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pixabay.com | Cornell Frühauf | Solar Wind

© pixabay.com | Cornell Frühauf | Die Energiewende droht schwer ins Stocken zu geraten.

EE 2026: „Die Erneuerbaren sind dezentral, resilient und kriegstauglich“

Die Erneuerbaren-Branche beklagt Frontalangriffe auf ihre Erzeugung und legt einen 26-Punkte-Katalog für eine beschleunigte Energiewende vor. Derweil fordern die Bundesländer, schon 2026 zusätzlich 5.000 Megawatt Windkraft an Land auszuschreiben. 

Die Windbranche im Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite rang sich die Bundesregierung in ihrer Not beim Klimaschutz dazu durch, 12.000 Megawatt Windkraft an Land zusätzlich auszuschreiben.

All die Anlagen werden aber kaum gebaut, solange das vom Wirtschaftsministerium geplante „Netzpaket“ unverändert bleibt. Die Pläne dazu hat das Haus von Ministerin Reiche unter anderem in Hintergrundpapieren zuletzt bekräftigt, darunter die Pläne zu regionalen Baukostenzuschüssen, wenn erneuerbarer Strom ins Netz eingespeist wird, sowie die Einführung des sogenannten Redispatch-Vorbehalts.

Der Vorbehalt soll dem Netzbetreiber das Recht geben, den Anschluss neuer Solar- und Windkraftanlagen zu verweigern, wenn der Anteil netzbedingter Abregelungen („Redispatch“) bei mehr als drei Prozent der gesamten jährlichen Stromerzeugung in einem Gebiet liegt. Dieses würde dann zu einem „kapazitätslimitierten Netzgebiet“ erklärt.

Wie groß diese Gebiete sind, dazu legte die Bundesregierung auch auf parlamentarische Anfragen hin keine verlässlichen Daten vor. Die Erneuerbaren-Branche behalf sich entsprechend mit eigenen Analysen (siehe Grafiken).

In seiner aktuellen Form droht das „Netzpaket“ jedenfalls den Ausbau der Wind- und Solarenergie in Deutschland massiv zu drosseln. Gefährdet wären Vorhaben von zusammen rund 32.000 Megawatt, die bereits genehmigt sind, sich im Verfahren befinden oder kurzfristig gebaut werden könnten.

Davor warnt eine letzte Woche veröffentlichte Kurzstudie des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag des Ökostromanbieters Green Planet Energy.

Weil das „Netzpaket“ nicht zwischen den Technologien unterscheidet, wären in Regionen mit starker Photovoltaik neue Windprojekte betroffen – und umgekehrt, heißt es in der Analyse. Insgesamt stünden bei der Windkraft an Land etwa 23.000 Megawatt bereits genehmigter oder im Verfahren befindlicher Anlagen vor dem Aus.

Bei der Photovoltaik könnten laut der Untersuchung etwa 9.200 Megawatt kurzfristig realisierbarer Freiflächen-Projekte wegfallen. Das entspräche fast dem gesamten Jahreszuwachs.

Erneuerbaren-Branche macht 26 Vorschläge

Mit Bezug auf die Enervis-Analyse legte der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) letzte Woche seinerseits ein Vorschlagspaket auf den Tisch: 26 Maßnahmen sollen die Unabhängigkeit Deutschlands von Energieimporten stärken, Investitionen sichern und die Energiewende effizienter machen. Dazu gehören beschleunigter Netzausbau, sinkende Redispatch-Kosten, mehr Planungssicherheit für Investoren und eine pragmatische Energiewende im Wärmesektor.

Am stärksten von den Regierungsplänen gebeutelt sind derzeit Solarstrom und Biogas. In der Bioenergie-Branche brachte die letzte Woche vom Kabinett beschlossene Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes das Fass endgültig zum Überlaufen.

Das „Netzpaket“ droht Erneuerbaren-Projekte laut der Enervis-Analyse vor allem in Bayern und Norddeutschland auszubremsen. Für die Untersuchung wertete Enervis Redispatch‑Maßnahmen von zehn Verteilnetzbetreibern aus dem Jahr 2025 aus. Berücksichtigt wurden Daten aus 224 von 433 Landkreisen mit zwei Dritteln der Fläche Deutschlands. Die Redispatch-Mengen wurden Umspannwerken zugeordnet und auf Landkreisebene zusammengefasst. (Bild: aus der Kurzstudie)

Einerseits wolle die Bundesregierung für Heizungen künftig eine Grüngas-Quote einführen, andererseits bedeute die Gesetzesnovelle das Ende des Ausbaus neuer Biomethanprojekte, beklagt die Branche. Etwa 300 in Planung befindliche Anlagen stünden damit vor dem Aus. 

Das neue Energiewirtschaftsgesetz habe die Branche besonders geärgert, gab auch Horst Seide vom Fachverband Biogas bei der diesjährigen BEE-Branchenpräsentation zu erkennen. Wie könne man davon sprechen, dass es in vier bis fünf Wochen vielleicht eine Energieknappheit gebe, in derselben Woche aber ein Gesetz vorlegen, das es Biogasanlagen unmöglich mache, ins Gasnetz zu kommen, beschwerte sich Seide, selbst Biomethan-Händler.

Wie sei es möglich, dass die Bundesregierung heute darüber nachdenke, ein zentrales fossiles System aufzubauen, und auch ihre geplante Kraftwerksstrategie darauf ausrichte, kritisierte Seide weiter und forderte die Regierung auf, den Blickwinkel zu ändern. „Die Erneuerbaren sind dezentral, resilient und kriegstauglich“, betonte er.

Als Backup fürs Stromsystem könne bis 2030 eine Leistung von 12.500 Megawatt Biogas aufgebaut werden, die flexibel einspringe, wenn Wind und Sonne nicht genügend Leistung bringen, wiederholte der Branchenvertreter lange bekannte Vorschläge.

Dazu müssten jetzt jährlich 2.500 Megawatt Biogas ausgeschrieben werden. Wenn es bei den derzeit geplanten Ausschreibungen von 500 Megawatt jährlich bliebe, würden etwa 60 Prozent der Anlagen in den nächsten Jahren den „Schlüssel umdrehen“, warnte er.

Quelle

Der Bericht wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Jörg Staude) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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