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© Depositphotos.com | lightsource | Auch wenn „Klimawandel“ für viele Menschen recht theoretisch klingt: Es handelt sich dabei um eine Gesundheitskatastrophe, ja um die Überlebensfrage des Lebens schlechthin. Alles Leben auf der gesamten Erde ist gefährdet.

Der dritte Weltkrieg ist da!

Die halbe Welt redet heute  von der Gefahr eines dritten Weltkrieges wegen des Ukraine-Konflikts und übersieht, dass dieser dritte Weltkrieg schon lange begonnen wurde. Es ist der Krieg, den wir gegen uns selbst führen, der Krieg gegen die Natur und damit gegen uns selbst, weil wir ein Teil der Natur sind.

Brauchen Sie noch Beweise für diese Behauptung?

In meiner Zeitsprung-Serie in der ARD Anfang der Neunziger des letzten Jahrhunderts, also vor 30 Jahren, haben meine Kollegen und Kolleginnen in Form einer „Ökologischen Tagesschau“ festgestellt: Täglich

  • Rotten wir global 150 Tier- und Pflanzenarten aus,
  • Vergrößern wir die Wüsten unseres Planeten um 50.000 Hektar,
  • Verlieren wir 80 Millionen Tonnen fruchtbaren Boden und werden eine Viertel Million Menschen mehr,
  • Emittieren wir 100 Millionen Tonnen Treibhausgase.

Wie gesagt: täglich!

Diese schrecklichen Zahlen wurden auch in die damalige Aktion aller deutschen Umweltverbände „Ökologischer Marshallplan“ aufgenommen. Dieser „Ökologische Marshallplan“ wurde von 750.000 Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschrieben. Ich durfte diesen Plan 1995 auf der Weltklimakonferenz in Berlin Angela Merkel überreichen, die damals in Bonn Umweltministerin war und in dieser Funktion auch Präsidentin der Weltklimakonferenz. Angela Merkel 1995: „Diese Zahlen sind erschreckend. Wir müssen sie als Politiker ernst nehmen“. Auch der „SPIEGEL“ sprach schon damals von einem „Dritten Weltkrieg gegen die Natur“.

Und wie sehen die entsprechenden Zahlen heute nach weiteren 25 Weltklimakonferenzen aus?

Wir emittieren jeden Tag global 180 Millionen Tonnen Treibhausgase und rotten täglich beinahe 200 Tier- und Pflanzenarten aus. Obwohl wir wissen: Ohne Tiere und ohne Pflanzen keine Menschen. Wir alle stehen auf den Schultern unserer älteren Geschwister im Tier- und Pflanzenreich.

Die Universität Hawaii prophezeit deshalb in einer wissenschaftlichen Studie: Wir müssen endlich verstehen, dass wir als Spezies gefährdet sind. Nicht nur Bangladesch ist ein verletzliches Land, sondern alle Länder sind durch die Klimakrise verletzlich geworden. Auch wenn „Klimawandel“ für viele Menschen recht theoretisch klingt: Es handelt sich dabei um eine Gesundheitskatastrophe, ja um die Überlebensfrage des Lebens schlechthin. Alles Leben auf der gesamten Erde ist gefährdet.

Diese Hawaii-Studie ergab: Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden 75 Prozent der menschlichen Bewohner unseres Planeten Opfer mörderischer Hitzewellen geworden sein, weil es dann global um etwa vier bis fünf Grad wärmer sein wird als heute (nach anderen Studien sogar um sieben bis acht Grad heißer), wenn wir so weiter machen wie bisher.

Ähnliche Vorhersagen gibt es vom Weltklimarat IPCC, also ganz offiziell von den Vereinten Nationen – und dort sitzen im Normalfall keine Weltuntergangspropheten, sondern eher sogenannte Realpolitiker.

Das heißt im Klartext: Drei Viertel der Menschheit werden umgekommen sein – eine ungeheuerliche Vorstellung. Das ist die Zeit unserer Kinder, Enkel und Urenkel – je nach Ihrem Alter, liebe Leserin, lieber Leser. Durch die Pest im Mittelalter starben in Europa etwa ein Drittel aller Menschen.

Ist der Klimawandel nur Theorie?

Klimawandel klingt für viele Menschen recht theoretisch. In Wahrheit ist es eine Gesundheitskatastrophe, ja eine Überlebensfrage. Zur Eröffnung der Weltklimakonferenz in Glasgow am 1. November 2021 sagte der britische Premier Boris Johnson: „Es ist eine Minute vor Mitternacht.“

Vor dem Gipfel in Glasgow unterzeichneten 40 Religionsführer aus der ganzen Welt – unter ihnen Papst Franziskus, der Groß-Imam aus Ägypten, Ahmed al-Tayyib, und der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I. – einen dringenden Appell für mehr Klimaschutz: „Jetzt ist die Zeit für drängende, radikale und verantwortungsbewusste Taten.“

Das Zeitfenster unserer Handlungsmöglichkeiten schließt sich. Wir leben im letzten Jahrzehnt, in dem wir noch handeln können.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet vor, dass schon heute jedes Jahr mindestens sieben Millionen Menschen an den Folgen des Klimawandels und der weltweiten schlechten Luftqualität sterben. Der Weltklimarat schätzt, dass zur Mitte des Jahrhunderts bis zu 280 Millionen Klimaflüchtlinge auf der Suche nach einer neuen Heimat über unseren Planeten irren werden.

Was muss eigentlich noch passieren, bis wir diese Situation als das begreifen, was sie ist?

Quelle

FRANZ ALT 2022

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