangen werden. Zudem ist eine Anpassung der Ausschreibungsvolumina sowie die Ausweisung notwendiger Freiflächen wichtig, um verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Investitionen zu fördern.

Quelle

Der Bericht wurde von
der Redaktion “energiezukunft“ (jk) 2020 verfasst – der Artikel darf nicht
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Heft 28 / 2019 | „Urbane Energiewende“ |  Jetzt
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