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© pixabay.com | 2182694 | Das politische Ziel, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, wurde schon kassiert. Auch die neue Bahnchefin setzt nun auf Realismus.

Deutsche Bahn: Bahnchefin will großen Umbau

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat die Pläne der neuen Bahnchefin gebilligt. Evelyn Palla streicht Führungsebenen und verbessert den Service. Die Pünktlichkeit will sie selbst steuern. Profitieren könnte auch das Klima. Von Wolfgang Mulke

Schlanker und schneller, das ist das Leitmotiv der neuen Bahnchefin Evelyn Palla. „Wir stellen die Deutsche Bahn vom Kopf auf die Füße“, kündigt sie an und will Entscheidungen aus der Zentrale in die einzelnen Geschäftsbereiche verlagern.

Im Bahntower steht damit ein radikaler Personalabbau an. Statt bisher 43 Organisationseinheiten unterhalb des Vorstands wird es künftig nur noch 22 geben. Mehr als 1.000 der bislang 3.500 Stellen werden wohl gestrichen. Den Betroffenen sollen über den konzernweiten Arbeitsmarkt neue Tätigkeiten angeboten werden.

Auch gibt es weniger Vorstandsposten. Der Konzernvorstand umfasst nur noch sechs statt acht Ressorts, im Regional- und Fernverkehr entfällt je ein Posten, die Infrastruktur verliert zwei Vorstände.

Den Kunden sei es egal, wie viele Vorstände die Bahn hat, sagt Palla, ihnen komme es auf die Qualität der Leistungen an. Darüber will die Chefin künftig selbst wachen, alle zwei Wochen die Pünktlichkeit überprüfen und die Quellen der Verspätungen analysieren: Für welche Verzögerungen ist das Netz verantwortlich, wo sind es die Transportunternehmen?

Hinsichtlich einer schnellen Qualitätsverbesserung gibt sich Palla keinen Illusionen hin. Im kommenden Jahr strebt sie eine stabile Pünktlichkeitsquote von 60 Prozent an. Bis 2029 soll der Wert auf 70 Prozent steigen.

Die Ziele liegen deutlich unter den vom alten Bahnvorstand genannten: In diesem Jahr sollten mehr als 65 von 100 Zügen pünktlich unterwegs sein. Tatsächlich rutschte die Quote auf etwas mehr als 50 Prozent ab. Als Grund nennt Palla einen schneller als erwartet voranschreitenden Verschleiß des Schienennetzes.

Beide Gewerkschaften stützen den neuen Kurs

Trotz des überlasteten Netzes und der dadurch mitverursachten Störungen will Palla den Umfang des Angebots aufrechterhalten. Verkehr lasse sich nicht per Federstrich ausdünnen. Der Regionalverkehr werde beispielsweise von den Ländern bestellt, so Palla, darauf habe die DB keinen Einfluss. Auch müssten aufgegebene Verbindungen für andere Transportunternehmen offenstehen.

Für die Kunden hat Palla zum Jahresende aber auch eine positive Aussicht parat: Die Bahn investiere ab Januar 140 Millionen Euro in einen besseren Service im Zug, mehr Sicherheit an den Stationen, saubere Züge sowie eine verlässlichere Information der Fahrgäste. Die Bordgastronomie soll ebenso wie die Toiletten im Zug zuverlässiger funktionieren.

Gleichzeitig streicht die Bahn mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag durchaus in einigen Regionen wenig genutzte Züge.

Übergeordnete Konzernprogramme wie das laufende Sanierungsprogramm S3 wird es nicht mehr geben. Stattdessen sollen alle Entscheidungen möglichst dezentral fallen.

Was das konkret bedeutet, zeigt das Beispiel der Infrastrukturgesellschaft Infra Go. Dort ist bisher ein Vorstand für das Bauen im Schienennetz verantwortlich, ein anderer für den Fahrbetrieb. Beide haben naturgemäß unterschiedliche Interessen: der eine will möglichst viel reparieren, der andere möglichst pünktlich fahren. Künftig soll nur ein Manager beide Aufgaben wahrnehmen. Gleiches geschieht bei den regionalen Netzen.

Nach diesem Prinzip will Palla den gesamten Konzern nach unsinnigen Doppelstrukturen durchforsten. Damit will sie im kommenden Sommer fertig sein. Bis zum Jahresende will die Bahnchefin den Umbau dann abschließen.

Beim Güterverkehr drängt die EU

„Es ist vielleicht die größte Transformation in der Bahngeschichte“, sagt Palla. Die Unterstützung dafür ist zumindest aktuell groß. Beide Bahngewerkschaften, EVG und GDL, stützen ihren Kurs. Der Aufsichtsrat habe den Plänen „voll zugestimmt“, erläutert sie.

Außen vor beim Umbau bleibt in den kommenden Wochen noch die kriselnde Cargosparte. Deren neuer Chef Bernhard Osburg erarbeitet gerade ein Sanierungsprogramm für den Güterverkehr. Ende Dezember sollen die Grundzüge vorliegen.

Anschließend soll ein Gutachter den Plan auf Tauglichkeit prüfen. Dessen negatives Urteil über die Sanierungsvorhaben der abgelösten Chefin Sigrid Nikutta hatte letztlich zur Trennung von ihr geführt.

Bei der hochdefizitären Cargosparte drängt die Zeit. Bisherige Verluste hat der Konzern per Kredit ausgeglichen. Das hat die EU-Kommission zwischenzeitlich untersagt. So muss der Güterverkehr bis Ende des kommenden Jahres in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Sonst droht dem Geschäftsbereich die Zerschlagung.

Neben dem Dauerbrenner Pünktlichkeit steht eine bessere wirtschaftliche Bilanz ganz oben auf der Wunschliste des Vorstands. Laut Palla wird das operative Ergebnis des Konzerns zwar sowohl in diesem als auch dem kommenden Jahr schwarze Zahlen beinhalten. Doch unter dem Strich bleibt die Bahn im roten Bereich.

Große Versprechen sind nicht die Sache der neuen Bahnchefin. Entsprechend zurückhaltend bleibt sie auch mit Blick auf das Prestigeprojekt Stuttgart 21. Dessen Eröffnung wurde kürzlich wieder einmal verschoben. Einen neuen Termin will Palla noch nicht nennen. „Wir wollen erst einmal eine lückenlose Aufklärung vornehmen“, sagt sie.

Das Vorhaben hakt zurzeit an der geplanten Digitalisierung des Knotenbahnhofs. Unter anderem will die Bahn prüfen, ob das damit beauftragte Unternehmen Hitachi dafür leistungsfähig genug ist.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Wolfgang Mulke) 2025 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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