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© Depositphotos.com | m.iacobucci | Papst Leo XIV.

Der politische Papst

Vor einem Jahr wurde der US-Bürger Robert Francis Trevost zum Papst Leo XIV. gewählt.

Schon seine Namenswahl machte sein politisches Programm deutlich: Sein Vorgänger Leo XIII. war der Begründer der katholischen Soziallehre. Katholische Soziallehre heißt: Frieden und soziale Gerechtigkeit. Diesem Programm macht der neue Papst alle Ehre.

Die unflätigen Pöbeleien des US-Präsidenten Donald Trump gegen seinen Landsmann im Vatikan haben Papst Leo rasch und weltweit populär gemacht. Wer diesen sozialen Friedenspapst beleidigt, macht sich selber unbeliebt. Die schlechten Umfragewerte für Donald Trump machen diesen Befund von Tag zu Tag deutlicher.

Trump sagt, ohne ihn wäre „Leo nie Papst geworden“. Richtig ist vielmehr, dass auch wegen Leo Trump bald am Ende sein könnte. Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Was es für die Katholiken in den USA bedeutet, dass ihr Präsident ihren Pope so angreift: Könnte es für Trump der Anfang vom Ende sein? Und für Leo der Anfang von etwas Größerem?“ (Süddeutsche 7. Mai 2026).

Der Papst sei „schrecklich“ und „schwach“, er wolle sogar, dass „der Iran die Atombombe“ besitze, schwadronierte Trump mehrmals. Dabei weiß jedermann, dass die Päpste seit langem die globale Atombomben-Politik verurteilen. Schon Papst Pius XII. sagte: „Nichts ist mit den Frieden verloren, aber alles kann mit dem Krieg verloren sein.“

Leos besonnene Antwort an Trump: „Wenn mich jemand dafür kritisieren will, dass ich das Evangelium verkünde, dann soll er es mit der Wahrheit tun.“ Trump wurde wieder einmal als Lügner entlarvt, vom Papst persönlich.

Macht gegen Moral

Trump sagte jetzt zum zweiten Mal, dass er „die Zivilisation des Iran auslöschen“ wolle. Gegen diesen Wahnsinn muss ein Nachfolger Jesu natürlich Stellung beziehen. Leo: „Der Frieden des auferstandenen Christus ist ein unbewaffneter und entwaffnender Frieden, demütig und beharrlich.“ Leo hat ganz einfach recht, wenn er scharf die „weltweite Tendenz zur militärischen Aufrüstung“ beklagt und den „Eifer für den Krieg“ kritisiert.  Der Kampf „Macht gegen Moral“ geht also weiter. Leo: „Ein Jünger Christi steht niemals auf der Seite derer, die einst das Schwert  schwangen und heute Bomben abwerfen.“ Der Papst nannte Trump nicht beim Namen. Doch getroffene Hunde bellen. Trump hat jetzt einen neuen mächtigen Gegenspieler. Leo ist schon nach einem Jahr der Anti-Trump.

Wenn es immer mehr Kriegstreiber gibt, werden die Friedensstifter immer wichtiger. „Schwerter zu Pflugscharen“: Vor diesem biblischen Motto besiegte die Friedensbewegung der DDR vor über 35 Jahren das DDR-Regime – mit Hilfe des Friedensfreundes Michail Gorbatschow. Gorbi war ein Freund der Bergpredigt Jesu und hat dessen Friedensbotschaft ernst genommen. Mit ihm zusammen habe ich 2016 das Buch geschrieben: „Kommt endlich zur Vernunft – Nie wieder Krieg!“. Wo ist heute ein Gorbatschow? Heißt der heutige Gorbatschow bald Leo?

Die christlichen Kirchen haben sich Jahrhunderte lang mit der säkularen Aufklärung schwer getan. Doch heute ist es ausgerechnet ein Papst, der paradoxerweise einer zeitgemäßen Aufklärung zum Durchbruch verhelfen will. Gott sei Dank. Auch beim Thema Klimawandel kritisierte Leo XIV. wiederholt die, „die noch nicht die Dringlichkeit erkennen, für unser gemeinsames Haus, die Schöpfung, Sorge zu tragen“. Elf Tage tourte er im April durch vier Länder Afrikas, um die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu kritisieren, mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern und zur Überwindung von Gewalt zu mahnen.

Eine Kirche auf der Höhe der Zeit braucht die jesuanischen Visionen von Frieden, Bewahrung der Schöpfung und sozialer Gerechtigkeit. Schon im Herbst 2025 hatte Papst Leo die US-Bischöfe gebeten, gegen Trumps ausländerfeindliche Migrationspolitik vorzugehen. Der Konflikt Macht gegen Moral hat gerade erst begonnen, denn der Vatikan hat soeben mitgeteilt, weiter auf internationales Recht, auf Globalisierung und auf die Werte der Aufklärung zu setzen. Katholisch kommt vom Friedischen „katholikos“ und  heißt schließlich „weltweit“, „allumfassend“, „das Ganze betreffend“.

Leo hat für West-Virginia einen neuen Bischof ernannt. Der Mann kam einst aus El Salvador in die USA. Als Migrant ohne Aufenthaltsgenehmigung. Das ist gelebte Pax Christi. Unpolitisch sein geht nicht für Christen.

Quelle

Franz Alt 2026

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