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© pixelio.de | Rainer Sturm | Katherina Reiche orientiert sich lieber am herkömmlichen Stromsystem.

Kernfragen: Systemdienlich?

Trotz Energiekrise will die Wirtschaftsministerin die Energiewende nicht beschleunigen. Das erneuerbare Stromsystem sei zu teuer, meint Katherina Reiche. Die Bürgerinnen und Bürger sehen das anders.

Die stark gestiegenen Öl- und Gaspreise infolge des Irankriegs werfen die Frage auf, wie eine gute energiepolitische Antwort auf diese Krise aussehen könnte. Was soll die Bundesregierung tun? Soll sie für Entlastung sorgen? Mit welchen Maßnahmen?

Bei zwei repräsentativen Umfragen wurden in den vergangenen zwei Wochen die Bürger und Bürgerinnen um ihre Einschätzung gebeten. Das Ergebnis ist eindeutig: Die große Mehrheit wünscht sich Entlastungen. Das ist wenig überraschend, zumal hohe Energiekosten die Inflation antreiben und das Leben insgesamt teurer machen.

Aber die Bürger:innen blicken auch in die Zukunft, und hier wird es interessant. Mehrheitlich sprechen sie sich dafür aus, dass Deutschland seine Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduziert – durch einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien.

Eine der Umfragen kommt vom Deutschen Caritasverband und der European Climate Foundation, einer Stiftung, deren Ziel es nach eigenen Angaben ist, eine Klima- und Energiepolitik zu fördern, die die europäischen Treibhausgasemissionen deutlich senkt. Drei Viertel der Befragten befürworten einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren.

Weniger Zustimmung findet ein Wiedereinstieg in die Atomkraft (51 Prozent) und die Förderung von Erdgas in Deutschland durch Fracking (34 Prozent).

Die zweite Umfrage kommt von der Solarbranche, vom Bundesverband Solarwirtschaft. Demnach empfinden 78 Prozent der Bevölkerung die starke Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten als bedrohlich oder eher bedrohlich. Und gut zwei Drittel, nämlich 68 Prozent, wollen mehr Erneuerbare, um diese Abhängigkeit zu reduzieren. 

Die Branche kann solche Umfrageergebnisse derzeit sehr gut gebrauchen. Denn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant Einschnitte bei der Solarförderung, die den Erneuerbaren-Ausbau mit großer Sicherheit verlangsamen werden.

Verena Kern ist Co-Chefredakteurin von Klimareporter°.

Ihr geht es weniger darum, Tempo in die Energiewende zu bringen. Vielmehr soll der Ausbau, wie Reiche immer wieder betont, künftig systemdienlich erfolgen.

Doch ist das wirklich ein guter Weg? Immerhin will Deutschland im Jahr 2030 mindestens 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Wenige Jahre später soll die Stromversorgung nahezu komplett aus erneuerbaren Quellen stammen.

Wäre es da nicht sinnvoller, das System Erneuerbaren-dienlich zu machen, also die Regeln so zu gestalten, dass sie zu den Erneuerbaren passen?

Quelle

Die Kolumne wurde von der Redaktion „klimareporter.de“ (Verena Kern) 2026 verfasst – der Artikel darf nicht ohne Genehmigung (post@klimareporter.de) weiterverbreitet werden! 

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