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C.G. JUNG: „An Wissen sind wir reich geworden, nicht aber an Weisheit“  

In den ersten Januar-Tagen 2026  ließ Präsident Trump völkerrechtswidrig Venezuela überfallen und dessen Präsidenten Maduro kidnappen und hat dann auch noch gleich damit gedroht, Grönland, Kolumbien und Kuba den USA einzugliedern.

Schon zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Trump angekündigt, Kanada zum 51. Staat der USA machen zu wollen. Es macht Sinn, einen brutalen Diktator wie Maduro vor ein demokratisches Gericht zu stellen. Es scheint aber vielen Menschen wie Wahnsinn, dabei das Völkerrecht zu verletzen. Trumps Wahnsinns-Motto heißt: Man kann nur Neues aufbauen, wenn man vorher das Alte zerstört.

Wie soll man es nennen, wenn statt des bisherigen Völkerrechts plötzlich wieder das alte Faustrecht gelten soll?

Die Begriffe „Wahnsinn“ oder „Größen-Wahnsinn“ sind heute für den US-Präsidenten Trump sicherlich angebracht. Auch für Wladimir Putin und Xi Jinping. Und schon vorher für Massenmörder wie Hitler, Stalin oder Mao Tse-tung.

Trump macht, was er will, weil er es kann? Putin macht, was er will, weil er es kann? Xi macht, was er will, weil er es kann?

Bei immer mehr Problemen stellt sich heute die Frage nach Sinn oder Wahnsinn. Bei der Klimakrise, bei der Terrorbekämpfung, beim Wettrüsten, bei jedem Krieg, bei den ansteigenden Flüchtlingsströmen. Zugegeben: Die Frage nach Sinn oder Wahnsinn ist bei alledem nicht neu. Sie stellte sich auch bei der Pest, bei den Kreuzzügen, bei der Hexenverbrennung, ja schon bei der Vertreibung aus dem Paradies. Aber damit sind die neuen Fragen, Probleme und Herausforderungen nicht sinnvoll beantwortet.

Viele vergessen dabei, dass trotz Trump, Putin und Xi das Völkerrecht Recht bleibt. Das Völkerrecht braucht allerdings – wie Heribert Prantl schreibt: „Kräfte, die es weiterentwickeln und ihm beim Überwintern helfen“. Das Recht des Stärkeren, das jetzt zu gelten scheint, ist überhaupt kein Recht, es bleibt Unrecht, weil es sich auf nackte Macht stützt. Die Größen-Wahnsinnigen können zwar Fakten schaffen, aber sie bleiben dennoch Schurken. Die Völkerrechtsordnung macht als Herzstück der Demokratien nach wie vor Sinn.

Der komplette Wahnsinn wäre es, wenn wir uns einfach damit abfinden würden, dass das Völkerrecht heute brutal verletzt wird. Wenn wir vor den Größenwahnsinnigen einfach kampflos und feige kapitulieren, werden wir als Kolonisierte aufwachen. Oder wollen wir, dass auch in Europa nur noch das Gesetz des Dschungels gilt?

Der große Schweizer Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung analysierte: „An Wissen sind wir reich geworden, nicht aber an Weisheit“. Ganz klar: Zukunft braucht Weisheit. Aber wir sind zu vergangenheitsbesessen und zu zukunftsvergessen. Wir werden auch lernen müssen, mit Unsicherheiten zu leben. Was kann eine Menschheit, die mehr auf Weisheit setzt, heute tun? Jung meint dazu: „Die einzige Großmacht, die ich anerkenne, ist die menschliche Seele“. Und das heißt auch, dass wir lernen müssen, mehr unserer Intuition zu vertrauen. Und diese sagt uns, dass es zu jedem Trend auch immer Gegentrends gibt: In den USA zum Beispiel ganz überraschende Wahlerfolge der Demokraten, zum Beispiel bei der Bürgermeisterwahl in New York.

Auch in Europa gibt es Gegenbewegungen zum Rechtsruck. Und in China wächst das Interesse am Buddhismus. Ebenso ist das Handelsabkommen zwischen den EU-Staaten und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ein deutliches Zeichen der regelbasierten Kooperation gegen den Handelskrieger Trump und gegen die US-amerikanischen Allmachts-Phantasien.  Die Zukunft ist ungewiss, aber offen. Das wird immer so sein. Wer wie ich 1938 geboren ist, hat das mehrmals erlebt.

Haben wir diese „einzige Großmacht“, die menschliche Seele, vergessen und verdrängt?

Weil alles mit allem zusammenhängt, sind wir mitverantwortlich für die Probleme unserer Zeit. Die Wiederentdeckung der menschlichen Seele setzt auf einen globalen Bewusstseinswandel . C. G. Jung verstand sich immer als geistiger Heiler im privaten wie im politischen wie im beruflichen Leben. Dabei spielen Begriffe wie „neu“ oder „alternativ“ oder „neues Bewusstsein“, „neue Tiefenpsychologie“ und „Tiefentheologie“ eine zentrale Rolle. Heute kämen hinzu: „neue Friedensbewegung“, „neue Neurologie“ und „neue Umweltbewegung“.

Der Seelenarzt C. G. Jung schlägt vor, dass wir uns gerade in schwierigen Zeiten um ein Leben heiterer Gelassenheit bemühen, zum Beispiel, um die Erkenntnisse der Nahtoderfahrenen – er selbst hatte eine Nahtoderfahrung – und um über die Konsequenzen daraus nochmal etwas Gründlicher nachzudenken. Bei Jung geht es immer darum, auch unsere eigenen Schattenseiten kennenzulernen. Es könnte ja sein, dass auch der Andere oder die Anderen auch mal Recht haben. Er schlägt deshalb vor, über die „christlichen Voraussetzungen unseres Hierseins noch einmal etwas grundsätzlicher nachzudenken“.

Die Erkenntnis unseres Schattens beschützt uns vor Selbsterhöhung und Moralismus – wichtig beim Bekämpfen des Wahnsinns und beim Suchen nach Sinn. Den Mythos für den modernen Menschen beschreibt Jung als „schöpferisches Bewusstsein“. Um die vorherrschende Todesbewegung und Selbstzerstörung zu überwinden, bedarf es einer Befreiung der Lebensenergie. Darin liegt die Chance unserer heutigen Krisen. Die Geschichte gibt Jung recht. Bei allen Krisen hat es die Menschheit immer geschafft, auch die Chancen zu erkennen. C. G. Jung dazu: „Wir können aus der Grube erst herausklettern, wenn wir in dieselbe hineingefallen sind“.

Quelle

Franz Alt 2026

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