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Schweiz: Pläne für neue Atomkraftwerke gefährden Energiewende

Greenpeace warnt vor energiepolitischem Rückschritt –  Die Bevölkerung hat mehrfach für Ausstieg votiert.

Die Schweiz steht erneut an einer energiepolitischen Wegscheide. Nach dem klaren Volksentscheid von 2017 für den Atomausstieg will der Schweizer  Bundesrat nun das Bauverbot für neue Atomkraftwerke aufheben. Greenpeace Schweiz kritisiert diesen Kurs scharf: Ein Wiedereinstieg in die Atomenergie sei nicht nur rückwärtsgewandt, sondern sabotiere die dringend notwendige Energiewende.

Bundesrat auf atomarem Irrweg

Auslöser der Debatte ist die sogenannte «Blackout-Initiative» der Atomlobby, die im Frühjahr 2024 zustande kam. Sie fordert die Aufhebung des AKW-Neubauverbots – und gleichzeitig das Verbot fossiler Reservekraftwerke. Energieminister Albert Rösti unterstützt das Anliegen nur teilweise: Er möchte das AKW-Verbot kippen, die Option auf fossile Kraftwerke jedoch beibehalten.

Damit stellt sich der Bundesrat gegen den mehrfach bekräftigten Volkswillen. Die Bevölkerung hat in den letzten Jahren sowohl die Energiestrategie 2050 als auch das neue Stromgesetz mit deutlicher Mehrheit angenommen. Beide Vorlagen zielen klar auf eine Zukunft ohne Atom- und fossile Energien.

Atomkraft keine Lösung

Fachleute halten die Rückkehr zur Atomenergie für unrealistisch. In einer aktuellen Analyse kommen die Schweizerischen Akademien der Naturwissenschaften (SCNAT) zum Schluss: Ein neues AKW käme zu spät, um die Versorgungssicherheit oder die Dekarbonisierung wirksam zu stützen. Zudem verschärfe es ungelöste Probleme wie die Endlagerung radioaktiver Abfälle und die Abhängigkeit von Drittländern.

«Neue AKW blockieren Investitionen in Erneuerbare, die heute schon schneller, günstiger und nachhaltiger ausgebaut werden können», warnt Greenpeace. Anstatt die Energiewende zu beschleunigen, bremse die Politik den Ausbau – und gefährde damit auch den Klimaschutz.

Schweiz kann auf 100 Prozent Erneuerbare setzen

Studien des Bundesamts für Energie, der ETH und der ZHAW zeigen übereinstimmend: Die Schweiz kann sich vollständig mit erneuerbaren Energien versorgen. Entscheidend sind mehr Effizienz, der Ausbau von Solar- und Windkraft sowie die Nutzung bestehender Wasserkraft.

Das neue Stromgesetz, das 2024 an der Urne angenommen wurde, schafft hierfür die Grundlagen. Es beschleunigt den Zubau von Photovoltaik auf Gebäuden und Infrastrukturen, fördert lokale Energiegemeinschaften, erleichtert den Netzausbau und ermöglicht den Ausbau von Wind- und Wasserkraft. Ab 2026 wird das Gesetz seine volle Wirkung entfalten – ein wichtiger Schritt Richtung 100 Prozent erneuerbare Energie.

Volksentscheid möglich

Ob das Parlament den Kurs des Bundesrats mitträgt, ist offen. Greenpeace kündigt jedoch Widerstand an: Sollte die Politik das AKW-Neubauverbot kippen, werde man das Referendum ergreifen und die Bevölkerung erneut an die Urne rufen.

«Die Schweiz hat sich schon mehrfach für eine Energiezukunft ohne Atomkraft ausgesprochen. Diesen klaren Auftrag gilt es jetzt umzusetzen – nicht auszuhöhlen», betont Greenpeace.

Quelle

Greenpeace.ch / oekonews.at 2025

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